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Publikum in einem Kinosaal vor einer leeren weißen Leinwand<br />
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© Soho A studio | stock.adobe.com

Trotz Netflix bleibt Lust aufs Kino groß

In Hollywood wird dieser Tage Filmgeschichte geschrieben – und hierzulande jubeln Kinobetreiber über steigende Zahlen.

Lesedauer: 6 Minuten

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Aktualisiert am 12.03.2026

Angesichts der aktuellen Nachrichtenlage (nicht nur) im Nahen Osten sehnen sich viele nach Ablenkung und Zerstreuung. Wer ein paar Stunden Auszeit und gute Unterhaltung sucht, ist mit einem Kinobesuch gut beraten – ob Blockbuster oder Arthouse-Film: Gerade vor den Oscars, die am 16. März verliehen werden, steht die Filmwirtschaft wieder ganz im Scheinwerferlicht. Wir haben das Hollywood-Spektakel und auch die bevorstehende Diagonale (siehe Beitrag weiter unten) zum Anlass genommen, um die Lage der heimischen Kinos zu beleuchten.

Christof Papousek, Branchensprecher der Kinos und gleichzeitig Chef der Kinokette Cineplexx, darf sich über zuletzt steigende Besucherzahlen freuen. So ist die Zahl der Cineasten im Vorjahr bundesweit um 7,8 Prozent nach oben geklettert (siehe Grafik unten). Allein in der Steiermark wurden in den 18 weiß-grünen Kinos im Vorjahr 1,488 Millionen Besucher gezählt, was den Betreibern insgesamt 13,64 Millionen Euro in die Kassen gespült hat.

„Für uns ist das ein erfreuliches Ergebnis, auch wenn noch Luft nach oben ist“, sagt Papousek – und lässt die vergangenen Jahre Revue passieren: Nach den Corona-Jahren, wo die Besucherzahlen dramatisch eingebrochen waren, seien die Besucher ab Mitte 2022 wieder ins Kino zurückgestömt. Doch 2023 hätte ein Streik der Drehbuchautoren der Branche  einen Strich durch die Rechnung gemacht, deutlich weniger Filme kamen ins Kino.

Erst mit Ostern 2025 kam dann die Trendwende, als die Filmversorgung wieder besser wurde. „Mit Filmen wie ‚Minecraft‘ mit über 500.000 Besuchern ging es dann wieder bergauf“, resümiert Papousek. 

Hinweis
1,488 Millionen Kinobesucher wurden im Vorjahr im Steirerland gezählt.

In dieser Tonart ging es dann weiter: So zog „Das Kanu des Manitu“ fast 900.000 Besucher in die heimischen Kinos. Mit „Avatar: Fire and Ash“ ging knapp vor Jahresende noch ein Publikumsmagnet an den Start, der im Dezember noch 426.000 Cineasten in den Bann zog – fast gleichauf mit dem viertplatzierten Film im Ranking, „Lilo und Stitch“. Auf Platz fünf der meistgesehenen Filme rangiert  Zoomania 2 (fast 437.000 Gäste), gefolgt von der rot-weiß-roten Produktion „Aufputzt is“ (knapp 415.000 Besucher). „Ein unglaublich erfolgreicher Film, der in einer Liga mit ‚Hinterholz 8‘ spielt“, ist Papousek überzeugt davon, dass es ein Mix aus regelmäßigen Hollywood-Starts und lokalen Produktionen ist, der die Kinogäs­te anzieht.

Hinweis
13,64 Millionen Euro nahmen die steirischen Kinos im Vorjahr ein.

Spannende Einblicke in die Branche liefert auch die aktuelle Kinostudie von Gfk, im Zuge derer 8.000 Personen befragt wurden: Demnach liegt das Durchschnittsalter des Kinobesuchers bei 42,3 Jahren – und auch über 80 Prozent der Teenager gehen ins Kino. Interessant ist auch ein Blick auf die Bildungsstruktur des Kinopublikums: Mehr als 40 Prozent haben Matura oder eine höhere Ausbildung. Aussagekräftig ist auch die Besuchsfrequenz: 23 Prozent gehen öfter als sechs Mal jährlich ins Kino, 66 Prozent kommen indes auf nur ein bis zwei Besuche jährlich.

Es ist die Kombination von Hollywood-Starts und lokalen Produktionen, die Besucher in die Kinos lockt.

Die Herausforderungen der Branche will Papousek dennoch nicht kleinreden: „Auch wir kämpfen mit steigenden Energiepreisen, der Inflation und schwer verfügbarem Personal.“ Viele in die Jahre gekommene Häuser hätten zudem Investitionsbedarf – etwa in Sachen Attraktivierung oder auch Kühlung. Bleibt als „Challenge“ noch die digitale Konkurrenz durch VOD (Video on Demand), was vor allem bei der jüngeren Zielgruppe „zieht“: Laut Kinostudie schauen 77,5 Prozent der 14- bis 29-Jährigen Serien auf digitalen Plattformen, weitere 15,7 Prozent konsumieren online Spielfilme.

Was man den Streamingriesen entgegensetzt? „Die Trends gehen in Richtung Premiumisation und Eventisation – also mehr Komfort auf der einen Seite und mehr Events rund um den Film auf der anderen Seite.“ Das könne ein Getränkesponsor genauso sein wie ein Medienpartner oder etwa Kinderschminken bei einem Film für die Kleinen. „Das unterstreicht das soziale Erlebnis“, ist er überzeugt. 

Einen neuen Weg haben die Programmkinos auch mit dem sogenannten „Nonstop-Kinoabo“ beschritten: Ab 22 Euro monatlich kann man damit unbegrenzt Filme in 22 Programmkinos in ganz Österrreich anschauen. „Im studentischen Bereich und in den größeren Städten hat sich dieses Abo-Modell gut etabliert“, so Papousek. 

Was das Kinojahr heuer zu bieten hat

Ins heurige Kinojahr setzen Betreiber große Hoffnungen – spektakuläre Filme sind im Programm.

„Wir erwarten uns viel vom Kinojahr 2026“, wagt Kino-Sprecher Christof Papusek einen Ausblick auf das laufende Jahr. „Das Angebot umfasst Musikfilme und spektakuläre Blockbuster genauso wie Produktionen aus dem deutschsprachigen Raum. Damit sollte für jeden Geschmack etwas dabei sein“, setzt er nach.

Konkret verspricht das Jahr 2026 buchstäblich großes Kino mit „Die Odyssee“ oder „Spider-Man: Brand New Day“, die beide im Juli starten. Gedulden müssen sich noch die Fans von „Avengers“, „Dune“ und „Jumanji“, kommen doch die Fortsetzungen der Blockbuster erst im Dezember in die Kinos. Gamer und Science-Fiction-Fans können sich indes auf „Super Mario Bros 2“, „Mortal Kombat 2“, „Sonic the Hedgedoc 4“ sowie Ryan Gosling in „Der Astronaut“ freuen. Auf jüngere Kinofans warten Filme wie „Toy Story 5“, „Minions 3“ oder „Woodwalkers 2“. Für Musikfans bietet sich ab 23. April „Michael“ an, in dem das Leben von Superstar Michael Jackson von den Anfängen mit den Jackson 5 bis zu seinen größten Erfolgen beleuchtet wird. Auch Eberhofer-Fans werden im heurigen Kinojahr mit „Steckerlfisch-Fiasko“ auf ihre Kosten kommen. 

Von der Vielfalt des heimischen Films

Von 18. bis 23. März verwandelt sich Graz mit der Diagonale wieder in Österreichs Filmhauptstadt.  

Rot-weiß-rote Filmproduktionen abseits von Blockbustern und Mainstream: Damit locken die Veranstalter der Diagonale Jahr für Jahr tausende Cineasten in die Kinos der Murmetropole – so auch heuer wieder bei der 29. Auflage des Formats, das von 18. bis 23. März über die Grazer Leinwände geht. Das Intendanten-Duo Claudia Slanar und Dominik Kamalzadeh, das seit zwei Jahren an der Spitze des Festivals steht, hat mit 149 Filmproduktionen – davon  77 als Österreich- oder Weltpremiere – auch heuer einiges zu bieten.  Im Zuge der Diagonale werden nicht nur hochdotierte Filmpreise vergeben, sondern auch ein vielfältiges Rahmenprogramm mit Diskussionsveranstaltungen, Ausstellungen, Buchpräsentationen und Clubnächten geboten.