Tiroler Bäder ziehen stabile Winterbilanz
Förderinstrument wirkt, struktureller Druck bleibt hoch.
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Die Tiroler Hallenbäder blicken auf eine insgesamt stabile und zufriedenstellende Wintersaison 2025/2026 zurück. Gleichzeitig zeigt sich deutlich: Ohne gezielte Unterstützung und strukturelle Weiterentwicklung bleibt die wirtschaftliche Situation vieler Betriebe angespannt. Im Rahmen einer Pressekonferenz der Berufsgruppe Tiroler Bäder in der Wirtschaftskammer Tirol wurden aktuelle Zahlen, Einschätzungen aus der Branche sowie Ergebnisse einer neuen Studie der Universität Innsbruck präsentiert.
Stabile Saison bei leicht steigender Nachfrage
„Die Wintersaison 2025/2026 war für Tirols Hallenbäder insgesamt zufriedenstellend. Unsere interne Erhebung zeigt, dass die Besucherzahlen leicht gestiegen sind und der Großteil der Betriebe eine stabile Saison bilanziert“, erklärt Berufsgruppensprecher Michael Kirchmair. Grundlage ist eine Mitgliederbefragung unter den 21 geöffneten Tiroler Hallenbädern.
Trotz dieser positiven Entwicklung bleibt der wirtschaftliche Druck hoch. „Die steigenden Kosten für Energie, Instandhaltung und Personal stellen viele Betriebe weiterhin vor große Herausforderungen. Umso wichtiger ist der Betriebsbeitrag aus der Tiroler Bäderförderung, der hier spürbar entlastet“, erklärt Kirchmair. Der Sockelbetrag von 100.000 Euro sowie zusätzliche, leistungsbezogene Förderanteile ermöglichen es den Betreibern, laufende Kosten besser abzufedern.
Bäderförderung zeigt Wirkung – Weiterentwicklung notwendig
Die Tiroler Bäderförderung mit einem Gesamtvolumen von 75 Millionen Euro bis 2029 hat sich aus Sicht der Betriebe als zentraler Baustein für den Erhalt der Infrastruktur etabliert. Gleichzeitig sieht die WK-Berufsgruppe Tiroler Bäder konkreten Handlungsbedarf, um die Wirksamkeit des Instruments weiter zu erhöhen.
Klare Kriterien und strategische Priorisierung
Im Fokus steht dabei eine klare strategische Steuerung der Mittelvergabe. „Wir brauchen nachvollziehbare Förderkriterien und eine konsequente Priorisierung der Projekte. Es darf nicht nach dem Prinzip ‘first come, first serve’ gehen, sondern nach ‘best come, first serve’. Gefördert werden sollen jene Projekte, die einen nachhaltigen Mehrwert für die jeweilige Region schaffen“, betont Michael Kirchmair.
Zugangshürden für Sanierungsförderung senken
Ein weiterer wesentlicher Punkt betrifft die Zugangshürden zur Sanierungsförderung. „Die derzeitige Mindestinvestitionssumme von zwei Millionen Euro ist für viele kleinere Bäder eine zu hohe Hürde. Notwendige Sanierungen liegen oft deutlich darunter. Deshalb setzen wir uns für eine Absenkung auf 200.000 Euro ein, um auch diese Projekte zu ermöglichen“, so Kirchmair.
Planungssicherheit über 2029 hinaus
Darüber hinaus spricht sich die WK-Berufsgruppe klar für eine frühzeitige Verlängerung der Förderung aus. „Die Bäderförderung darf kein kurzfristiges Instrument sein. Sie braucht Planungssicherheit über 2029 hinaus und muss laufend an den tatsächlichen Bedarf angepasst werden, damit die Tiroler Bäderlandschaft langfristig gesichert bleibt.“
Hohe Nachfrage trifft auf begrenzte Mittel
Der Handlungsdruck ist bereits deutlich erkennbar: Die Tiroler Landesregierung hat aktuell rund 22 Millionen Euro für zentrale Projekte beschlossen, darunter der Neubau des Schwimmbads Axams sowie die Sanierungen der Hallenbäder Höttinger Au und Ehrwald. Weitere Vorhaben wie Pitz Park, Stubay, das Regionalbad Telfs-Oberland und der Zubau Höttinger Au wurden vom Bäderbeirat bereits als förderwürdig eingestuft. Gleichzeitig befinden sich zusätzliche Projekte in Prüfung, während zahlreiche Gemeinden parallel weitere Sanierungs- und Neubauinitiativen vorantreiben.
„Diese Dynamik zeigt klar: Die Unterstützung aller Projekte geht sich mit den vorhandenen Mitteln bis 2029 nicht aus. Deshalb braucht es eine rasche Evaluierung der aktuellen Förderung sowie transparente und fachlich fundierte Prioritäten“, erklärt Kirchmair.
„Diese Dynamik zeigt klar: Die Unterstützung aller Projekte geht sich mit den vorhandenen Mitteln bis 2029 nicht aus. Deshalb braucht es dringend die von LH StV. Wohlgemuth angekündigte fachliche Evaluierung der aktuellen Förderrichtlinien, um eine transparente und sinnvolle Vergabe der Fördermittel zu gewährleisten“, erklärt Kirchmair.
Konstruktive Zusammenarbeit im Bäderbeirat Positiv bewertet die Berufsgruppe die Zusammenarbeit mit dem Vorsitzenden des Bäderbeirats, LH StV. Philip Wohlgemuth, sowie mit der Abteilung Wirtschaftsförderung des Landes Tirol. „Das Land Tirol nimmt unsere Expertise ernst. Diese konstruktive Zusammenarbeit ist ein wesentlicher Erfolgsfaktor“, unterstreicht Kirchmair.
Uni-Studie zeigt strukturelle Herausforderungen auf Eine aktuelle Studie des Instituts für Sportwissenschaft der Universität Innsbruck, die gemeinsam mit der WK-Berufsgruppe Tiroler Bäder erarbeitet wurde, liefert vertiefende Einblicke in die wirtschaftlichen und strukturellen Rahmenbedingungen der Branche. Studienautor Martin Schnitzer fasst die zentralen Ergebnisse zusammen: „Unsere Auswertungen zeigen: Besuchererlöse decken in Tirols Bädern im Schnitt nur etwas mehr als die Hälfte der Kosten. Steigende Energie- und Personalkosten setzen besonders Gemeindebäder unter Druck, notwendige Sanierungen verschärfen die Situation zusätzlich.“
Darüber hinaus zeigt die Analyse klaren Handlungsbedarf auf struktureller Ebene. „Damit auch in Zukunft attraktive Freizeit- und Sportanlagen bestehen, müssen Gemeinden enger zusammenarbeiten. Regionalbäder werden die Schwimmlandschaft maßgeblich prägen“, informiert Schnitzer.
Gleichzeitig verdeutlicht die Studie die hohe gesellschaftliche Relevanz der Bäder: „Schwimmen gehört, neben Wandern und Skisport, zu den beliebtesten Sportarten und wird in allen Altersgruppen regelmäßig ausgeübt.“
Bäder als Teil der Daseinsvorsorge und des Tourismus
Die Tiroler Bäder erfüllen weit über den wirtschaftlichen Betrieb hinaus eine zentrale gesellschaftliche Funktion. „Die Hallenbäder sind nicht nur für den Tourismus wichtig, sondern auch für die heimische Bevölkerung. Sie sind Orte der Bewegung, der Gesundheit und des sozialen Miteinanders“, betont Ulrich Mayerhofer, Mitglied des Bäderausschusses der Wirtschaftskammer Tirol.
Besonders sichtbar wird diese Rolle im Bereich des Schwimmenlernens: Im Zeitraum von Jänner bis Juli 2025 wurden mehr als 54.000 Kindereintritte vom Land Tirol gefördert. „Das zeigt, wie intensiv unsere Bäder von Schulen und Kindergärten genutzt werden. Die Betriebe leisten damit einen entscheidenden Beitrag zur Sicherheit und Gesundheit unserer Kinder.“
Fachkräftemangel bleibt Herausforderung
Ein weiteres Thema bleibt die Personalsituation. „Viele erfahrene Mitarbeiter:innen gehen in den kommenden Jahren in Pension. Gleichzeitig erschweren Wochenenddienste die Suche nach Nachwuchs. Hier braucht es neue Ansätze, um den Beruf attraktiver zu machen“, informiert Kirchmair.
Optimistischer Ausblick auf die Sommersaison 2026
Mit Blick auf die kommende Sommersaison zeigen sich die Verantwortlichen vorsichtig optimistisch. Viele Freibäder öffnen bereits Anfang Mai. „Unsere Betriebe sind gut vorbereitet. Nach einer durchwachsenen Saison im Vorjahr sehen wir bei stabilen Wetterbedingungen deutliches Potenzial nach oben“, erklären Kirchmair und Mayerhofer.
Abschließend unterstreicht Kirchmair die zentrale Rolle der Branche: „Unsere Bäder sind weit mehr als Freizeiteinrichtungen. Sie sind ein unverzichtbarer Teil der Tiroler Infrastruktur für Familien, für die Gesundheit und für den Tourismus. Wer in die Bäder investiert, investiert in die Lebensqualität im ganzen Land.“
Bild oben: (v.l.): Ulrich Mayerhofer, WK-Berufsgruppensprecher-Stv. Tiroler Bäder, Michael Kirchmair, WK-Berufsgruppensprecher Tiroler Bäder und Univ.-Prof. Martin Schnitzer, Institut für Sportwissenschaft, Universität Innsbruck