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Im Vordergrund ist ein Feld, auf dem grüne, hohe Maispflanzen sind. Zwischen den Pflanzen ragt ein Strommast vor dem blauen Himmel hervor
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Energiepreise krisensicher machen

WK-Präsidentin Barbara Thaler fordert angesichts des Iran-Konflikts akribische Vorbereitung von Seiten der Bundesregierung, um eine gefährliche Inflationsspirale zu verhindern. Vorrangig ist dabei, den derzeitigen Preismechanismus am Strommarkt zu überdenken.

Lesedauer: 3 Minuten

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Aktualisiert am 11.03.2026

Das geopolitische Geschehen im Nahen Osten zeigt einmal mehr, wie anfällig unser Energiesystem für externe Schocks ist. Der eskalierende Iran-Konflikt und die Sperre der Straße von Hormus führen bereits jetzt zu deutlichen Preissprüngen bei Öl und Gas – und das wirkt in der Folge auf die Strompreise und damit auf Privathaushalte und Unternehmen. Viele finden sich an das Szenario des Jahres 2022 erinnert, als der Ukraine-Konflikt die Energiepreise – und anschließend die Inflation – explodieren ließ. Die Ausgangslage ist dieselbe – aber es gibt Möglichkeiten, mit denen sich eine negative Entwicklung diesmal verhindern lässt.  

Die Ursache für das Durchschlagen der Gaspreise auf elektrische Energie ist der aktuelle Preisbildungsmechanismus am Strommarkt: Das sogenannte Merit-Order-Prinzip sorgt dafür, dass der Preis für alle Verbraucher vom teuersten Kraftwerk bestimmt wird, das zuletzt zur Deckung der Nachfrage zugeschaltet wird. Läuft dann zum Beispiel ein Gaskraftwerk mit hohen Produktionskosten, setzt dessen Preis den Marktpreis – auch wenn der überwiegende Teil des Stroms deutlich billiger erzeugt wird. „Das führt in Krisen zu künstlichen Preisspitzen und beschleunigt die Inflation, obwohl heimische Unternehmen und Verbraucher keinen Einfluss darauf haben“, warnt WK-Präsidentin Barbara Thaler. 

Das Merit-Order-Prinzip ist in Krisenzeiten nicht alternativlos. Es gibt praktikable Modelle, die Preisspitzen abfedern können – alle haben Vor- und Nachteile. Aber alle sind besser als die jetzige Regelung. 

Mischpreismodell

Bei diesem Modell würde der Strompreis nicht vom teuersten Kraftwerk allein bestimmt, sondern als gewichteter Durchschnitt aus den Erzeugungskosten aller eingespeisten Anlagen berechnet. Viele günstige erneuerbare Quellen würden so den Durchschnittspreis deutlich senken, selbst wenn gleichzeitig einzelne teure Gaskraftwerke laufen.

Differenzverträge 

Bei dieser in der EU häufig diskutierten Lösung schließt der Staat mit Betreibern von erneuerbaren Anlagen langfristige Verträge mit einem garantierten Festpreis, zum Beispiel 8 Cent pro Kilowattstunde. Liegt der Börsenpreis darunter, zahlt der Staat die Differenz an die Betreiber; liegt er darüber, fließen die Mehrerlöse an den Staat zurück. Die so eingenommenen Mittel können wiederum genutzt werden, um Stromkunden zu entlasten. Kurzfristiger Handel an der Börse bleibt möglich, aber Erzeuger wie Verbraucher werden vor extremen Schwankungen geschützt. 

Preisdeckel als Notfallinstrument

Die Bundesregierung wiederum diskutiert über einen Preisdeckel in außergewöhnlichen Marktphasen. Das bietet kurzfristigen Schutz für Verbraucher, hat aber Nachteile: Der Wettbewerb wird verzerrt, neuer bürokratischer Aufwand entsteht, und die Kosten müssen woanders gegenfinanziert werden. Daher kann ein Strompreisdeckel sehr teuer für den Staatshaushalt werden – und in der Folge für die Steuerzahler, die diese Lücke füllen müssen. „Höhere oder neue Abgaben sind im Hochsteuerland Österreich aber das Letzte, was unsere Leistungsträger:innen brauchen können“, betont Barbara Thaler. 

Unabhängig vom gewählten Modell gilt: „Österreich kann es sich nicht leisten, erneut in eine energiepreisbedingte Inflationsspirale zu geraten. Die Energiepreisentwicklung darf in Situationen wie diesen nicht mehr ungebremst laufen“, sagt Thaler. Eine solche Spirale treibt nicht nur Preise, sondern auch Löhne in die Höhe und gefährdet langfristig die Wettbewerbsfähigkeit heimischer Betriebe – und damit die Sicherheit unserer Arbeitsplätze. 

Es braucht daher zügig eine Anpassung des Preissetzungsmechanismus für Krisenzeiten. „Alle angeführten Alternativen sorgen im Vergleich zur jetzigen Situation für mehr Stabilität, verhindern extreme Preissprünge, erhalten die Kaufkraft und entlasten besonders jene Betriebe, die ohnehin unter hohen Standortkosten leiden“, so die Präsidentin.

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