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Autos
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Wie sich das Autofahren verändern wird

Elektrisch, digital oder gar selbstfahrend? Wie die Zukunft der Mobilität aussieht und warum China die Nase vorne hat.

Lesedauer: 5 Minuten

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Aktualisiert am 17.03.2026

Das Ausmaß überraschte dann  doch: Anfang März gab der VW-Konzern bekannt, bis 2030 in Deutschland 50.000 Stellen streichen zu wollen. Der Grund? Der Gewinn des Herstellers ist 2025 um fast die Hälfte eingebrochen. Auch andere Autokonzerne wie Opel-Mutter Stellantis machen Verluste. Die Mobilität befindet sich im Wandel. Das zeigt auch ein Blick in die Zulassungsstatistik. 284.978 Neuzulassungen zählte man 2025 in Österreich. Besonders beliebt: alternative Antriebe. 39,3 Prozent der Neuzulassungen entfielen auf Hybrid-Fahrzeuge, 21,3 Prozent auf Elektro-Pkw. Gleichzeitig wird das europäische Straßenbild aber noch vom Verbrenner beherrscht. Wie lange das so bleibt und wie die Mobilität in Zukunft aussehen könnte – Stichwort autonomes Fahren? Zwei Experten der Technischen Universität Graz wagen die Prognose. 

Werden in zehn Jahren vorwiegend E-Autos auf der Straße sein?

Davon ist laut Helmut Eichlseder, Professor am Institut für Thermodynamik und nachhaltige Antriebssysteme, nicht auszugehen. Doch eines ist klar: Elektromobilität wird weiter zunehmen. Gleichzeitig kommen aber auch andere Technologien ins Spiel: „Bei den Pkw werden wir sicherlich vermehrt Hybrid- bzw. Plug-in-Hybride sehen, aber auch immer mehr Modelle mit Range-Extendern (Anm. Reichweitenverlängerern). Der innerstädtische Lieferverkehr wird immer mehr elektrifiziert werden. Schwere Nutzfahrzeuge im Fernverkehr werden aber weiterhin vom Verbrenner dominiert – auch wenn in Europa vermehrt Batterie und Wasserstoff zum Einsatz kommen werden. Was die Pkw betrifft, beschäftigen sich sowohl Toyota als auch Hyundai und BMW mit der Wasserstoff-Brennstoffzellentechnologie im großen Stil.“

Das Auto wird nicht aussterben. Der Individualverkehr wird in Städten aber weiter abnehmen.

China schafft den Ausstieg aus dem Verbrennungsmotor organisch und ohne Frist – Europa nicht. Wieso?

Entscheidend ist laut Eichlseder der pragmatische Zugang. „In China geht es nicht um Glaubensfragen. Stattdessen ist man am Effekt orientiert. Daher setzt das Land auf verschiedene Technologien und bezeichnet sie alle eleganterweise als ,New Energy Vehicles‘. Dazu zählen batterieelektrische Pkw, aber auch  Plug-in-Hybrid-Autos und Range-Extender, die in SUVs verbaut werden. Plug-in-Hybride und Range-Extender verzeichnen ein extrem großes Wachstum.“ Doch auch in Sachen Kraftstoff sei man laut Eichlseder offener. Die Überlegungen würden bis hin zum Einsatz von Methanol reichen. Eine Offenheit, die der Professor in Europa vermisst:  „In der EU herrscht eine dogmatische Vorgehensweise. Die Vorstellung, dass alles, was elektrisch angetrieben wird, kein CO2 emittiert, ist ein Trugschluss. Von der Gesetzgebung wird nicht berücksichtigt, wie der Strom hergestellt wird. Es wird nur gemessen, wie viel CO2 aus dem Auspuffrohr herauskommt.“ 

E-Fuels sind politisch umstritten. Werden sie den Verbrenner klimaneutral machen? Zumindest vorübergehend sei der Einsatz  laut Eichlseder sinnvoll. Wieso?

„Der weltweite Fahrzeugbestand liegt aktuell bei 1.400 Millionen. Jedes Jahr kommen 100 Millionen Fahrzeuge dazu – die meisten davon sind Verbrenner. Ihre Lebensdauer beträgt rund 20 Jahre. Es stimmt: E-Fuels sind sehr energieintensiv. Doch grünen Strom werden wir ohnehin nach Europa importieren und in chemisch gebundener Form speichern müssen. Unser grüner Strom wird nicht ausreichen. Betreiben wir die heute hergestellten Verbrenner aber bis zu ihrem Lebensende fossil, ist es illusorisch, dass wir die Klimaziele erreichen.“  

Autonome Fahrzeuge werden bei uns unterwegs sein. Das ist realistisch. Die Regularien sind aber streng.

Werden wir in Zukunft noch selber fahren müssen?

Die USA und China investieren Milliarden in selbstfahrende Autos. Mit Erfolg: Fahrerlose Taxis sind in San Francisco, Los Angeles, Peking oder Shanghai mittlerweile Realität. Doch auch Europa zieht nach. Das amerikanische Unternehmen Waymo möchte noch heuer seine Robotaxis in London einsetzen. In Hamburg testet VW-Tochter Moia seit 2025 selbstfahrende Sammeltaxis. 2030 möchte man in den Regelbetrieb gehen. Realistisch? Durchaus, meint Martin Fellendorf, Professor am Institut für Straßen- und Verkehrswesen. „Robotaxis haben schon Millionen von Kilometern zurückgelegt. Die Fahrzeuge können bis zu 80 Kilometer pro Stunde fahren. Der technische Aufwand ist hoch. In die Fahrzeuge werden Radar-Sensoren, LiDAR-Sensoren und Kamerasysteme eingebaut, die sich gegenseitig überprüfen. Techkonzerne haben die Nase vorn, aber auch Mercedes und BMW sind sehr aktiv. Ihr Fokus liegt derzeit jedoch auf Assistenzsystemen in Premiumwagen, die immer mehr Aufgaben übernehmen sollen.“ 

Welche Neuerungen wird die Digitalisierung des Straßenverkehrs bringen?

„Mehr Sicherheit und Effizienz“, meint Fellendorf. Bereits jetzt sind in Österreich Fahrzeuge mit der Infrastruktur vernetzt. So kommunizieren beispielsweise Lichtsignalanlagen mit Fahrzeugen, um den Verkehrsfluss zu verbessern. Dies werde weiter ausgebaut werden, meint der Professor. Die Vernetzung werde aber noch weiter gehen: „Statt über Schilderbrücken auf Autobahnen könnten Fahrzeuge direkt gewarnt werden. Denkt man das weiter, könnte auch die Geschwindigkeit extern gesteuert werden. Der Fahrer würde dann entmündigt werden. Das ist noch ein weiter Weg, aber Überlegungen dazu gibt es“, so Fellendorf.