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Porträt einer Person mit Schutzbrille, Latzhose, kurzen, hellen Haaren und Bart, die ein Schleifpapier auf ein Holzbrett hält
© Kzenon | stock.adobe.com

„Handwerk bleibt in Hand der Menschen“

KI verändert das Handwerk. Doch in der Tischlerei zeigt sich: Hochmoderne Technik ersetzt nicht den Menschen, sondern verändert seinen Beruf.

Lesedauer: 3 Minuten

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Aktualisiert am 28.04.2026

Wenn man KI hört, sind gestrichene Jobs derzeit nicht weit. Vor allem, wenn es um US-Giganten wie Meta geht, wo erst vor wenigen Tagen bekannt wurde, dass ab Mai wieder 8.000 Arbeitsstellen dem KI-Fortschritt zum Opfer fallen.

Viele sprechen vom größten Eingriff in die Arbeitswelt seit der industriellen Revolution, als körperliche Arbeit durch Maschinen umgewälzt wurde. KI greift zusätzlich geistige und wissensbasierte Arbeit an oder ergänzt sie, weshalb laut dem Internationalen Währungsfonds (IWF) rund 60 Prozent der Jobs in fortgeschrittenen Volkswirtschaften berührt werden könnten.

„Die Montage und den Zusammenbau wird man nie automatisieren können. Das wird wie schon vor 2.000 Jahren immer mit der Hand zusammengebaut werden“, sagt mit Geschäftsführer Matthias Prödl jemand, der die Tischlerei Prödl in Kirchberg an der Raab in dritter Generation führt und das Unternehmen mit derzeit 57 Mitarbeitern (darunter sieben Lehrlinge) wie seine Westentasche kennt.

Gespräch mit Matthias Prödl, Tischlerei Prödl in Kirchberg an der Raab
© Christine Wiener Geschäftsführer Matthias Prödl erklärt die neuen Berufsbilder in seiner Tischlerei.

So hat sich das Berufsbild des Tischlers alleine in den letzten 15 Jahren stark gewandelt, wie Prödl ausführt: „Die Wege bis zum Zusammenbau sind mittlerweile stark automatisiert, kein Mitarbeiter baut beispielsweise mehr Holzdübel händisch ein. Wir haben bei uns 15 bis 20 Standmaschinen in der Tischlerei, die viele Arbeiten erledigen und dank eines Barcode-Scanners auch genau wissen, was ihre Aufgabe ist. Es ist natürlich längst nicht mehr wie bei Meister Eder, sondern hoch technologisch.“

Trotz der maschinellen Erleichterung bleiben Tischler, Berater und auch Lackierer in Prödls Betrieb strikt getrennt. „Der Verkäufer plant bei uns auch nicht. Das liegt auch daran, dass sich Kunden in der Gegenwart viel besser auskennen. Sie kommen mit Vorstellungen von Pinterest und Instagram und wollen das dann auch so umsetzen.“

Für das besondere Design brauchen die Berater auch weit mehr Zeit für jeden Kunden als in früheren Zeiten. „Statt vier sind es jetzt acht Termine, in der Werkstatt ist es so, dass, wenn eine neue Maschine kommt, diese auf unsere Bedürfnisse und Programme eingestellt werden muss. Das kann schon zwei Tage dauern“, sagt Prödl, dessen Mitarbeiterstand trotz aller technologischen Fortschritte in den letzten Jahren stabil blieb.

Dass es in naher Zukunft wegen des technologischen Fortschrittes weniger werden, ist nicht anzunehmen. Im Gegenteil: „Wir haben sogar eine Kantine zugebaut, da unsere Mitarbeiter warmes Essen schätzen und man es auch anbieten muss, um sie langfris­tig zu binden.“

Tischler
© Christine Wiener Der Beruf des Tischlers hat sich in den letzten Jahren stark gewandelt.

Wie weit sich holzbezogene Berufsbilder mittlerweile über die klassische Tischlerei hinausentwickeln, zeigt auch Weitzer Woodsolutions in Weiz. Das vor vier Jahren gegründete Tochterunternehmen der Weitzer Group entwickelt Holz für Bereiche, in denen man diesen Werkstoff noch vor wenigen Jahren kaum vermutet hätte. „Wir entwickeln Holz dorthin, wo es schon einmal war – nämlich in Züge, Autos, aber auch in völlig neue Anwendungsbereiche“, heißt es aus dem Unternehmen. Ob Gondelkabinen mit vollständig aus Holz konstruierter Karosserie, Frontpartien von Sportwagen oder Komponenten für Busse: Holz wird hier nicht mehr nur verarbeitet, sondern als Hightech-Material neu gedacht.