Grönland – eine Insel als „Schnäppchen“
Das Kaufinteresse der USA an Grönland ist nicht neu. Ein Grazer Ökonom liefert eine Preiskalkulation für Trumps Vision.
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81 Milliarden Dollar – so viel wäre Grönland theoretisch wert, würde man die größte Insel der Welt wie ein Unternehmen auf dem Kapitalmarkt bewerten. Diese Summe hat der Grazer Ökonom und ehemalige Volkswirtschaftsprofessor an der Universität Graz, Michael Steiner, errechnet, indem er das Bruttoinlandsprodukt Grönlands (rund 3,24 Milliarden Dollar) ins Verhältnis zu einer erwarteten durchschnittlichen jährlichen Wachstumsrate von vier Prozent gesetzt hat. Sein spielerisch-theoretisches Modell ergibt den Kaufpreis, den Steiner selbst als „Schnäppchen“ bezeichnet – zumindest gemessen am wirtschaftlichen Potenzial der Insel.
Die Berechnung ist keine spieltheoretische, sondern eine spielerisch-theoretische.

Michael Steiner
Ökonom
Der Gedanke, dass die USA Land zukauft, ist nicht neu. Schon im 19. Jahrhundert wurden ganze Landstriche Nordamerikas (Kalifornien, Arizona, New Mexico, Utah, Nevada und Teile von Colorado) um gerade einmal 15 Millionen Dollar erworben. 1867 erwarb man schließlich von Russland für 7,2 Millionen Dollar Alaska. Der Hintergrund der Transaktion wirkt durchaus aktuell: Das damalige Zarenreich hatte auf der Krim eine Kriegsniederlage und damit verbundene finanzielle Schwierigkeiten zu meistern.
Die Investition der Vereinigten Staaten in Alaska hat sich dank dortiger Gold- und Öl-Vorkommen jedenfalls bezahlt gemacht. Grönland birgt ein ähnlich gelagertes Potenzial: Unter dem Eispanzer schlummern unter anderem Seltene Erden, Graphit und Uran – Bodenschätze, die künftig mitentscheiden, wer bei Hochtechnologie die Nase vorn hat. Schätzungen zufolge würde Grönland bei vollständiger Erschließung seiner Vorkommen zu den fünf rohstoffreichsten Regionen der Welt zählen. Dazu kommt, dass sich mit dem klimawandelbedingten Schmelzen des Packeises im nördlichen Polarkreis perspektivisch wichtige Handelsrouten auftun. Zudem haben die amerikanischen Avancen Tradition.
Schon 1946 hatte es ein US-Angebot über 100 Millionen Dollar gegeben. Und auch Trump selbst ventilierte bereits in seiner ersten Amtszeit diese Idee – damals wurde er von Dänemark, das jährlich rund 430 Millionen Euro als Zuschuss nach Grönland überweist, brüsk abgewiesen. Jetzt erlebt der Plan, begleitet von mächtigem politischen Säbelrasseln, eine Renaissance. Trump argumentiert vor allem mit dem Verweis auf die nationale Sicherheit der USA und eine angeblich wachsende Präsenz russischer und chinesischer Schiffe in arktischen Gewässern. Das dänische Veto ist geblieben. Der damalige Premierminister Múte Egede hatte bereits 2021 betont, Grönland stehe „nicht zum Verkauf und werde niemals zum Verkauf stehen“. Auch Egedes Nachfolger Jens-Frederik Nielson forderte zuletzt ein Ende der „Annexionsfantasien“. Vielmehr hofft man in Nuuk, die aktuellen Spannungen in mehr Autonomie gegenüber Dänemark ummünzen zu können.
Grönland ist jedenfalls weit mehr als eine Verhandlungsmasse mit Preisschild. Michael Steiners 81-Milliarden-Dollar-Kalkulation mag als Gedankenexperiment verblüffen – aber es verdeutlicht, welches wirtschaftliche Versprechen für die USA die rohstoffreiche Insel in sich trägt.
GRÖNLAND IN ZAHLEN
2,166 Millionen Quadratkilometer misst Grönland und ist damit die größte Insel der Welt. Auf dieser Riesenfläche leben 57.000 Menschen.
48.578 Euro beträgt das Bruttoinlandsprodukt Grönlands pro Kopf. In Österreich liegt es bei 53.834 Euro.
2025 nahm eine österreichische Forschungsstation an der Ostküste ihren Betrieb auf. Betrieben wird sie von der Universität Graz, geleitet vom Steirer Andreas Trügler.