Reallohn oder Arbeitsplatz: Die „Benya-Formel“ im Stresstest
Schwache Konjunktur, hohe Lohnstückkosten: WKO fordert von der Gewerkschaft Zurückhaltung bei der Lohnrunde.
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Die Herbstlohnrunde steht vor der Tür. Zwar verhandeln die Metaller heuer nicht – sie haben im Vorjahr gleich für zwei Jahre abgeschlossen –, doch in zahlreichen anderen Branchen wird in den kommenden Wochen wieder um Prozentpunkte gerungen. Und die Ausgangslage ist diffizil: Auf der einen Seite stehen durch die Inflation durchaus berechtigte Forderungen der Arbeitnehmerseite nach Kaufkrafterhalt. Auf der anderen Seite ein Wirtschaftsstandort, der spürbar an internationaler Wettbewerbsfähigkeit eingebüßt hat – nicht zuletzt wegen stark gestiegener Lohnstückkosten. Vor diesem Spannungsfeld gerät nun ein altbekanntes Instrument in die Kritik: Die Benya-Formel wird von Ökonomen zunehmend hinterfragt.
„Wir haben in den vergangenen Jahren massiv an Wettbewerbsfähigkeit verloren“, bringt es WKO-Steiermark-Präsident Josef Herk auf den Punkt. Sein Appell an die Gewerkschaft: Wer an der Benya-Formel festhalten wolle, müsse sie so anwenden, wie sie ursprünglich gedacht war. „Neben der Inflation muss auch die tatsächliche Produktivitätsentwicklung berücksichtigt werden. Diese ist seit Jahren rückläufig und muss dementsprechend eingepreist, sprich abgezogen werden, um Betriebe nicht weiter zu belasten.“
Ewald Verhounig, Leiter des Instituts für Wirtschafts- und Standortentwicklung (IWS), untermauert die Position ökonomisch: „Wie auch das IHS bereits wissenschaftlich belegt hat, sollte sich die Inflationsbewertung an der Kerninflation orientieren – also ohne Energie und Nahrungsmittel, die die heimische Teuerung massiv verzerren.“ Darüber hinaus brauche es grundsätzlich neue Grundlagen für die Lohnfindung: Stufenmodelle oder steuerbegünstigte Einmalzahlungen als Teuerungsausgleich könnten Betriebe spürbar entlasten, ohne dass Beschäftigte real verlieren, so Verhounig.
Wie auch das IHS bereits wissenschaftlich belegt hat, sollte sich die Inflationsbewertung an der Kerninflation orientieren – also ohne Energie und Nahrungsmittel, die die heimische Teuerung massiv verzerren.

Ewald Verhounig
Leiter des Instituts für Wirtschafts- und Standortentwicklung (IWS)
Herk ist sich der Brisanz seiner Forderung bewusst, bleibt aber bei seiner Linie: „Ein Krisen-Modus bei der Benya-Formel führt kurzfristig vielleicht zu Reallohnverlusten, sichert aber langfristig Arbeitsplätze. Mit über Gebühr steigenden Lohnkosten verlieren wir weiter an Wettbewerbsfähigkeit. Was hilft der beste Abschluss, wenn am Ende des Tages die Arbeitsplätze weg sind?“ Die Botschaft an die Gewerkschaft ist damit klar: In einer Phase schwacher Konjunktur und schwindender internationaler Konkurrenzfähigkeit braucht es keine Lohnrunde nach altem Schema, sondern eine, die den Betrieben Luft zum Atmen lässt – und damit Arbeitsplätze sichert.
Ein Krisen-Modus bei der Benya-Formel führt kurzfristig vielleicht zu Reallohnverlusten, sichert aber langfristig Arbeitsplätze. Mit über Gebühr steigenden Lohnkosten verlieren wir weiter an Wettbewerbsfähigkeit. Was hilft der beste Abschluss, wenn am Ende des Tages die Arbeitsplätze weg sind?

Josef Herk
Präsident WKO Steiermark