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In immer weniger Jobs spielt Alter eine Rolle.
© Adobe Stock

Warum Alter bei der Einstellung kein Kriterium sein sollte

Über zwei Millionen Menschen im erwerbsfähigen Alter sind in Österreich über 45 Jahre alt. Während ein höheres Alter noch vor einigen Jahren von so manchem als Hindernis für eine Einstellung gesehen wurde, erkennen immer mehr steirische Betriebe das Potential von älteren Arbeitnehmern. Bei der Stellenvergabe setzen sie bewusst auf mehr Lebenserfahrung.  

Lesedauer: 4 Minuten

Aktualisiert am 25.10.2023
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Der Fachkräftemangel hat viele Branchen auch in Zeiten der Konjunkturflaute fest im Griff. Landauf landab suchen Unternehmen nach qualifizierten Mitarbeitern. Laut aktuellem Austrian Business Check des KSV 1870 bereitet der Personalmangel weit mehr als der Hälfte der österreichischen Unternehmen Kopfzerbrechen.


Auch in der grünen Mark wird nach vielen Mitarbeitern gesucht. Aktuell verzeichnet das AMS in der Steiermark 14.306 offene Stellen. Dem stehen 28.275 Personen gegenüber, die derzeit auf Jobsuche sind. Ein Gutteil davon ist 45 Jahre alt oder älter. Ihr Arbeitswille ist da, doch am Arbeitsmarkt tut sich diese Generation oft schwer. „Wir wissen aus Erfahrung das berufliche Altersdiskriminierung für viele Menschen ein Thema ist, vor allem bei einem Jobwechsel oder -verlust ab 50“, erklärt Martina Schröck, Leiterin von der Jobplattform Senior Quality, die sich an Menschen ab 45 richtet.

Wir wissen aus Erfahrung das berufliche Altersdiskriminierung für viele Menschen ein Thema ist, vor allem bei einem Jobwechsel oder -verlust ab 50.


Ältere Arbeitsuchende werden häufig aufgrund ihres Alters nicht zu Bewerbungsgesprächen eingeladen, zudem seien sie häufig mit Vorurteilen konfrontiert. In der Steiermark gibt es jedoch ein Umdenken. Immer mehr heimische Unternehmer erkennen das Potential älterer Arbeitnehmer und suchen dezidiert nach Fachkräften mit Lebenserfahrung. Das merken auch die Mitarbeiter von Senior Quality. „Viele Unternehmen wie die Steiermärkische Sparkasse, AT&S oder die ÖBB arbeiten mit uns zusammen. Sie suchen über unsere Plattform nach loyalen und flexiblen Mitarbeitern, die einen breiten Erfahrungsschatz haben. All das bringen Mitarbeiter ab 45+ mit“, erzählt Schröck.

Die Beschäftigten der Initiative finden aus dem großen Bewerberpool der Plattform die geeigneten Kandidaten und begleitet im Onboarding-Prozess. Das Ziel ist dabei klar definiert:  Aus den punktgenaue Job-Matches sollen langfristige Arbeitsverhältnisse entstehen. 

Eine nicht leichtfertig getroffene Entscheidung

Vor kurzem fand auch die 55-jährige Claudia Sello auf diese Art und Weise ihren neuen Job. Seit Oktober arbeitet sie als Verwaltungsassistentin in Graz. In ihrem Leben habe sie schon viele Tätigkeiten gemacht. Aus persönlichen Gründen entschloss sie sich im November 2022 ihr damals bestehendes Dienstverhältnis zu lösen - für sie kein einfacher Schritt. „Je älter man wird, desto reiflicher überlegt man sich diesen Entschluss. Dazu braucht es viel Mut, doch ich wollte einen Job, wo ich etwas bewegen kann“, erzählt Sello.

Je älter man wird, desto reiflicher überlegt man sich diesen Entschluss. Dazu braucht es viel Mut, doch ich wollte einen Job, wo ich etwas bewegen kann.


Nach der Kündigung machte sie sich sofort auf die Suche nach einer neuen Stelle. „Mein Alter war in vielen Bewerbungsgesprächen Thema - auch wenn es nicht offen kommuniziert wurde, doch ich konnte auch einige Arbeitgeber von meinen Qualitäten und Qualifikationen überzeugen“, erzählt Sello. Dank der Jobplattform fand Sie zu ihrem jetzigen Arbeitgeber und ist sichtlich zufrieden: „Ich arbeite jetzt in einem Umfeld, das ich mir schon immer gewünscht habe.“ 

Eigeninitiative führte zum neuen Traumjob

Auch der 57-jährige Michael Nebel aus Frauental an der Lassnitz kennt die Herausforderungen bei der Jobsuche, doch Paul Langmann, Gründer der Photovoltaikfirma Langmann Consulting, erkannte schnell sein Potential. „Es hat mich beeindruckt, das Michael mit Mitte 50 eine völlig neue Ausbildung gemacht hat. Viele Kollegen haben bei der Einstellung nur die Gehaltspyramide im Blick und die höheren Kosten, doch sie übersehen die Reife und Erfahrung sowie hohe Arbeitsmoral, die ältere Bewerber haben."

Michael Nebel in seinem neuen Job als Bürokaufmann.
© Andrea Jerkovic

Nebel war 40 Jahre als Konditor tätig und bildete auch Nachwuchsbäcker und -konditoren aus. 2021 musste er jedoch aus gesundheitlichen Gründen die Reißleine ziehen und seinen Traumjob an den Nagel hängen. Drei Bandscheibenvorfälle machten ihm das Arbeiten in der Küche unmöglich. Der damals 54-Jährige wurde von einem Tag auf den anderen arbeitslos. Was folgte waren Scham und Verzweiflung. Die Lust am Arbeiten war jedoch ungebrochen: „Ich habe schon immer gerne gearbeitet und dachte mir irgendwann, dass es das doch nicht gewesen sein kann“, erzählt Nebel.

Mit Hilfe des AMS ließ er sich mit Mitte 50 zum Bürokaufmann ausbilden. Danach suchte er sechs Monate nach einem Job. Zusagen blieben aus und so begann er in Zeitungen und auf sozialen Medien auf sich aufmerksam zu machen. Mit Erfolg. Heute schreibt er Rechnungen und Angebote und bearbeitet Lieferscheine. „Mein neuer Job gefällt mir sehr. Und ich habe es allen gezeigt. Als älterer Mitarbeiter hat man einige Vorzüge gegenüber den jüngeren. Man ist selbstbewusster im Auftreten, kann Stress besser bewältigen und ist gefestigter.“ Sein Chef Paul Langmann kann dem nur zustimmen: „Worauf es angkommt ist das Engagement, aber nicht das Alter.“