Planbarkeit ist Standortpolitik
„Wir können internationale Konflikte nicht beenden und Weltmärkte nicht steuern. Was wir aber sehr wohl tun können, ist im eigenen Land Verlässlichkeit schaffen
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Die Lage vieler Betriebe ist herausfordernd. Das zeigt unser halbjährlich durchgeführtes Konjunkturbarometer sehr deutlich. Auf den ersten Blick ist die Botschaft beruhigend: Tirols Wirtschaft hält ihr Niveau, der Geschäftsklimawert liegt auf dem Stand des vergangenen Sommers. Das ist eine gute Nachricht. Aber sie darf nicht darüber hinwegtäuschen, was dahinter passiert.
Wer stabile Zahlen mit Entwarnung verwechselt, riskiert, dass notwendige Reformen weiter verschoben werden.
Denn gleichzeitig steigen die Risiken, die Ertragslage bleibt angespannt und die Investitionen erfolgen zurückhaltend. Viele Betriebe investieren derzeit nicht in Wachstum, sondern vor allem in Ersatz und Rationalisierung. Sie sichern Bestehendes ab, statt Neues zu wagen. Das ist nachvollziehbar, wenn Kosten hoch bleiben, Unsicherheit zunimmt und der Blick nach vorne trüber wird. Aber es ist ein Warnzeichen für den Standort.
Stabilität ist kein Selbstläufer. Unsere Betriebe haben in den vergangenen Jahren viel ausgehalten: Pandemie, Energiekrise, Inflation, Zinswende, geopolitische Verwerfungen und immer neue bürokratische Anforderungen. Diese Widerstandskraft verdient Respekt. Aber sie ist nicht unbegrenzt. Wer stabile Zahlen mit Entwarnung verwechselt, riskiert, dass notwendige Reformen weiter verschoben werden.
Gerade in unsicheren Zeiten ist Planbarkeit eine der wichtigsten Aufgaben der Politik. Österreich kann globale Krisen nicht allein lösen. Wir können internationale Konflikte nicht beenden und Weltmärkte nicht steuern. Was wir aber sehr wohl tun können, ist im eigenen Land Verlässlichkeit schaffen: klare Verfahren, nachvollziehbare Regeln, attraktive Investitionsbedingungen, eine leistungsfreundliche Politik und weniger Bürokratie.
Deshalb braucht es konkrete Standortpolitik. Investitionen müssen wieder attraktiver werden – durch bessere Abschreibungsmöglichkeiten, raschere Genehmigungen und mehr Verlässlichkeit. Entlastungen bei Bürokratie und Standortkosten müssen im betrieblichen Alltag ankommen. Und bei EU-Vorgaben braucht es mehr Augenmaß und auch einmal den Mut, die Stopp-Taste zu drücken.
Entlastung und Reformen sind keine Maßnahmen für den Ernstfall. Sie sind Vorsorge, damit es gar nicht erst so weit kommt. Gerade in unsicheren Zeiten muss Politik eines schaffen: Planbarkeit für jene, die investieren, Arbeitsplätze sichern und Zukunft gestalten.