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E-Commerce-Versandkonzept mit bewegten Paketen in urbaner, digitaler Hightech-Umgebung
© Hospital man I stock.adobe.com (KI-generiert)

Wo Revolutionen mittlerweile Alltag sind

Stationär, rein online – oder Hybrid-Varianten: Der Handel wird immer vielfältiger. Wie Unternehmen damit umgehen.

Lesedauer: 5 Minuten

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Aktualisiert am 29.04.2026

Im Keller einer Schwiegermutter begann 2010 eine Geschichte, die heute als „niceshops“mit E-Commerce 169 Millionen Euro Umsatz schreibt. Gleichzeitig eröffnet ein Händler in Wörschach einen Radladen ohne einen einzigen Online-Artikel – während sich ein einstiger Katalog-Riese erfolgreich zum Online-Spezialisten wandelte. Der steirische Handel folgt längst schon keiner einheitlichen Logik mehr. 

Fest steht nur der stetige Wandel, wie Harald Gutschi, Geschäftsführer der Otto Austria Group, weiß: „Von 40.000 zu zwei Millionen Artikeln, von halbjährlich geltenden Preisen und Waren-Dispositionszeiten zu minütlich dynamischen Änderungen. Statt damals 40 Katalog-Versendern können Kunden heute aus 60.000 Online-Shops bestellen.“ Neu ist nicht zuletzt die globale Konkurrenz – vom Markt­riesen Amazon bis hin zu Billiganbietern wie Temu. 

Und doch ergeben sich für heimische Betriebe Potenziale. Das zeigt „niceshops“, das von der Südoststeiermark aus zum Branchenplayer gewachsen ist. „Außerhalb der Steiermark kennt man unseren Namen gar nicht – da kennt man unsere Onlineshops“, erzählte Gründer Roland Fink zuletzt im Podcast „Geniestreich“. 30 davon verzeichnet der Betrieb aktuell – und rund 1,3 Millionen aktive Kunden in bis zu 18 Sprachen. Mittelfristig hält man sogar einen Umsatz im Milliardenbereich für möglich. 

Eine perfekte Mischung aus stationär und online findet man bei der Buchhandlung Plautz in Gleisdorf. „Die Branche ist durch große Konzerne unter Druck, aber wir kontern mit Events vor Ort und einem der modernsten Online-Shops Öster­reichs“, so Geschäftsführer Claus Schwarz. Mit dessen Start kurz vor Corona habe man viele neue Kunden gewonnen. Der stationäre Handel werde erhalten bleiben – aber: „Ohne Online geht es nicht mehr.“

Eine Aussage, der Sportartikelhändler Harry Scherz klar entgegentritt. „Wir sehen die Zukunft in der Spezialisierung“, erzählt er. Darum fokussiere er sich künftig auf Fahrräder. „Es braucht kein Vollsortiment, die Menschen schätzen die fachliche Beratung und das persönliche Service“, erklärt Scherz. Die Neueröffnung sei also ein strategischer Schritt – und das ohne E-Commerce. „Wir positionieren uns bewusst als Fachhändler vor Ort!“

Zurück zum Online-Bereich – da stehe man laut Gutschi KI-bedingt vor einer neuen digitalen Revolution – Stichwort „agentic commerce“: Bots, die für Menschen einkaufen. „Sie werden unser Leben erleichtern und beim Bestellen und Einkaufen helfen“, so der Otto-Austria-CEO, der betont: „Dieser Umbruch ist gigantisch und kann noch nicht in allen Facetten begriffen werden.“

Von Katalogen zum Online-Riesen

Ob Otto, Universal, Quelle, Lascana oder Ackermann – es gab eine Zeit, da hatte wohl jeder Haushalt einen dieser Kataloge am Küchentisch. Mittlerweile haben sich all diese Marken als Teil der in Graz und Salzburg ansässigen „Otto Austria Group“ zu erfolgreichen Online-Shops gewandelt. 2003 wurden zuerst Otto und Universal unter dem Dach von „Unito“ zusammengeführt, 2024 kam es als Teil der Hamburger Otto Group zum Rebranding unter dem heutigen Namen. Im letzten Geschäftsjahr verzeichnete  der größte Online-Händler mit Sitz in Österreich einen Gesamtumsatz von 318 Millionen Euro – und rund 3,6 Millionen Kunden. 

Portrait Harald Gutschi
© OAG/Emmanuel Feiner Geschäftsführer Harald Gutschi

Wo Kultur auf Digitalisierung trifft

Was 1948 in Gleisdorf mit den Schwerpunkten Versandbuchhandel und Zeitschriftengroßvertrieb begann, hat sich über die Jahre dem Zeitgeist angepasst, ohne seine Wurzeln zu verlieren: Bis heute gilt die Buchhandlung Plautz in Gleisdorf als kultureller Treffpunkt – nicht umsonst wurde man bereits zum zweiten Mal mit dem Österreichischen Buchhandlungspreis ausgezeichnet. Gleichzeitig setzte man früh auf das digitale Geschäft – schon seit 2003 konnte per E-Mail bestellt werden, seit 2019 startete man mit einem modernen Online-Shop neu durch.

Geschäftsführung Buchhandlung Plautz, v.l.: Claus Schwarz, Petra Schaller
© Gernot Muhr v.l.: Claus Schwarz, Petra Schaller

Voller Fokus auf den Fachhandel

Spezialisierung heißt die Devise bei Waltraud und Harry Scherz, die das bekannte Sportgeschäft der Familie Scherz in zweiter Generation führen. Denn nach der Übernahme entschlossen sich die beiden, sich vom Vollsortiment zu verabschieden – und eröffneten just am 1. April 2026 als „RadSport Scherz“ neu. Das Geschäft, für das rund 2,5 Millionen Euro investiert wurden, bietet nun mehr als 700 Quadratmeter Verkaufs- und Servicefläche und ist direkt neben der Steirerbike-Pyramide in Wörschach verortet. Die bestehenden Filialen inklusive Ski-Verleih bleiben bestehen.

RadSport Scherz: Eröffnungsfeier in Wörschach
© KK Eröffnungsfeier in Wörschach

Online-Spezialist bricht alle Rekorde

Die Geschichte nahm ihren Anfang im Jahr 2010 im Keller von Roland Finks Schwiegermutter – heuer feierte der Steirer mit „niceshops“ (nach zuletzt herausfordernden Jahren) die beste Bilanz der bisherigen Unternehmensgeschichte: 169 Millionen Euro bedeuten einen neuen Umsatzrekord (+20 Prozent) für das Unternehmen, das in Europa hinter zahlreichen Online-Shops steckt – von „3DJake“ bis „Ecco Verde“. Zwei Millionen Pakete wurden allein 2025 in rund 80 Länder verschickt.

v.l.: CEOs Christoph Schreiner, Roland Fink, Carina Hödl, niceshops
© niceshops v.l.: CEOs Christoph Schreiner, Roland Fink, Carina Hödl