Sparquote sinkt, Trend zu Vorsorge bleibt
Trotz engerer Spielräume halten die Steirer nicht nur zum Weltspartag am Spargedanken fest: Laut Imas-Studie legen sie monatlich 294 Euro auf die hohe Kante.
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Nicht nur das Sparschwein hat buchstäblich schon einmal „fettere“ Zeiten erlebt: Die wirtschaftlichen Herausforderungen fordern ihren Tribut, viele müssen den Gürtel enger schnallen – und können weniger zur Seite legen. All das schlägt sich auch in einer (leicht) sinkenden Sparquote nieder, wie aus der aktuellen IMAS-Studie im Auftrag der Erste Bank und Sparkassen rund um den bevorstehenden Weltspartag hervorgeht. Demnach liegt der monatliche Sparbetrag der Steirerinnen und Steirer aktuell bei 294 Euro. Zum Vergleich: Im Vorjahr wurden noch 328 Euro auf die hohe Kante gelegt, im Jahr 2024 waren es im Schnitt 331 Euro monatlich. Die Sparquote – also der Sparanteil am verfügbaren Einkommen – ist damit auf 8,7 Prozent zurückgegangen, vor zwei Jahren lag sie noch bei 11,7 Prozent. Der höchste Anteil wurde mit 13,6 Prozent zuletzt übrigens im „Coronajahr“ 2020 verzeichnet, wo Geschäfte und Gastronomie pandemiebedingt großteils geschlossen halten mussten.
Und dennoch: Das Thema Sparen und Vorsorgen ist trotz der rückläufigen Tendenz nicht von der Agena der Steirerinnen und Steirer verschwunden – ganz im Gegenteil, wie Georg Bucher, Vorstandsvorsitzender der Steiermärkischen Sparkasse, unterstreicht: „Der Wunsch nach finanzieller Sicherheit und Vorsorge ist angesichts wirtschaftlicher Unsicherheiten sogar wieder gestiegen.“ Und genau diese Themen sind es auch, die rund um den 31. Oktober ganz besonders in den Fokus rücken. Doch statt wie einst in übervollen Bankfilialen um Zehntelpunkte Zinsen zu feilschen, geht es heute darum, möglichst breit zu diversifizieren und auf mehreren Ebenen vorzusorgen – um einerseits für kurzfristig notwendige „Überraschungen“ gewappnet zu sein und langfristig den Werterhalt des Ersparten sicherzustellen sowie im Idealfall Erträge zu optimieren.
Den Spargedanken scheinen die Steirerinnen und Steirer jedenfalls tief verinnerlicht zu haben: So geben 81 Prozent der Befragten an, dass Sparen für sie „sehr oder ziemlich wichtig“ ist. Und gar neun von zehn Befragten sind überzeugt, dass sich auch kleine Sparbeträge lohnen. Die wichtigsten Motive dabei: 92 Prozent legen Geld für Notfälle zurück, 78 Prozent sparen zur finanziellen Absicherung und 76 Prozent für ihre finanzielle Unabhängigkeit.
Allerdings scheint das klassische Sparbuch als langfristige Veranlagungsform nach jahrelang überdurchschnittlich hoher Inflation ausgedient zu haben – wie ein Blick auf die Statistik zeigt, ist die Inflation seit 2015 um sage und schreibe 43 Prozent gestiegen. Außerdem tümpeln für täglich fälliges Geld die Erträge bei minimalen Zinsen vor sich hin. „Klassische Sparformen reichen oft nicht mehr aus, um langfristige Ziele zu erreichen und die Kaufkraft zu erhalten“, gesteht Bucher ein. Zwar setzen noch immer 73 Prozent der Steirer auf Sparbuch, Sparkarte oder Sparkonto, doch der Anteil ist rückläufig (minus sieben Prozent im Vergleich zu 2025). Wie sonst noch gespart wird? 55 Prozent horten Geld am Girokonto, 39 Prozent investieren in Lebens- bzw. Kapitalversicherung, weitere 37 Prozent setzen auf Wertpapiere. Etwas geringer ist der Anteil jener, die auf staatlich geförderte Pensionsvorsorge, Gold oder andere Edelmetalle setzen (je 28 Prozent). Bemerkenswert ist auch, dass ganze 28 Prozent angeben, ihr Erspartes zu Hause oder im Tresor aufzubewahren – ein Trend, der abgesehen vom individuellen Risiko jedenfalls auch einen garantierten Wertverlust birgt, weil das Kapital zur Gänze unverzinst bleibt.
Klassische Sparformen reichen nicht aus, um die Kaufkraft zu sichern.
Georg Bucher
Steiermärkische Sparkasse
Wertpapierveranlagung als sinnvolle Ergänzung
Umso wichtiger sei es, „frühzeitig vorzusorgen und sich mit unterschiedlichen Formen der Veranlagung auseinanderzusetzen“, betont Bucher. Wertpapiere gewinnen jedenfalls als Ergänzung zum klassischen Sparen immer mehr an Bedeutung. „Im langfristigen Vergleich haben sich etwa globale Aktienportfolios sehr gut entwickelt“, berichtet Vorstandskollege Oliver Kröpfl. Das bestätigt auch die Studie: Bei den genutzten Wertpapierformen zählen Aktien mit 23 Prozent zu den beliebtesten Formen, gefolgt von ETFs und Investmentfonds (je 20 Prozent) sowie Anleihen (elf Prozent). Dass Wertpapiere auch als Anlageform speziell für Unternehmer immer attraktiver werden, geht auch aus einem Rundruf unter heimischen Bankinstituten hervor, bei dem die sinnvollsten Veranlagungsformen abgefragt wurden (siehe Statements weiter unten).
Ich setze auf einen ausgewogenen Mix. Entscheidend ist, kontinuierlich und mit Weitblick vorzusorgen.“
Oliver Kröpfl
Steiermärkische Sparkasse
8,7 Prozent des verfügbaren Einkommens werden gespart. Damit ist die Sparquote aktuell niedriger als im Vorjahr (zehn Prozent).
43 Prozent der Steirer geben an, dass Sparen „sehr wichtig“ sei. Für 37 Prozent ist es „ziemlich wichtig“.
28 Prozent investierten in die staatlich geförderte Pensionsvorsorge, weitere 28 in Gold & Co.
27 Prozent setzen auf Bausparen, 16 Prozent auf Immobilien und 14 Prozent auf Kryptowährungen.
23 Prozent der genutzten Wertpapierformen entfallen auf Aktien, 20 auf ETFs, 20 auf Investmentfonds und elf auf Anleihen.
Statements
Martin Schaller, Raiffeisen: „In Zeiten höherer Inflation ist es wichtig, Geld nicht unveranlagt liegen zu lassen. Ein finanzieller Polster, breit gestreute und regelmäßige Investments sowie ein langfristiger Anlagehorizont schaffen die Basis für Vermögensaufbau. Professionelle Beratung unterstützt dabei, die passende Strategie zu finden.“
Manfred Geiger, BKS Bank: „Unternehmer sollten private und betriebliche Finanzen trennen, Liquidität für Unvorhergesehenes vorhalten und Rücklagen für eine Veranlagung breit streuen. Langfristig bieten passende Assetklassen Kaufkraftschutz; zugleich müssen private und betriebliche Vorsorgepläne regelmäßig geprüft werden.“
Markus Auer, VKB Bank: „Unternehmer spüren Inflation doppelt – im Betrieb und privat. In beiden gilt: langfristig denken, international diversifizieren und strategisch entscheiden. Dabei hilft kompetente persönliche Beratung, die wir als Bank für den unternehmerischen und privaten Mittelstand Unternehmern bieten.“
Monika Cisar-Leibetseder, Volksbank Steiermark: „Die kurzfristig benötigte Liquidität am Spar- oder Festgeldkonto zu parken, macht weiterhin Sinn, ist aber nicht der rentabelste Weg, um Geld über Jahre hinaus zu veranlagen. Für den längerfristigen Anlagehorizont bieten sich z.B. weltweit gestreute Aktienfonds an.“
Christian Strobel-Ludwig, UniCredit: „Zur privaten Vorsorge erachten wir auch für Unternehmer Investitionen in Wertpapiere wie Aktien, Anleihen, Investmentfonds oder ETFs für geeignet, um den langfristigen Werterhalt zu gewährleisten. Aufgrund hoher Inflation ist das mit klassischen Spareinlagen aktuell nicht möglich.“
Philipp Boruta, Schoellerbank: „Wer sein Vermögen jetzt schützen will, muss gezielt investieren. Bei Aktien setzen wir auf solide Unternehmen mit guten Wachstumsaussichten. Chancen sehen wir bei Halbleitern, KI-Infrastruktur und ausgewählten asiatischen Märkten. Auch Anleihen guter Schuldner bieten wieder attraktive Zinsen.“
Claudia Roschkaritsch, BAWAG: „Gerade bei hoher Inflation ist es für Unternehmer wichtig, Vorsorge und Liquidität zusammenzudenken: Eine ausreichende Reserve schafft finanziellen Spielraum. Mittel, die langfristig nicht benötigt werden, können breit gestreut investiert werden.“
Ernst Albegger, Hypo Vorarlberg: „In einer zunehmend fragmentierten Weltwirtschaft gewinnt Diversifikation an Bedeutung. Ein Multi-Asset-Ansatz aus Aktien, Anleihen, Rohstoffen und Edelmetallen kann Risiken breiter streuen und Zugang zu unterschiedlichen Renditequellen bieten, ohne jedoch Verlustrisiken auszuschließen.“