Dank Olympischer Spiele im Fokus
Norditalien glüht im Olympia-Fieber. Milliardeninvestitionen und die US-Politik machen die Region auch als Exportmarkt immer attraktiver.
Lesedauer: 3 Minuten
Mit dem Beginn der Olympischen Winterspiele am 6. Februar rückt auch Österreichs aktuell drittwichtigster Exportmarkt Italien in den Blickpunkt. Gerade die norditalienischen Regionen, in denen die Wettbewerbe stattfinden – die Lombardei, Venetien und Südtirol – gelten als robuster Wirtschaftsmotor Italiens und sind damit wichtige Zielmärkte österreichischer Produkte. 80 Prozent des österreichisch-italienischen Handelsvolumens entfallen schon derzeit auf Norditalien. Tendenz steigend. Denn Italien profitiert von der Unsicherheit, die von der politischen Führung der Vereinigten Staaten ausgeht und spürbar auf deren Außenhandel durchschlägt So ging der Anteil der Ausfuhren in die USA am österreichischen Exportvolumen von 8,5 (2024) auf 6,7 Prozent (2025) zurück. Parallel stieg der Exportanteil in Richtung Italien auf 6,6 Prozent. Über das Gesamtjahr 2025 könnte Italien die USA damit als zweitwichtigster Handelspartner bereits überholt haben, schätzt das Wifo auf Basis der bisher vorliegenden Zahlen.
Für die Steiermark ist diese Verschiebung jedoch noch nicht bemerkbar: Im ersten Halbjahr 2025 gingen die Exporte ins Nachbarland um 1,6 Prozent auf knapp über 900 Millionen Euro zurück. Neben den Olympia-Regionen gilt aber beispielsweise die Region Friaul-Julisch Venetien dank ihrer strategischen Lage an der Adriaküste und Blue-Economy-Zentrum als Wachstumsmarkt. Die Steiermark kann diesbezüglich vor allem auch von der neuen Koralmbahnstrecke profitieren.
Weitet man den Blick auf ganz Italien, liegen die Erwartungen für das laufende und kommende Jahr bei einem Wirtschaftswachstum von je 0,8 Prozent. Nach wie vor gibt es jedoch ein ausgeprägtes regionales Gefälle: Das BIP pro Kopf liegt in Norditalien um rund 80 Prozent höher als im Mezzogiorno, also den sechs südlichsten Festlandregionen sowie Sardinien und Sizilien. Die günstig verfügbaren Fachkräfte führen dort aber zu Großprojekten wie einer Chipfabrik, einem Flugzeugwerk oder Chemie- und Energieanlagen, während es am angespannten Arbeitsmarkt im wirtschaftsstarken Norden zu einem zunehmenden Wettbewerb um Hochqualifizierte kommt.
Hohe Verschuldung
Der Kampf um die besten Köpfe wurde durch die Impulse, die von den Olympischen Spielen ausgehen, noch verschärft. Über drei Milliarden Euro sind in Infrastruktur und Sportstätten geflossen und befeuern die regionale Wirtschaft. Problematisch bleibt dagegen Italiens öffentliche Verschuldung. Der Europäischen Kommission zufolge wird sie 2026 bei 137,9 Prozent des BIP liegen – die EU-weit zweithöchste Quote nach Griechenland. Und auch Italiens Export von Waren und Dienstleistungen spürt das schwierige internationale Umfeld, wird sich 2026 aber zumindest moderat um 1,5 Prozent ausweiten, so die Europäische Kommission. US-Zölle und die schwache Konjunktur in EU-Hauptmärkten wie Deutschland und Frankreich bremsen das Wachstum spürbar. Unbetroffen davon bleibt der italienische Wein: Italien hat in den letzten zwanzig Jahren seine Weinexporte fast verdreifacht.
KONTAKT & INFORMATION
Gudrun Hager
Außenwirtschaftscenter Mailand
mailand@wko.at