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Portrait Stefan Wallner, Gartenbau Wallner
© Foto Fischer

Wenn aus Blumen ein Business wird

Das Grazer Unternehmen „Gartenbau Wallner“ gilt als größter Schnittblumenproduzent Österreichs: Für den Valentinstag werden im Süden der Stadt hunderttausende Pflanzen gezogen.

Lesedauer: 5 Minuten

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Aktualisiert am 13.02.2026

Kaum zu glauben, dass mitten im Grazer Stadtgebiet der größte Schnittblumenproduzent Österreichs angesiedelt ist: Südlich des Südgürtels werden in Liebenau am Areal des Gartenbaubetriebs Wallner auf mehreren Hektar Fläche ganzjährig Rosen, Gerbera, Tulpen und Alstromerien kultiviert, gepflegt, geschnitten und verpackt. Rund um den Valentinstag, der mit dem Muttertag zu den umsatzstärksten Tagen zählt, hat Firmenchef Stefan Wallner buchstäblich alle Hände voll zu tun – und dennoch Zeit gefunden, der „Steirischen Wirtschaft“ Einblicke in das blühende Blumen-Business zu gewähren und den Weg vom Glas- bis zum Sortierhaus nachzuzeichnen.

Im Glashaus selbst reihen sich abertausende Blumen aneinander. Mit enormem Aufwand werden die Pflanzen auf nährstoffreichem Untergrund gepflegt, gegossen, kultiviert. Unnötige Seitentriebe werden beseitigt, Blindtriebe eingebogen und Schädlinge entfernt. Für optimales Licht sorgt die LED-Beleuchtung, für die richtigen Temperaturen muss großflächig beheizt werden. „Die Kälte im Jänner hat uns vor große Herausforderungen gestellt“, gesteht Wallner ein. Nach dem Schnitt werden die Blumen dann in Qualitätsklassen sortiert, verpackt, kühl gelagert und ausgeliefert.

Gerade vor dem 14. Februar gilt es, punktgenau zu planen und zu produzieren, erklärt der 36-Jährige: „Wir handeln ja mit einem lebenden Produkt. Es ist eine Kunst, dass es genau zum Valentinstag genug Rosen gibt.“ Von Schnitt zu Schnitt vergehen bei Rosen rund sechs Wochen.  Alleine 26 Rosensorten hat der Grazer „Rosenkavalier“ im Sortiment, dazu kommen 80 Gerberasorten.  

Standort Gartenbau Wallner
© Foto Fischer Bei Wallner setzt man mit der Marke „Heimat Blumen“ auf Regionalität.

Die Stückzahlen, die rund um den Valentinstag an Floristikbetriebe und Gärtnereien ausgeliefert werden, sind beeindruckend:  80.000 Stück Tulpen pro Woche sind es vor dem „Tag der Liebe“, ebenso viele Mini-Gerbera werden in diesen Tagen von Liebenau aus auf den Weg gebracht. „Wir liefern weit über die steirischen Grenzen hinaus auch nach Wien, Niederösterreich, nach Kärnten, ins Burgenland und zu Zwischenhändlern in Linz sowie ins nördliche Slowenien.“

Wallner, der den von seinem Urgroßvater im Jahr 1943 gegründeten Betrieb bereits in vierter Generation führt, ist in große Fußstapfen getreten. Nach dem frühen Tod seiner Eltern hat er den Betrieb in jungen Jahren übernommen, aktuell beschäftigt er am Standort 42 Mitarbeiter. „Schon als Bub hab ich mir das Handwerk bei meinem Vater abgeschaut, war mit ihm im Betrieb unterwegs, hab Schädlinge gesucht und Rosen geschnitten“, erzählt er. „Im Herzen bin ich Gärtner, muss aber auch einen Blick auf die wirtschaftliche Seite haben“, setzt der studierte Wirtschaftsingenieur nach. Viel Know-how hat er sich auch in den Niederlanden angeeignet, das mit Kenia, Kolumbien und Ecuador zu den größten Blumenproduzenten und -exporteuren zählt.

Im Gegensatz dazu setzt Wallner allerdings bewusst auf Regionalität, Nachhaltigkeit und kurze Transportwege – und möchte mit seiner Marke „Heimatblumen“ auch ein Bewusstsein für den Mehrwert seiner Produkte bei den Konsumenten schaffen. „Wir versuchen, möglichst ökologisch und nachhaltig zu produzieren“, sagt er. So habe man etwa auf LED-Lampen umgerüstet, das Wasser werde zu 100 Prozent recycelt. „Das gebrauchte Wasser wird aufgefangen, desinfiziert und wiederverwendet“, sagt Wallner und setzt nach: „Mittels Sauerstoffanreicherung gelingt es uns auch, nicht nur Kosten zu senken, sondern auch bei den Pestiziden zu sparen.“ Steinwolle würde dafür sorgen, dass kein Dünger in den Boden kommt. Und Schädlingen wie Mehltau oder Blattläusen begegnet Wallner lieber mit Nützlingen als mit Pflanzengift. So habe er etwa in Schlupfwespen, Raubmilben und Co. einen hohen fünfstelligen Betrag investiert. 

Doch zurück zum Valentinstag. Der „Tag der Liebe“ sorge laut Wallner für einen „außerordentlichen Peak-Moment“, doch generell wünscht er sich mehr Wertschätzung für Blumen und ihre Erzeuger das ganze Jahr über. Sein persönlicher Favorit ist – wenig verwunderlich – die rote Rose. „Sie ist und bleibt der Rolls-Royce unter den Blumen.“

Hinweis
Millionen Euro werden von den Steirerinnen und Steirern heuer insgesamt zum Valentinstag ausgegeben. Wer schenkt, gibt dabei im Schnitt rund 60 Euro aus.

Herzförmige Geschenkbox mit rotem Band – Valentinstag
© olgakris | stock.adobe.com Die Schenkenslust bleibt groß.

Stationärer Handel ist „in“: Was die Steirer zum Valentinstag schenken

Der Valentinstag bleibt ein wichtiger Kaufanlass in der Steiermark. 63 Prozent wollen ihre Liebsten beschenken (80 Prozent der Männer). Gesamt kommen Ausgaben in Höhe von rund 31 Millionen Euro zusammen. 2025 lag man unter 30 Millionen. Gekauft wird vor allem im stationären Handel, 86 Prozent suchen dort die passenden Produkte, 23 Prozent greifen auf Online-Shops zurück. Blumen haben bei den Top-Geschenken (53 Prozent) die Nase vorn, es folgen Süßigkeiten/Schokolade (38 Prozent), Restaurantbesuche (20 Prozent) und Parfums/Kosmetika (12 Prozent). 

Steirer sagen es durch die Blume: Rosen bleiben die Nummer eins

„Zum Valentinstag stehen Blumen wie kaum ein anderes Geschenk für Liebe, Wertschätzung und Nähe“, so Johann Obendrauf, Landesinnungsmeister der Gärtner und Floristen. Das zeigt sich auch in den Zahlen: Blumen sind bei den meisten Steirern das Valentinstagsgeschenk der Wahl. Besonders hoch im Kurs stehen dabei Rosen, 57 Prozent jener, die Blumen schenken wollen, tun das mit der sogenannten „Königin der Blumen“. Aufs Podest schaffen es auch Tulpen (31 Prozent) und Orchideen (23 Prozent), es folgen Jasmin und Gerbera (jeweils neun Prozent).

Eleganter Blumenstrauß in zarten Cremetönen
© artemidovna | stock.adobe.com Beliebt: Rosen, Tulpen und Co.

Liebe geht (auch) durch den Magen: Süße Versuchungen bleiben beliebt

„Wir rechnen heuer mit noch etwas mehr Kaufinteresse als im letzten Jahr – einfach, weil das Datum mit dem Samstag sehr gut fällt“, blickt Manuela Klammler-Almer, Obfrau des steirischen Lebensmittelhandels, optimistisch auf den Valentinstag. Ingesamt sei schon seit der Vorweihnachtszeit ein positiver Trend bemerkbar. „Und ja, die Nachfrage nach Süßigkeiten und Pralinen ist schon hoch. Da wird auch seitens der Hersteller mit Sonderverpackungen in Herzform reagiert – das wird natürlich gerne gekauft.“ Auch Blumen hätten viele Lebensmittelhändler im Angebot.

Mix aus Schokoladenpralinen, von oben
© Nitr | stock.adobe.com Pralinen sind ein beliebtes Präsent.