Steirischer Glanz für die größte Berufs-WM-Bühne aller Zeiten
Zehn Medaillen und 20 Exzellenz-Auszeichnungen für Österreich bei der Berufs-WM in Shanghai. Drei weiß-grüne Talente zählen zur Weltspitze.
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Es ist ein Moment, der sich einbrennt: 15.000 Fans jubeln in der Mercedes-Benz-Arena von Shanghai, als die Medaillen von WorldSkills 2026 vergeben werden. Vier Tage lang haben sich knapp 1.400 junge Fachkräfte aus über 70 Nationen in mehr als 60 Berufen auf 300.000 Quadratmetern Wettkampffläche gemessen. Es ist mit 1,6 Millionen (!) Besuchern die größte Berufsweltmeisterschaft aller Zeiten, an der auch 48 österreichische Talente teilnehmen – und mittendrin: steirisches Können, das sich nicht verstecken muss.
Silber:
Andreas Landl (Fliesenleger), Luca Ladler (Maler), Marcel Riener (Sanitär-/Heizungstechnik) und Vincent Track (Verfahrens- und Prozesstechnik)
Bronze:
Julian Gintner & Michael Pomassl (Betonbau), René Bitschnau (Chemielabortechnik), Keanu Frick (Maschinenbautechnik), Jonas Baltuska (Optoelectronic), Benedikt Pritz (Schienenfahrzeugtechnik) und Luca Reitböck (Zimmerei).
Am Ende steht eine Bilanz, die sich sehen lassen kann: vier Silber-, sechs Bronzemedaillen und 20 „Medals for Excellence“ für Österreich – mehr als bei der letzten WM in Frankreich, wo sieben Podestplätze zu Buche standen. Zwei Drittel des Teams, 32 von 48 Teilnehmerinnen und Teilnehmern, kehren mit einer Auszeichnung heim. In der Nationenwertung wird Österreich starker Siebter hinter dem siegreichen Gastgeber China – und avanciert damit zum dritterfolgreichsten Land Europas, hinter der Schweiz und Frankreich, knapp vor Deutschland.
Die steirische Handschrift in dieser Erfolgsgeschichte ist unübersehbar. Gleich zwei der vier österreichischen Silbermedaillen tragen sie: Fliesenleger-Trainer Andreas Stiegler aus dem Ennstal führt den Oberösterreicher Andreas Landl zum Vizeweltmeistertitel – und gleichzeitig zum Titel „Best of Nation“ als bester Österreicher überhaupt. Es ist bereits die vierte internationale Medaille in Serie, die Stiegler mit seinen Schützlingen holt: nach WM-Gold 2022, EM-Gold 2023 und WM-Gold 2024. Eine Bilanz, von der andere Nationen nur träumen können.
Auch bei den Malern trägt Silber steirische Handschrift: Christoph Pessl, selbst Europameister 2021 und Weltmeister 2022, coacht den Vorarlberger Luca Ladler zum Vizeweltmeistertitel. Seit seinem Wechsel vom Teilnehmer zum Experten ist seine Bilanz makellos – drei internationale Bewerbe, drei Medaillen für seine Schützlinge.
Doch auch auf dem Wettkampfparkett selbst zeigt die Steiermark, was in ihr steckt. Drei steirische Teilnehmer knacken die international festgelegte Exzellenzmarke von 700 der 800 möglichen Punkte und holen sich jeweils eine „Medal for Excellence“. Besonders bemerkenswert: Anna Tritscher, 20-jährige Verkaufsexpertin von Sport Tritscher in Schladming, tritt im brandneuen Bewerb Handel an – erstmals überhaupt wird diese Disziplin bei einer Berufsweltmeisterschaft ausgetragen. Und die Steirerin nutzt die Bühne fast perfekt: Selbst als in einem simulierten Babyfachgeschäft plötzlich die Kasse streikt, behält sie die Nerven, meistert Verkaufsgespräch um Verkaufsgespräch souverän und verpasst am Ende als Vierte nur hauchdünn eine Medaille. Paul Bürki, 18-jähriger Grafiker aus Fürstenfeld und Schüler der HTBLVA Graz-Ortweinschule, überzeugt im hochkarätig besetzten Grafikdesign-Bewerb mit Kreativität und technischer Präzision und landet auf dem starken fünften Platz. Und Julia Kaufmann, 18-jährige Schülerin der Modeschule Graz, kämpft sich in der Mode-Technologie unter enormem Zeitdruck ebenfalls auf einen Spitzenplatz.
Getragen wurde diese Leistung nicht zuletzt von einer außergewöhnlichen Kulisse: Tausende Kilometer von der Heimat entfernt feuerte eine große rot-weiß-rote Fangemeinde das Team Austria in den Shanghaier Hallen an – mittendrin eine prominente steirische Abordnung. Angeführt von WKO-Steiermark-Präsident Josef Herk und Vizepräsidentin Gabi Lechner, reisten auch Gewerbe- und-Handwerk-Spartenobmann Johann Reisenhofer sowie die Branchenvertreter Rainer Rauch (Handel) und Norbert Adler (Logistik) nach China, um den jungen Talenten live die Daumen zu drücken. Und auch namhafte steirische Betriebe wie Knapp und Magna hatten Vertreter vor Ort – ein Signal, wie eng Wirtschaft und Ausbildung in der Steiermark verzahnt sind und wie sehr der Nachwuchs auch abseits des Wettkampftisches Rückhalt genießt.
„Zwei österreichische Vizeweltmeister werden von steirischen Experten geformt, drei steirische Teilnehmer erreichen internationales Exzellenzniveau. Diese Erfolge tragen eine starke Handschrift“, freut sich Herk. Auch wenn diesmal kein Teilnehmer-Podestplatz für die Steiermark dabei war, sei die Botschaft klar: „Wir zählen in der qualitativen Breite zu den Besten. Für den Sprung ganz nach vorne ist auch ein Quäntchen Glück erforderlich. Wir sind auf jeden Fall voll motiviert für die Zukunft.“
Unsere Helden der WM
Die Berufsweltmeisterschaft in Shanghai ist Geschichte, Österreichs Starter haben sich mit vier Silbernen, sechs Bronzenen und 20 Medals for Excellence hervorragend geschlagen. Aus steirischer Sicht waren zwölf Teilnehmer dabei. Wie es ihnen vor Ort erging, hat Redakteur Alexander Petritsch zusammengefasst.
Gabriel Aldrian konnte sich auch auf seinen Arbeitgeber Knapp verlassen, waren doch einige von seinem Unternehmen vor Ort, um ihn und Teamkollegen Hrdzic live zu beobachten. „Ich bin jetzt sicher stressresistenter als vor dem Bewerb, wir haben eine schöne Zeit in Shanghai gehabt“, so Aldrian.
Konstantin Hauser landete mit Marwin Kremser im Teambewerb Autonomous Mobile Robotics auf Rang 18, mit der Leistung war er zufrieden. „Wir haben ja den Platz direkt neben dem späteren Sieger China gehabt, daher waren bei uns eigentlich durchgehend viele Zuschauer. Das war schon eindrucksvoll.“