Auftakt für niedrigere Lohnnebenkosten
Die WKÖ schnürt ein 100-Millionen-Euro-Entlastungspaket, um die Wettbewerbsfähigkeit des Standorts zu heben.
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„Der Wirtschaftsstandort Österreich hat in den vergangenen Jahren massiv an Wettbewerbsfähigkeit verloren. Das gefährdet heimische Arbeitsplätze“, warnen WKÖ-Präsidentin Martha Schultz und WKO-Steiermark-Präsident Josef Herk. Neben anderen Faktoren zählen die im europäischen Vergleich extrem hohen Lohnnebenkosten zu den Hauptursachen.
Generell landen von einem Euro, den ein Unternehmen als Gehalt auszahlt, nur 53 Cent beim Arbeitnehmer. 47 Cent werden als Steuern und Abgaben abgeführt. Denn zum Bruttolohn des Arbeitnehmers kommen nach EU-Berechnungen noch knapp 27,2 Prozent an Lohnnebenkosten für den Arbeitgeber hinzu. „Das ist international ein Spitzenwert. Hier braucht es dringend eine Senkung“, drängt Schultz zusammen mit den Präsidenten der Länderkammern in einem Offenen Brief an Finanzminister Markus Marterbauer.
Die Wirtschaftskammer selbst hat jetzt den ersten Schritt gesetzt und eine Reform der Kammerumlage 2 angekündigt. Es gehe um eine Entlastung, nicht um Leistungskürzungen, heißt es in dem Schreiben. Dass es möglich sei, hätten schon frühere Schritte bei den Lohnnebenkosten gezeigt. So wurde der Unfallversicherungsbeitrag seit 2014 von 1,4 auf 1,1 Prozent gesenkt, ohne Leistungen einzuschränken.
Als Zielvorgabe wird das deutsche Niveau bei den Lohnnebenkosten ausgegeben: Sie liegen bei rund 23 Prozent, während sie in Österreich knapp 27 Prozent der Gesamtarbeitskosten ausmachen. „Ein erster spürbarer Schritt auf diesem Weg muss im nächsten Doppelbudget verankert werden, um die Beschäftigung abzusichern, den Konsum zu stärken und die Investitionen – und damit das Steueraufkommen – zu erhöhen“, drängt Schultz.
Bis zu 12.000 neue Jobs
Denn hohe Lohnnebenkosten reduzieren auch die Kaufkraft. Steigt beispielsweise der Bruttolohn von 3.000 auf 3.100 Euro, erhöht sich der Nettolohn um lediglich 57 Euro, die Kosten für den Arbeitgeber steigen aber um 129 Euro pro Monat. Umgekehrt zeigen Berechnungen von EcoAustria diesbezüglich, dass jeder Prozentpunkt, um den die Lohnnebenkosten gesenkt werden, 10.000 bis 12.000 Jobs bringt. Entsprechend eindeutig fällt eine Umfrage unter Unternehmen über die Sinnhaftigkeit einer Senkung der Lohnnebenkosten aus: 89 Prozent erachten eine derartige Maßnahme als „sehr sinnvoll oder sinnvoll“.
Die aktuellen Rahmenbedingungen untermauern laut Unternehmensvertretern die Dringlichkeit. Denn die geopolitische und damit wirtschaftliche Großwetterlage hat sich zuletzt wieder massiv eingetrübt. Die vor wenigen Monaten für das heurige Jahr erwartete Erholung ist nach aktuellen Prognosen daher nicht zu halten. Für viele Betriebe ist das ein Alarmsignal, könnte sich damit doch eine Abwärtsspirale in Gang setzen. Denn steigt die Unsicherheit und bleiben die Kosten hoch, werden Investitionen verschoben.
Die Wirtschaftskammer Österreich wird Unternehmen entlasten. Ab spätestens 2030 sollen sich die heimischen Unternehmen – überwiegend durch eine Anpassung der Kammerumlage 2 (KU2) – im Rahmen eines Stufenmodells jährlich ein Volumen von 100 Millionen Euro sparen. Damit schafft man auch eine Senkung der Lohnnebenkosten im entsprechenden Ausmaß. Basierend auf dem aktuellen KU2-Volumen von rund 438 Millionen Euro, entspricht das einer jährlichen Entlastung von über 20 Prozent. Details sollen im Juni präsentiert werden.
Wir leisten damit unseren Beitrag für eine Senkung der Lohnnebenkosten. Jetzt ist die Bundesregierung gefordert.

Martha Schultz
WKÖ-Präsidentin