„E-Flugzeuge sind eine Chance für Graz“
Die Airport-Graz-Geschäftsführer Wolfgang Grimus und Jürgen Löschnig über die Bedeutung eines Regionalflughafens, die Koralmbahn und die nächsten Wunschziele.
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Der Airport Graz verzeichnete 2025 wieder ein Passagierplus. Ist die Reiselust wieder da?
Wolfgang Grimus: Im Privatreisesegment auf jeden Fall. Mit knapp 214.000 Passagieren auf Charterflügen gab es gegenüber dem Vor-Corona-Jahr 2019 eine Steigerung von 28 Prozent. Angesichts der Teuerung und der globalen Verwerfungen ist das beeindruckend. Der Urlaub ist offenbar das Letzte, das sich die Menschen nehmen lassen.
Sorgen bereitete aber schon in den letzten Jahren das Segment der Geschäftsreisenden.
Grimus: Die Situation im Business-Bereich hat sich mit Corona massiv verändert. Vieles wurde in den virtuellen Raum verlagert und ist dort auch verblieben.
Jürgen Löschnig: Der Kostendruck belastet Unternehmen natürlich. Entsprechend werden Dienstreisen oft eingespart, auch wenn dadurch etwas verloren geht…
Grimus: Es gibt viele Geschäftsbereiche, bei denen der persönliche Kontakt unumgänglich ist. Daher rechnen wir mittelfristig wieder mit einem Anstieg, wenn auch auf ein niedrigeres Niveau als früher.
Inwiefern trifft das herausfordernde Umfeld den Airport?
Grimus: Globale Konflikte, die amerikanische Zollpolitik, Teuerungen – all das wirkt auf den Flugverkehr. In Europa gibt es rund 400 Flughäfen, fast 200 sind größer als wir – und alle versuchen, neue Airlines von sich zu überzeugen. Der Wettbewerb ist also knallhart, vor allem aufgrund der aktuellen Liefer- und Produktionsschwierigkeiten der Flugzeughersteller. Diese Thematik wird die Branche noch länger beschäftigen.
ZU DEN PERSONEN
Gleichzeitig werden Regionalflughäfen politisch diskutiert.
Löschnig: Dabei belegen viele Studien, wie wichtig die Erreichbarkeit eines Standorts ist – um Betriebe anzusiedeln und auch zu verhindern, dass Unternehmen abwandern. Die großen Industriebetriebe brauchen uns, die Wirtschaft braucht uns – das bestätigen die vielen Anfragen von Betrieben. Die neue Linienverbindung nach London ist beispielsweise auch für die Magna-Zusammenarbeit mit McLaren extrem wichtig.
Grimus: Wir müssen diese Flüge aber gut auslasten. Wenn das gelingt, wird es Ausbaumöglichkeiten geben – und vielleicht irgendwann tägliche Flüge nach London.
Täglich fährt bereits die Koralmbahn aus und nach Kärnten. Haltestelle gibt es am Flughafen bekanntlich keine – sehen Sie dennoch Potenzial?
Grimus: Rund sieben Prozent unserer Passagiere kommen aktuell aus Kärnten – trotz fehlenden Bahnhofs wollen wir das nun noch steigern. Gleichzeitig sind wir im Austausch mit Entscheidungsträgern, um doch eine Haltestelle möglich zu machen. Bis dahin gäbe es auch Alternativen.
Löschnig: Zum Beispiel könnten die Züge aus dem Süden beim Cargo-Center auf die bestehende Südbahnstrecke ausgeschleift werden und auf unserem bestehenden Bahnhof stoppen. Mittelfristig wäre eine direkte Anbindung an die Koralmbahn aber das einzig Richtige.
Grimus: Auch um die Attraktivität für Airlines zu erhöhen. Die schauen sich natürlich das Einzugsgebiet an – und die Erreichbarkeit. Die Area Süd ist da eine große Chance.
In Wien zog zuletzt Ryanair Flugzeuge aufgrund der hohen Steuerlast ab. Gibt es politisch Handlungsbedarf?
Grimus: Ja. Die Ticketabgaben sind in Österreich deutlich höher als in angrenzenden Märkten – das schadet der Wettbewerbsfähigkeit des Standorts. Daneben sehen wir beim Thema E-Commerce großes Potenzial darin, Frachtflüge nach Graz zu bringen – wenn es ein europaweit einheitliches Zollregime geben würde. Der Online-Handel passiert, ob wir wollen oder nicht. Die Frage ist nur, wie wir als Region an diesem Geschäft partizipieren. Da braucht es ein Umdenken.
Umgedacht wird vielfach, wenn es ums Klima geht. Wie nachhaltig ist die Branche?
Löschnig: Nachhaltige Treibstoffe werden zu einem geringen Prozentsatz schon beigemischt; bis sie in großen Mengen produziert werden, wird es aber dauern. Für uns ist klar: Es wird – vielleicht schon Ende der 20er-Jahre – auch E-Flugzeuge geben, allerdings erst in kleineren Maschinen. Gerade für regionale Flughäfen ist das eine Chance, weil wir so neue Ziele ins Programm nehmen könnten, bei denen eine Vollauslastung mit größeren Flugzeugen unrealistisch ist. Wir planen vor und schaffen die Möglichkeit, solche Maschinen bei uns mit selbst produziertem Strom zu laden.
Stichwort Vorplanung: die nächsten strategischen Ziele?
Grimus: Unser Destinationsportfolio zu halten und zu erweitern. Spannend wären Paris, Barcelona und mittelfristig wieder Amsterdam.