Aus den Trümmern Richtung Stabilität
Der einstige Pleitekandidat Griechenland segelt auf einem soliden Wachstumskurs – dank anhaltendem Rückenwind aus der EU.
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Der griechische Finanzminister Kyriakos Pierrakakis bewirbt sich bei der Wahl am 11. Dezember um den Vorsitz in der Euro-Gruppe. Dass ausgerechnet ein Grieche das Gremium der Europäischen Union führen soll, in dem die Staaten der Eurozone ihre Steuer- und Wirtschaftspolitik (informell) koordinieren, hätte man vor zehn Jahren noch als Ironie der Geschichte katalogisiert. Damals war das Land noch zahlungsunfähig, der „Grexit“ galt als reale Option und erst die Flucht unter einen „Euro-Rettungsschirm“ bewahrte das südeuropäische Land vor der Staatspleite.
Aber die Zeiten haben sich geändert. Mittlerweile erwirtschaftet Griechenland Haushaltsüberschüsse. Für das laufende Jahr wird – nach 2,3 Prozent 2024 – mit einem Wachstum des Bruttoinlandsprodukts von 2,2 Prozent gerechnet. Schuld daran ist vor allem ein boomender Tourismussektor – die Gästezahlen steigen seit einigen Jahren im zweistelligen Prozentbereich. Ein Teil davon kommt aus unseren Breiten: Die Inseln sind beliebtestes Sommerflugreiseziel der Österreicher.
Griechenland hat zwar noch immer eine der höchsten Staatsschuldenquoten innerhalb der EU. Dank eines strengen Restrukturierungskurses wurde sie aber von 207 Prozent des BIP (2020) auf unter 150 Prozent (2025) gedrückt.
Zudem gehört das Land zu einem der größten Profiteure des EU-Recovery Funds, mit dem die Pandemiefolgen abgefedert wurden. Knapp 36 Milliarden Euro stellte Brüssel für Zuschüsse und Kredite Griechenland zwischen 2023 und 2026 zu Verfügung. Diese Mittel befeuern Investitionen in die Modernisierung der Wirtschaft, auch wenn die geringe Produktivität, eine ausgewachsene Bürokratie und eine noch immer wackelige Rechtssicherheit weiterhin als Hemmschuh der Prosperität gelten.
Die positive ökonomische Entwicklung hat zuletzt auch die Wirtschaftsbeziehungen zu Österreich befeuert. Mit 1,3 Milliarden Euro und einem Plus von über sechs Prozent erreichte das bilaterale Handelsvolumen im vergangenen Jahr einen neuen Rekordwert: Sowohl die Warenexporte (plus 6,7 Prozent auf 774 Mio. Euro) als auch die Warenimporte (plus 5,7 Prozent auf 525 Mio. Euro) stiegen.
Im ersten Halbjahr 2025 zeigt sich allerdings eine Abschwächung dieser Dynamik. Dennoch verzeichnete Österreich in diesem Zeitraum einen Handelsbilanzüberschuss von fast hundert Millionen Euro. Als rot-weiß-rote Bestseller gelten Eisen und Stahl, Maschinen, Apparate sowie mechanische Geräte. Aus Griechenland kommen vor allem Arzneiprodukte, Milch- und Molkereierzeugnisse.
Der Exportmarkt im „Vielinsel-Staat“ bleibt jedenfalls stabil. Acht von zehn österreichischen Unternehmen, die mit einer Niederlassung in Griechenland vertreten sind, erwarten in den kommenden zwölf Monaten keine Veränderungen. Auch in Bezug auf Auftragslage und Umsatzerwartung dominiert Optimismus.