Miteinander statt Gegeneinander!
„Pauschale Herabsetzung ist keine Interessenvertretung, sondern billige Polarisierung.“
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Für diese Ausgabe mussten wir uns nicht einmal ein Titelbild einfallen lassen. AK und ÖGB haben uns die Vorlage geliefert – leider. Denn die beiden Postings zeichnen ein Bild von Arbeitgebern, das wir nicht unwidersprochen lassen wollen. Zu lange haben wir geschwiegen – in der Hoffnung, dass sich diese Art der Kommunikation wieder legt. Offensichtlich war das ein Irrtum. Das Feindbild vom gierigen, unpersönlichen und hartherzigen Chef wird weiter gepflegt.
Kein Betrieb ist erfolgreich ohne gute, engagierte Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Und kein Arbeitsplatz ist auf Dauer sicher ohne einen gesunden Betrieb.
Dieses Zerrbild ist nicht nur falsch, es richtet auch Schaden an. Denn wer Arbeitgeber und Arbeitnehmer ständig gegeneinander ausspielt, zieht Gräben dort, wo jeden Tag gemeinsam gearbeitet wird. Kein Betrieb ist erfolgreich ohne gute, engagierte Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Und kein Arbeitsplatz ist auf Dauer sicher ohne einen gesunden Betrieb. Wir brauchen einander. In der Kommunikation von AK und ÖGB gerät diese simple Wahrheit allerdings erstaunlich oft aus dem Blick.
Tirol ist ein Land der Klein- und Familienbetriebe. Mehr als 90 % der Unternehmen beschäftigen weniger als 10 Mitarbeiter:innen. Da gibt es kurze Wege und keine anonymen Strukturen. Da arbeiten Menschen Tag für Tag Schulter an Schulter, oft über viele Jahre. Da werden Kundenwünsche erfüllt, Probleme gelöst und schwierige Zeiten gemeinsam durchgestanden. Wer aus diesem Miteinander ein Gegeneinander von Ausbeutern und Ausgebeuteten macht, zeichnet ein Bild, das mit der betrieblichen Realität wenig zu tun hat.
Natürlich müssen Arbeitgeber und Arbeitnehmer nicht immer einer Meinung sein. Und ihre Vertretungen auch nicht. Interessen zu wahren, Mitglieder zu beraten, Missstände aufzuzeigen und klar zu kritisieren, gehört zur Aufgabe jeder Interessenvertretung. Aber etwas anderes ist es, mit Feindbildern Stimmung zu machen. Wer jede Anforderung als Zumutung, jede Erwartung als Ausbeutung und jeden Chef vorsorglich als Problemfall darstellt, stärkt niemanden. Ein permanenter Misstrauensvorschuss ist Gift für die tägliche Zusammenarbeit.
Dazu eine einfache Gegenprobe: Man stelle sich vor, die Wirtschaftskammer würde mit vergleichbaren Sujets Arbeitnehmer:innen pauschal diffamieren. Der Aufschrei wäre groß – und zwar zu Recht. Uns fällt so etwas nicht im Traum ein. Wir wissen schließlich, was unsere Betriebe an ihren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern haben.
Genau denselben Respekt darf man gegenüber Unternehmerinnen und Unternehmern erwarten. Kritik? Jederzeit. Differenzen in der Sache? Selbstverständlich. Aber pauschale Herabsetzung ist keine Interessenvertretung, sondern billige Polarisierung.
Also bitte: Runter vom Gas. Miteinander statt Gegeneinander!