Investitionen fördern, Innovationskraft stärken
Die Investitionsbereitschaft heimischer Unternehmen bleibt verhalten, Innovations- und Digitalisierungsziele rücken in die Ferne. Ohne umfassende Investitions- und Innovationsoffensive droht Österreich im internationalen Wettbewerb weiter an Boden zu verlieren.
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Investitionen schaffen die Basis für künftiges Wachstum und Wettbewerbsfähigkeit. Rund 87 % der Bruttoanlageinvestitionen werden vom privaten Sektor getragen – umso gravierender ist die aktuelle Zurückhaltung. Laut aktuellem WKÖ Wirtschaftsbarometer ist für 53 % der Betriebe der Ersatzbedarf das Hauptmotiv für Investitionen, nur 31 % planen Neuinvestitionen. Ein stabil hoher Anteil von rund einem Viertel – insbesondere KMU – beabsichtigt im kommenden Jahr gar keine Investitionen. Nach drei Jahren mit realen Rückgängen (2022–2024: insgesamt –5,8 %) bleibt die Investitionsdynamik damit deutlich unter dem erforderlichen Niveau (Quelle: Eurostat).
Diese Schwäche trifft auf strukturelle Herausforderungen im Innovationssystem. Zwar weist Österreich innerhalb der EU die dritthöchste Forschungsquote auf, doch das Leistungsmonitoring zeigt klar: Das Ziel, bis 2030 zur Gruppe der führenden Innovationsnationen aufzuschließen, wird aus heutiger Sicht verfehlt. Der Anteil innovationsaktiver Unternehmen ist laut Statistik Austria zuletzt von 60 % auf 56,7 % gesunken. Gleichzeitig bleibt die Risikokapitalintensität mit 0,028 % des BIP deutlich unter dem EU-Durchschnitt (Quelle: OECD) – insbesondere in der Wachstumsphase fehlt es an ausreichender Eigenkapitalfinanzierung.
Digitalisierung als Produktivitätshebel
Auch im Bereich Digitalisierung und Künstliche Intelligenz besteht erheblicher Aufholbedarf. Zwar liegt Österreich in einzelnen Bereichen nahe am EU-Durchschnitt, der Abstand zu den BENESCAND-Ländern (Belgien, Niederlande, Dänemark, Schweden, Finnland) bleibt jedoch beträchtlich. 70 % der zukünftigen globalen Wertschöpfung sollen bis 2030 in der Digitalwirtschaft entstehen, während hierzulande erst 30 % der Unternehmen KI einsetzen. Eine Studie von EcoAustria beziffert das zusätzliche BIP-Potenzial durch digitale Wettbewerbsfähigkeit auf bis zu 17,4 Mrd. Euro jährlich; der Einsatz von KI könnte über zehn Jahre hinweg ein Wachstumsplus von bis zu 18 % ermöglichen (Economica). Gleichzeitig fließen 90 % der in der EU generierten Daten in Drittstaaten ab − ein klares Indiz für digitale Abhängigkeiten und ungenutzte Wertschöpfung.
Fazit: Investitions- und Innovationsoffensive jetzt auf den Weg bringen
Es braucht 2026 ein kraftvolles Signal: eine dauerhafte und deutliche Ausweitung des Investitionsfreibetrags inklusive höherer Sätze für Digitalisierungs- und Öko-Investitionen, die Einführung einer Superabschreibung nach internationalem Vorbild sowie die Anhebung der GWG-Grenze (Geringwertige Wirtschaftsgüter). Gleichzeitig muss eine Schlüsseltechnologieoffensive umgesetzt, „KMU.DIGITAL“ langfristig abgesichert und eine österreichische KI-Regulatory-Sandbox etabliert werden. Ergänzend sind Maßnahmen zur Mobilisierung von Risikokapital – etwa ein Beteiligungsfreibetrag und ein leistungsfähiger Dachfonds – erforderlich. Auch die im Regierungsprogramm vorgesehene Verlängerung des Fonds Zukunft Österreich bis 2030 samt Dotierung von 200 Mio. Euro pro Jahr gilt es rasch umzusetzen. Mit dem jüngst beschlossenen FTI-Pakt 2027–2029 ist ein erster wichtiger Schritt gelungen, um Planungssicherheit zu schaffen. Klar ist aber: Bis 2030 zur europäischen Innovationsspitze aufzuschließen, kann nur mit einer umfassenden Investitions- und Innovationsoffensive gelingen.