In Bewegung bleiben
„Wer Veränderung verlangt, muss selbst zeigen, wie Veränderung geht. Die WK Tirol setzt deshalb auf Reformen in der eigenen Organisation.“
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Derzeit ist vieles in Bewegung: internationale Unsicherheiten, geopolitische Spannungen, verändertes Konsumverhalten, hohe Kosten, neue Technologien und die rasante Entwicklung der Künstlichen Intelligenz. Für Betriebe bedeutet das: Gewohnte Muster tragen nicht mehr automatisch. Märkte verändern sich, Kundenerwartungen verschieben sich, Geschäftsmodelle müssen weiterentwickelt werden. Das ist nicht immer angenehm. Aber Wirtschaften heißt, in Bewegung zu bleiben. Genau darin liegt eine Stärke vieler Tiroler Betriebe. Unsere Wirtschaftsstruktur ist von kleinen und mittelständischen Unternehmen geprägt. Wer nahe an den Kundinnen und Kunden ist, kurze Entscheidungswege hat und Verantwortung direkt übernimmt, kann schneller reagieren als große Konzerne.
Anstatt Rückenwind zu geben, erzeugt die Politik viel zu oft zusätzlichen Gegenwind.
Damit sie diese Stärke wirklich ausspielen können, müssen aber auch die Rahmenbedingungen mithalten. Genau hier hakt es. Anstatt Rückenwind zu geben, erzeugt die Politik viel zu oft zusätzlichen Gegenwind. Entlastungen werden angekündigt und durch neue Belastungen wieder aufgefressen. Vereinfachung wird versprochen und am Ende komplizierter beschlossen. Ob neue Zusatzkosten, Gold-Plating bei europäischen Vorgaben, überbordende Bürokratie oder unklare Regeln: Für fast alles gilt derzeit leider viel zu oft – gut gemeint, aber schlecht getroffen.
Für mich ist klar: Kritik allein reicht nicht. Wer Veränderung verlangt, muss selbst zeigen, wie Veränderung geht. Die Wirtschaftskammer Tirol setzt deshalb auf Reformen in der eigenen Organisation. Mit der schrittweisen Senkung der KU2 entlasten wir unsere Betriebe ab 2030 jährlich um 6,2 Millionen Euro. Gleichzeitig richten wir unsere Leistungen noch stärker an den Bedürfnissen unserer Mitglieder aus: mit mehr Kundenzentrierung, stärkerer Präsenz in den Bezirken, verständlicheren Angeboten und konkreter Unterstützung, etwa in wirtschaftlich schwierigen Situationen.
Die Wirtschaftskammer Tirol leistet auch einen konkreten Beitrag für mehr Rechtssicherheit. Wer ein Unternehmen führt, muss sich darauf verlassen können, dass Regeln klar sind, nachvollziehbar angewendet werden und nicht im Nachhinein zu Nachteilen führen. Genau hier setzen wir mit einem neuen Instrument an: Der Musterprozessfonds soll ohne Kostenrisiko klare Bedingungen schaffen. Wir werden weiterhin politisch für bessere Rahmenbedingungen eintreten – aber wenn es sein muss, ziehen wir vor Gericht.
Die Zeiten sind sportlich. Tirols Betriebe zeigen, dass sie damit umgehen können. Auch die Wirtschaftskammer bewegt sich weiter. Die Politik wäre gut beraten, ebenfalls die Komfortzone zu verlassen: mit mehr Tempo, mehr Hausverstand und echten Reformen, die Betriebe nicht bremsen, sondern ihnen den nötigen Freiraum geben, um mit den aktuellen Anforderungen Schritt zu halten.