Stammgast im Wartezimmer der EU
Montenegro steht seit 20 Jahren vor den Türen der EU. Man kämpft gegen die Korruption und für einen Beitritt bis 2028.
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Es sind kleine Schritte, mit denen sich Montenegro der Europäischen Union annähert. Der bislang letzte war ein Gipfeltreffen mit den EU-Regierungschefs auf montenegrinischem Boden Anfang Juni. Auf der Agenda: Dynamik in die seit Jahren stockenden Verhandlungen zwischen Brüssel und den Beitrittskandidaten des westlichen Balkans – neben Montenegro Albanien, Bosnien und Herzegowina, Nordmazedonien und Serbien – zu bringen. Montenegro gilt diesbezüglich als „Musterschüler“. Sämtliche 33 Verhandlungskapitel sind mittlerweile eröffnet worden, 14 gelten als bereits abgeschlossen. Bei den übrigen verweist die Regierung um den pro-europäischen liberalen Premierminister Milojko Spajic darauf, dass die meisten zu 90 bis 95 Prozent erledigt seien. Das Ziel ist klar – und in eine entsprechende Zielperspektive verpackt: „28 in 2028“. Demnach will der kleine, berggeschmückte und talzerfurchte Küstenstaat im übernächsten Jahr 28. Mitglied der Europäischen Union sein. Dafür braucht es nach erfolgreichem Abschluss der Verhandlungen eine einstimmige Ratifizierung der EU-27. Es wäre der Schlusspunkt einer sich dann über zwei Jahrzehnte ziehenden Annäherung.
Bereits im Dezember 2008 hatte das Land den entsprechenden Antrag eingereicht, zwei Jahre später den Status eines offiziellen „Bewerberlands“ zugesprochen bekommen. Erneut zwei Jahre musste man allerdings warten, bis tatsächlich Verhandlungen aufgenommen wurden. Die Vorbehalte aus Brüssel blieben lange massiv. Unzureichende Reformen in Sachen Rechtsstaatlichkeit, zu lasche Bekämpfung der Korruption und organisierten Kriminalität – Montenegro gilt als von der Mafia gesteuerter Drogenumschlagplatz – haben bislang zu Verzögerungen geführt.
Wir sehen in Montenegro im Umwelttechnologie- und Holzbereich Kooperations- und Geschäftsmöglichkeiten für steirische Betriebe.

Karl Hartleb
Leiter Internationalisierungscenter (ICS)
Exportschlager Münzen
Konjunkturell hat die kleine Volkswirtschaft nach kräftigen Aufholjahren 2022 und 2023 mit über sechs Prozent beziehungsweise 2024 und 2025 knapp über drei Prozent Wirtschaftswachstum zuletzt eine solide Entwicklung genommen. Nominal hat sich das Bruttoinlandsprodukt binnen fünf Jahren von 4,7 Milliarden Dollar im Krisenjahr 2020 auf prognostizierte 9,4 Milliarden im Jahr 2025 verdoppelt. Haupteinnahmequelle ist der Tourismus. Allein im vergangenen Jahr wurden 2,7 Millionen Ankünfte (+4,7 Prozent) und 15,37 Millionen Übernachtungen (-1,5 Prozent) registriert, davon 95,8 Prozent durch ausländische Gäste, vornehmlich aus Serbien und Russland. Eine hohe Abwanderungsquote von qualifiziertem Fachpersonal und die starke Abhängigkeit von Auslandsinvestoren bleiben allerdings ein strukturelles Problem.
Aus Österreich importiert werden vor allem Fleisch, Pharmazeutika, Pkw, Kessel – und (Euro-)Münzen. Hintergrund ist, dass Montenegro den Euro seit 2002 einseitig verwendet, jedoch keine eigenen Münzen prägen darf und daher seine Bargeldversorgung über Importe aus Euro‑Ländern sicherstellt. Zudem liegt das Investitionsvolumen aus Österreich in Montenegro unter den Top 10. 28 Niederlassungen mit rund 900 Beschäftigten sind registriert.
55,5 Prozent der Wahlberechtigten stimmten vor 20 Jahren für die Unabhängigkeit Montenegros. 55 Prozent waren notwendig.
627.000 Einwohner hat Montenegro. 40 Prozent bezeichnen sich dezidiert als Montenegriner, 30 Prozent als Serben.
67 Millionen Euro betrug 2025 das Warenexportvolumen Österreichs nach Montenegro (+14 Prozent).