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Drei Personen tragen traditionelle Trachten und stehen bzw. sitzen vor einer Holzhütte. Im Hintergrund sind Berge und Wald zu sehen. Alle drei lächeln in die Kamera, die Kleidung ist farblich aufeinander abgestimmt und detailreich verziert.
© Trachten.Werkstatt Außerfern

Drei Frauen, drei Generationen, ein Handwerk

Während vieles heute billig, schnell und bis vor die Haustür geliefert sein muss, geht man in Holzgau bewusst den „langsameren“ Weg. In der Trachten.Werkstatt Außerfern entsteht Tracht mit Zeit, Geduld und Respekt vor einem Handwerk, das fast verloren gegangen wäre.

Lesedauer: 4 Minuten

Aktualisiert am 03.02.2026

Die Werkstatt liegt unscheinbar neben dem Tourismusbüro, liebevoll eingerichtet, hell und lebendig. Stoffe liegen bereit, an mehreren Stücken wird parallel gearbeitet, dazwischen Kleiderstangen mit Trachten, die angepasst, restauriert werden oder gerade erst entstehen. Beim Eintreten wird man angelächelt. Astrid und Ylvie begrüßen herzlich, im Hintergrund näht Elfi ruhig vor sich hin. „Eine unserer guten Feen“, sagen sie. Sie ist in Pension und kommt trotzdem ehrenamtlich regelmäßig als aktives Mitglied im Verein.

Gegründet wurde die Trachtenwerkstatt von drei Frauen, die unterschiedlicher kaum sein könnten. Margret ist in ihren Sechzigern, ausgebildete Schneidermeisterin, jahrzehntelang im Handwerk verwurzelt. Astrid, Mitte vierzig, ist Juristin. Ylvie, Anfang zwanzig, hat die HTL für Grafik- und Kommunikationsdesign absolviert. Drei Lebensphasen, drei Blickwinkel – und zunächst kaum Berührungspunkte. Gekannt hat man sich nur flüchtig.

Ursprünglich wollte das Trio die Werkstatt in Steeg ansiedeln – auch als stilles Gedenken an Anna Dengel, die aus dem Lechtal stammte und als Ärztin und Ordensfrau weltweit wirkte. Wie so oft entschied am Ende der verfügbare Raum. Holzgau wurde zum Ausgangspunkt. Nicht als Kompromiss, sondern als Beginn.

Gerade daraus entstand etwas Neues. Heute arbeiten sie auf Augenhöhe, lernen voneinander und ergänzen sich. Margret bringt das handwerkliche Fundament, Astrid das rechtliche Know-how, Ylvie Gestaltung und Kommunikation. Der Fokus liegt aber natürlich beim Nähen. Astrid und Ylvie absolvieren aktuell ihre Ausbildung im Schneiderhandwerk. Website, Social Media, Vereinsstruktur, Organisation – alles wächst aus dieser ungewöhnlichen Konstellation heraus. Generationenübergreifend, pragmatisch, ohne Hierarchien.


Bewusst langsam in einer schnellen Zeit

Die Trachten.Werkstatt Außerfern arbeitet gegen einen klaren Trend. Gegen Massenware, gegen Schnellproduktion, gegen Kleidung, die nach kurzer Zeit ersetzt wird. Tracht ist hier kein Kostüm, sondern Kulturgut. Ein Kleidungsstück, das gepflegt, repariert und weitergegeben wird.

Gearbeitet wird größtenteils von Hand. Falten ziehen, Heften, Verstärken – nur dort, wo es keine Qualitätseinbußen gibt, kommen Maschinen zum Einsatz. Robustheit und Langlebigkeit stehen über allem. Man spürt den Unterschied sofort.

Zwei junge Frauen stehen gemeinsam in einem Raum und betrachten eine Stoffprobe oder Näharbeit.
© WK Tirol Ylvie und Astrid bei der Arbeit an einer Tracht. Jeder Handgriff sitzt, jedes Detail wird gemeinsam geprüft. Aber auch der Spaß bei der Arbeit darf nicht fehlen.


Erhalten statt neu machen

Ein zentraler Schwerpunkt liegt auch auf Restaurierungen und Anpassungen. Vererbte Trachten und Vereinstrachten. Stücke, die über Jahre stark beansprucht wurden. Hier gilt: so viel Originalsubstanz wie möglich bewahren. Erst wenn etwas wirklich nicht mehr zu retten ist, wird ersetzt. Oft bedeutet das stundenlange Detailarbeit.

Dort, wo die eigene Expertise an Grenzen stößt, setzt man auf Kooperation. Die filigrane Paramentstickerei wird extern ausgeführt – von einer Stickerin, die dieses alte kirchliche Stickhandwerk noch beherrscht. Hüte entstehen bei spezialisierten Hutmachern. Auch diese Berufe sind selten geworden. Die Trachtenwerkstatt versteht sich bewusst als Teil eines Netzwerks, das solche Handwerke mitträgt und sichtbar hält.

Besonders eindrucksvoll zeigt sich das bei der historischen Lechtaler Frauentracht, einer der aufwendigsten überhaupt. Feinste Seide, reich verziert mit Silber- und Goldfäden, dazu handgefertigte Hüte und historischer Biedermeierschmuck. Jedes Ensemble wird im ausführlichen Gespräch geplant, jedes Detail abgestimmt. Kein Stück gleicht dem anderen.

Eine Schneiderpuppe trägt ein traditionelles Kleid mit rosa gemusterter Bluse, schwarzem Mieder und rosa Schürze. Das Mieder ist geschnürt und mit einer kleinen Blumenstickerei verziert.
© WK Tirol Historische Lechtaler Sommertracht. Feinste Seide, aufwendige Perlenstickerei und traditionelle Verarbeitung machen jedes Stück zu einem einzigartigen Zeugnis regionaler Handwerkskunst

Um diese Tracht zu bewahren, kämpft die Trachten.Werkstatt Außerfern gemeinsam mit engagierten Personen und Einrichtungen dafür, dass die historische Lechtaler Frauentracht in die Liste der UNESCO Weltkulturerbe aufgenommen wird.

Manchmal verlassen Kund:innen die Werkstatt und entscheiden sich doch für eine günstige Tracht vom Großhersteller. Und kommen später zurück. Weil Nähte nicht halten. Weil Maße nicht passen. Weil maschinelle Verarbeitung ihren Preis hat. Dann beginnt oft die mühsamste Arbeit: alles zerlegen, neu aufbauen, verstärken. Am Ende kostet es mehr – finanziell und emotional.


Entdecken, stöbern, mitnehmen

Neben der Schneiderei betreibt die Trachten.Werkstatt Außerfern einen kleinen Verkaufsladen. Was hier angeboten wird, folgt demselben Anspruch wie die handwerkliche Arbeit: Qualität und konsequente Regionalität. Im Sortiment finden sich ausschließlich Produkte österreichischer Produzent:innen – von Lodenwaren über Seifen, Kerzen und Räucherwerk bis hin zu Keramik, Schmuck und feinen Naschereien. Der Werkstattladen lädt zum Schmökern ein, überrascht mit liebevollen Details und macht den Besuch zu einem stillen, sinnlichen Erlebnis.


Strahlende Pläne für die Zukunft

Die Trachten.Werkstatt Außerfern ist als Verein organisiert. Mitglied kann jede:r werden, die das Handwerk erhalten will. Geplant sind Workshops für Kinder und Erwachsene, Angebote für Touristen, Bewusstseinsarbeit, später auch Ausstellungen. Wenn Margret, Astrid und Ylvie davon erzählen, verändert sich ihre Stimme. Sie strahlen. Man sieht das Funkeln in ihren Augen. Hier geht es nicht um Wachstum um jeden Preis, sondern um Sinn.

„Tracht ist Kulturgut, sie ist nachhaltig, zeitlos und unser Herzblut.“

Ein Satz, der in Holzgau nicht wie ein Leitspruch klingt, sondern wie eine gelebte Haltung.



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