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Geschäftsmann gießt eine Pflanze mit Glühbirnen als Blüten, die das Wachstum von Ideen symbolisieren.
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Was Start-ups zum Wachsen brauchen

Von der genialen Geschäftsidee zum globalen Erfolg: Warum dieser Schritt vielen heimischen Start-ups schwer fällt.

Lesedauer: 6 Minuten

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Aktualisiert am 28.04.2026

5.184 Betriebe wurden in der Steiermark  2025 gegründet,  so viele wie noch nie zuvor. Mit 5,31 Prozent wurde zudem ein neuer Top-Wert in Sachen F&E-Quote vermeldet – und so die Spitzenposition als Forschungs- und Innovationsland bestätigt. Doch bei allen Rekorden: Es ist nicht alles rosig, hört man sich in der Jungunternehmerszene um. Trotz genialer Ideen ist nicht jedem Start-up ein langfristiger Erfolg garantiert. Im Winter sorgte etwa die Insolvenz des Unternehmens „Reactive Reality“ – das mit seinem virtuellen Einkaufserlebnis Marken wie Hugo Boss überzeugen konnte – für Aufmerksamkeit. Der Grund? Abgesprungene Investoren.

Hinweis
5,31 Prozent erreichte zuletzt die steirische F&E-Quote. Ein neuer Rekord.

Es ist das Geld, das allzu oft zwischen Idee und Erfolg steht. Das unterstreicht Martin Mössler, der als Geschäftsführer des „Science Park Graz“ Jungunternehmen gezielt in Sachen Netzwerk oder Internationalisierung unterstützt: „Der kritischste Punkt liegt klar beim Markteintritt und in der Skalierung. Viele Start-ups sind technologisch exzellent aufgestellt, scheitern aber daran, belastbare Vertriebsstrukturen aufzubauen oder Zugang zu internationalen Märkten zu finden.“ Hinzu komme eine Finanzierungslücke in späteren Phasen. „Hier fehlen speziell in Österreich oft die notwendigen Volumina im Venture Capital im Vergleich zu internationalen Benchmarks“, so Mössler.

Wir müssen den Zugang zu Wachstumskapital verbessern, etwa durch größere Fondsvolumina und eine stärkere Einbindung institutioneller Investoren.

Eine Analyse, die Christoph Schöggler bestätigen kann. Mit seinem früheren Unternehmen „Aurox“ hatte er zuletzt den Schritt über die Start-up-Phase hinaus geschafft, nach dem Verkauf seiner Beteiligungen startet er nun mit „Vertify“ im Medizinprodukt-Segment durch. Seine Erfahrung? „Die Förderlandschaft in Österreich ist eine der besten der Welt, um eine Idee zu entwickeln.“ Schwieriger werde es eben danach – wenn es um die Skalierung geht. Ähnliches konstatiert Christian Pittner, Co-Founder von „Noknots“, einer KI-basierten Plattform, die Produktdaten im Onlinehandel automatisch mit EU-Verordnungen abgleicht. „Fehlender Zugang zu Investoren ist eines der Hauptprobleme in Österreich – genau deshalb gibt es auch so viele Förderungen.“ Beide sehen die USA als Vorbild – nicht umsonst würden dort deutlich mehr Start-ups den „nächsten Schritt“ schaffen. Pittner: „In Österreich werden andere, oft verzerrte Maßstäbe angelegt.“ So seien viele junge Betriebe gezwungen, ihre Fühler über die Landesgrenzen hinaus auszustrecken.   

Mangel im Dschungel

Das letzte Grazer „Start-Up-Barometer“ bestätigt eine herausfordernde Finanzierungssituation: Mit 3,47 von sieben Punkten vermerkte man hier den schlechtesten Wert seit 2016. Mehr als jedes zweite befragte Start-up erhielt demnach bisher keine externe Finanzierung. Nur neun Prozent  vermeldeten eine Unterstützung von Business Angels, nur zwei Prozent von Venture-Capital-Unternehmen. Große Investments bilden laut Umfrage zudem die Ausnahme. Meist betrug die Summe bis 50.000 Euro – nur fünf Prozent lagen über einer Million.

Hinweis
57 Prozent der Grazer Start-ups erhielten keine externe Finanzierung.

Auch was das Förderangebot angeht, sank die Bewertung von 4,92 auf 4,29 Punkte. „Das Förderwesen ist wie ein Dschungel, unglaublich unübersichtlich“, kritisiert Jakob Deimbacher, der mit seinem Unternehmen „Joinpoints“ eine Digitalisierungsplattform für andere Betriebe bietet. „Wir sind immer durchs Raster gefallen. Zu groß, zu klein, zu alt, zu jung – die Anforderungen sind sehr spezifisch.“ Andreas Flanschger, CEO von „bionic surface technologies“ – das Unternehmen macht mit Oberflächen, die an Haifischhaut angelehnt sind, Flugzeuge und Co. effizienter –, bläst ins gleiche Horn: „Die Förderlandschaft fokussiert zu wenig auf Hidden Champions. Mit einer anderen Schwerpunktsetzung könnte man mehr Technologien und auch Produktion im Land behalten.“ Hinzu komme die bürokratische Belastung, so Pittner: „Die Beantragung und Abwicklung der Förderungen dauert viel zu lange. Oft wartet man Monate auf das Geld – für Start-ups fühlt sich das an wie Jahre.“ 

David Schweiger hat den Sprung zum Erfolg bereits geschafft: Mit „NovaLabs“ erwirtschaftet der Grazer Nahrungsergänzungsmittel-Produzent 25 Millionen Euro Jahresumsatz. „Die größte Hürde ist aber sicher, am Beginn an das nötige Kapital zu kommen.“ Sein Rat: „Nicht ablenken lassen – und einfach sein Ding machen!“ Ähnlich sieht es Deimbacher –Joinpoints hält sich immerhin seit sieben Jahren am Markt, hat Kunden wie die Deutsche Polizei vorzuweisen und sicherte sich zuletzt ein großes Investment der Raiffeisen Landesbank. Aber: „Wir waren  von Beginn an auf eigene Umsätze angewiesen. Es war eine harte Schule, doch so waren wir gezwungen, uns auf den Vertrieb zu konzentrieren.“ 

Der Trend zur Eigenfinanzierung setzt sich fort: Grazer Start-ups greifen laut Barometer vermehrt auf eigene Ersparnisse zurück (78 Prozent) und decken ihre Mittel aus dem eigenen Cash Flow heraus (51 Prozent). Für Mössler kein Zufall: „Entscheidend ist weniger die nächste Förderung, sondern der Zugang zu zahlenden Kunden und tragfähigen Geschäftsmodellen. Wer es schafft, ein Produkt im Markt zu verankern, wird auch Investoren finden.“   

Hinweis
5.184 Betriebe wurden 2025 in der Steiermark gegründet – 14 am Tag.

Statements

 Die  Förderlandschaft in Österreich ist eine der besten der Welt, wenn es darum geht, eine Idee zu entwickeln. Aber wenn es um Markteintritt und Skalierung geht, fehlt es an Unterstützung. Hier bräuchte es einen Hebel, um jungen Unternehmen einen Schub zu geben – und Wertschöpfung im Land zu halten.

Die Förderlandschaft in Österreich ist leider sehr unübersichtlich – und viele Regeln entsprechen nicht dem Zeitgeist bzw. werden zu viele Unternehmen von vornherein ausgeschlossen. Wir haben es auch ohne geschafft – weil wir uns von Beginn an auf den Vertrieb fokussiert haben.

Eines der Hauptprobleme in Österreich ist der fehlende Zugang zu Investoren – in den USA ist die Kultur eine ganz andere. Auch die komplexe Förderlandschaft und die Bürokratie sind eine Belastung sowie die hohen Lohnnebenkosten. Die sollten für Start-ups in den ersten Jahren gesenkt werden.

In Österreich ist es nicht leicht, Innovationen voranzutreiben. Vor allem in Nischen bzw. bei Hidden Champions fehlt es oft an Fördermöglichkeiten – insbesondere wenn es in Richtung Umsetzung geht. Mit mehr Schub zum richtigen Zeitpunkt könnten wir mehr Technolo­gien im Land behalten. 


Die überbordende Bürokratie bremst in Österreich massiv. Und auch mit einer guten Idee und einem entsprechenden Geschäftsmodell ist es am Anfang sehr schwer, an das nötige Kapital zu kommen. Das ist mit Sicherheit die größte Hürde für junge, innovative Unternehmen.