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Eine blinde Frau mit dem Hund. Die App soll sicher durch den Verkehr geleiten.
© Christopher Jörgler

Grazer App weist Blinden den Weg

Barrierefrei, userfreundlich, sicher: Das verspricht die Navigationsapp „Ontrack“ blinden und sehbehinderten Personen. Aktuell sucht man Unterstützer und Investoren. 

Lesedauer: 3 Minuten

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Aktualisiert am 17.03.2026

Ein spontanes Treffen mit Freunden, ein schneller Einkauf zwischendurch, der alltägliche Weg in die Arbeit. Was für die meisten simpel klingt, ist für blinde und sehbehinderte Menschen eine echte Herausforderung. Mit „OnTrack“ schickt sich eine Lösung aus Graz  nun an, ihnen mehr Selbstbestimmtheit zu ermöglichen – mit einer audiobasierten Navigationsapp.

CEO Paul Kalcher – seit zehn Jahren in der steirischen Medienszene mit seiner Videoagentur „Penta Media“ bekannt – und Co-Gründer Oliver Tazl entwickelten ursprünglich eine Tourismus-App. Die Idee: Ein Audio-Guide für den Öffi-Verkehr als Ersatz für die bekannten Hop-on-Hop-off-Busse. Im Sommer 2023 wurde das Ganze in Graz medienwirksam präsentiert, auch Wien, Porto oder Budapest werden abgedeckt. „Die App läuft bis heute, leider ist die Zahl der Nutzer hinter den Erwartungen zurückgeblieben“, erzählt Kalcher. Immerhin: Die Idee für OnTrack sei entstanden. „Nach einer Präsentation bei einem Netzwerkevent hat mich ein blinder Unternehmer angesprochen und gefragt: ‚Wieso rollt ihr das nicht speziell für Menschen mit Sehbehinderung aus?‘“

Mit OnTrack wollen wir einer vulnerablen Bevölkerungsgruppe die Möglichkeit geben, selbständiger und flexibler von A nach B zu kommen.

Im Zuge weiterer Recherche, im Austausch mit der „Hilfsgemeinschaft der Blinden und Sehschwachen“ und anhand von Interviews und Fokusgruppen-Studien nach einer ersten FFG-Förderung sei eines klar geworden, so Kalcher: „Was die Zielgruppe wirklich braucht, ist eine Navigationsapp. Es gibt zwar andere Anbieter, doch meistens müssen multiple Apps kombiniert werden, teils sind WhatsApp-Gruppen im Einsatz, um sich über Baustellen und Co. zu informieren.“ Mit „OnTrack“ soll das der Vergangenheit angehören. 

Kalcher: „Wir haben bei Null begonnen und gemeinsam mit der Zielgruppe einen Prototypen entwickelt.“ Genau das soll auch der Erfolgsgarant sein: Die Entwicklung mit Betroffenen, die anhand der Testversion laufend Feedback geben. Gleichzeitig sehe man auch den Staat gefordert, hier etwa über die Gesundheitskasse zu unterstützen. „Immerhin handelt es sich um eine vulnerable Gruppe, die häufig von Armut betroffen ist“, so Kalcher. 

In der barrierefreien App, die auf Karten von Google Maps basiert, gibt es einen Öffi- und einen Fußgängermodus. „Unterwegs können Nutzer auswählen, ob sie die kürzeste oder die sicherste Route – mit möglichst wenigen Kreuzungen und vielen akustischen Ampeln – wollen“, erklärt Kalcher. „In Wien funktioniert das sehr gut, in Graz warten wir noch auf die Daten.“

Aktuell wird die App stetig verbessert, auf der Homepage ontrack.co.at wirbt man um Unterstützer für mehr Aufmerksamkeit. Gleichzeitig werden Investoren gesucht, Markteintritt ist mit Jahresende geplant.

QUERGEFRAGT

Was ist Ihre Vision?

„Mehr Selbstbestimmtheit im Alltag für unsere Zielgruppe.“

Größte Herausforderungen?

Der Datenstandard ist leider nicht überall in Österreich gleich.“

Die nächsten Ziele?

„Die App weiter zu verbessern und bis Jahresende zu veröffentlichen.“