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Team Austria und WKO Steiermark-Präsident Josef Herk bei der Berufs-WM in Shanghai
© SkillsAustria

Steirischer Glanz für die größte Berufs-WM-Bühne aller Zeiten

Zehn Medaillen und 20 Exzellenz-Auszeichnungen für Österreich bei der Berufs-WM in Shanghai. Drei weiß-grüne Talente zählen zur Weltspitze.

Lesedauer: 8 Minuten

Aktualisiert am 01.10.2026

Es ist ein Moment, der sich einbrennt: 15.000 Fans jubeln in der Mercedes-Benz-Arena von Shanghai, als die Medaillen von WorldSkills 2026 vergeben werden. Vier Tage lang haben sich knapp 1.400 junge Fachkräfte aus über 70 Nationen in mehr als 60 Berufen auf  300.000 Quadratmetern Wettkampffläche gemessen. Es ist mit 1,6 Millionen (!) Besuchern die größte Berufsweltmeisterschaft aller Zeiten, an der auch 48 österreichische Talente teilnehmen – und mittendrin: steirisches Können, das sich nicht verstecken muss. 

Teilnehmer mit Medaillen
© SkillsAustria Alle Medaillen
Silber:
Andreas Landl (Fliesenleger), Luca Ladler (Maler), Marcel Riener (Sanitär-/Heizungstechnik) und Vincent Track (Verfahrens- und Prozesstechnik)
Bronze:
Julian Gintner & Michael Pomassl (Betonbau), René Bitschnau (Chemielabortechnik), Keanu Frick (Maschinenbautechnik), Jonas Baltuska (Optoelectronic), Benedikt Pritz (Schienenfahrzeugtechnik) und Luca Reitböck (Zimmerei).

Am Ende steht eine Bilanz, die sich sehen lassen kann: vier Silber-, sechs Bronzemedaillen und 20 „Medals for Excellence“ für Österreich – mehr als bei der letzten WM in Frankreich, wo sieben Podestplätze zu Buche standen. Zwei Drittel des Teams, 32 von 48 Teilnehmerinnen und Teilnehmern, kehren mit einer Auszeichnung heim. In der Nationenwertung wird Österreich starker Siebter hinter dem siegreichen Gastgeber China – und avanciert damit zum dritterfolgreichsten Land Europas, hinter der Schweiz und Frankreich, knapp vor Deutschland.

Besucher der Berufs-WM in Shanghai
© SkillsAustria Rund 1,6 Millionen (!) Besucher wurden an den Wettkampftagen gezählt.

Die steirische Handschrift in dieser Erfolgsgeschichte ist unübersehbar. Gleich zwei der vier österreichischen Silbermedaillen tragen sie: Fliesenleger-Trainer Andreas Stiegler aus dem Ennstal führt den Oberösterreicher Andreas Landl zum Vizeweltmeistertitel – und gleichzeitig zum Titel „Best of Nation“ als bester Österreicher überhaupt. Es ist bereits die vierte internationale Medaille in Serie, die Stiegler mit seinen Schützlingen holt: nach WM-Gold 2022, EM-Gold 2023 und WM-Gold 2024. Eine Bilanz, von der andere Nationen nur träumen können.

Auch bei den Malern trägt Silber steirische Handschrift: Christoph Pessl, selbst Europameister 2021 und Weltmeister 2022, coacht den Vorarlberger Luca Ladler zum Vizeweltmeistertitel. Seit seinem Wechsel vom Teilnehmer zum Experten ist seine Bilanz makellos – drei internationale Bewerbe, drei Medaillen für seine Schützlinge.

Jürgen Kraft, Anna Tritscher, Josef Herk
© SkillsAustria Skills-Austria Geschäftsführer Jürgen Kraft und WKO Steiermark sowie SkillsAustria-Präsident Josef Herk gratulieren der Steirerin Anna Tritscher zur "Medal for Excellence"

Doch auch auf dem Wettkampfparkett selbst zeigt die Steiermark, was in ihr steckt. Drei steirische Teilnehmer knacken die international festgelegte Exzellenzmarke von 700 der 800 möglichen Punkte und holen sich jeweils eine „Medal for Excellence“. Besonders bemerkenswert: Anna Tritscher, 20-jährige Verkaufsexpertin von Sport Tritscher in Schladming, tritt im brandneuen Bewerb Handel an – erstmals überhaupt wird diese Disziplin bei einer Berufsweltmeisterschaft ausgetragen. Und die Steirerin nutzt die Bühne fast perfekt: Selbst als in einem simulierten Babyfachgeschäft plötzlich die Kasse streikt, behält sie die Nerven, meistert Verkaufsgespräch um Verkaufsgespräch souverän und verpasst am Ende als Vierte nur hauchdünn eine Medaille. Paul Bürki, 18-jähriger Grafiker aus Fürstenfeld und Schüler der HTBLVA Graz-Ortweinschule, überzeugt im hochkarätig besetzten Grafikdesign-Bewerb mit Kreativität und technischer Präzision und landet auf dem starken fünften Platz. Und Julia Kaufmann, 18-jährige Schülerin der Modeschule Graz, kämpft sich in der Mode-Technologie unter enormem Zeitdruck ebenfalls auf einen Spitzenplatz.

Getragen wurde diese Leistung nicht zuletzt von einer außergewöhnlichen Kulisse: Tausende Kilometer von der Heimat entfernt feuerte eine große rot-weiß-rote Fangemeinde das Team Austria in den Shanghaier Hallen an – mittendrin eine prominente steirische Abordnung. Angeführt von WKO-Steiermark-Präsident Josef Herk und Vizepräsidentin Gabi Lechner, reisten auch Gewerbe- und-Handwerk-Spartenobmann Johann Reisenhofer sowie die Branchenvertreter Rainer Rauch (Handel) und Norbert Adler (Logistik) nach China, um den jungen Talenten live die Daumen zu drücken. Und auch namhafte steirische Betriebe wie Knapp und Magna hatten Vertreter vor Ort – ein Signal, wie eng Wirtschaft und Ausbildung in der Steiermark verzahnt sind und wie sehr der Nachwuchs auch abseits des Wettkampftisches Rückhalt genießt.

Rot-weiß-rote Fans – darunter auch Staatssekretärin Elisabeth Zehetner ­­– bei der Berufs-WM in Shanghai
© SkillsAustria Fast 400 rot-weiß-rote Fans – darunter auch Staatssekretärin Elisabeth Zehetner ­­– traten die Reise nach Shanghai an, um unser Team zu unterstützen.

„Zwei österreichische Vizeweltmeister werden von steirischen Experten geformt, drei steirische Teilnehmer erreichen internationales Exzellenzniveau. Diese Erfolge tragen eine starke Handschrift“, freut sich Herk. Auch wenn diesmal kein Teilnehmer-Podestplatz für die Steiermark dabei war, sei die Botschaft klar: „Wir zählen in der qualitativen Breite zu den Besten. Für den Sprung ganz nach vorne ist auch ein Quäntchen Glück erforderlich. Wir sind auf jeden Fall voll motiviert für die Zukunft.“

Tolle Stimmung bei den WorldSkills
© SkillsAustria Beeindruckende Finalshow in Shanghai

Unsere Helden der WM

Die Berufsweltmeisterschaft in Shanghai ist Geschichte, Österreichs Starter haben sich mit vier Silbernen, sechs Bronzenen und 20 Medals for Excellence hervorragend geschlagen. Aus steirischer Sicht waren zwölf Teilnehmer dabei. Wie es ihnen vor Ort erging, hat Redakteur Alexander Petritsch zusammengefasst.

Anna Tritscher
© SkillsAustria/Florian Wieser Anna Tritscher feierte nicht nur als Athletin, sondern auch mit dem Bewerb Retail Sales die Premiere bei den 48. World Skills. Die Schladmingerin meisterte auch einen fingierten Geschäftseinbruch souverän, wurde Vierte, holte die „Medal for Excellence“ und schramm­te nur um drei Punkte an Bronze vorbei.
Paul Bürki
© SkillsAustria/Florian Wieser Paul Bürki aus Fürstenfeld lieferte mit der „Medal for Excellence“ eine Top-Vorstellung ab. Der Grafikdesigner, der zu Beginn mit der starken Klimatisierung zu kämpfen hatte, wurde Fünfter. Kurios: Mit seinen 722 Punkten hätte der Ortwein-Graz-Schüler in vielen anderen Berufen locker Bronze erreicht.
Julia Kaufmann
© SkillsAustria/Florian Wieser Julia Kaufmann stand im Bewerb Fashion Technology nicht weniger als 30 Konkurrenten gegenüber, die Schneiderin aus Hart bei Graz hielt dem Druck aber bravourös stand. Mit 701 Punkten holte sie eine „Medal for Excellence“ – daher sagt sie auch: „Ich bin zufrieden, ich habe 100 Prozent gegeben.“
Paul Zadravec
© SkillsAustria/Florian Wieser Paul Zadravec hatte in Österreichs Team eine spezielle Rolle, ging oftmals bei Schlachtrufen voran, so auch beim Rückflug nach Wien. Der Logistiker aus der Südsteiermark war immer am Limit unterwegs und holte Platz fünf. „Ich habe mein Bestes gegeben, aber jetzt bin ich total fertig.“
Jonas Leitner
© SkillsAustria/Florian Wieser Jonas Leitner wird sich beim Blick auf die Ergebnisliste sicher kurz geärgert haben, verpasste der Stuckateur als Achter und mit 699 Punkten doch nur um einen Punkt die „Medal for Excellence“. „Natürlich hat irgendetwas nicht funktioniert, es war sehr hart. Aber so ein Ereignis erlebt man nur einmal im Leben.“
Kristijan Hrdzic und Gabriel Aldrian
© SkillsAustria/Florian Wieser Kristijan Hrdzic stand im Teambewerb Robot Systems Integration besonders im Fokus, da sein Arbeitsplatz direkt neben jenem von Gastgeber China zu finden war. „Es gab ein paar große Hürden, es war ein schweres Projekt, aber wir sind zufrieden mit unserer Leistung“, so der Zwölftplatzierte.

Gabriel Aldrian konnte sich auch auf seinen Arbeitgeber Knapp verlassen, waren doch einige von seinem Unternehmen vor Ort, um ihn und Teamkollegen Hrdzic live zu beobachten. „Ich bin jetzt sicher stressresistenter als vor dem Bewerb, wir haben eine schöne Zeit in Shanghai gehabt“, so Aldrian.
Jennifer Lueger
© SkillsAustria/Florian Wieser Jennifer Lueger hatte mit Papa, Mama, Schwester und Schwager gleich vier Unterstützer vor Ort. Die Bäckerin aus dem Bezirk Hartberg-Fürs­tenfeld, die sich im Sommer selbständig im Center of Excellence in Graz zum Training eingemietet hatte, kam in der Endabrechnung auf den 13. Platz.
Marwin Kremser, Kons­tantin Hauser
© SkillsAustria/Florian Wieser Marwin Kremser war mit Konstantin Hauser in jenem Teambewerb (Autonomous Mobile Robotics) am Start, der über alle Tage hinweg die meisten Menschen im technik­affinen China anlockte. Der Intralogis­tiker programmierte einen Roboter, der als Kellner in einem Restaurant fungieren sollte.

Konstantin Hauser landete mit Marwin Kremser im Teambewerb Autonomous Mobile Robotics auf Rang 18, mit der Leistung war er zufrieden. „Wir haben ja den Platz direkt neben dem späteren Sieger China gehabt, daher waren bei uns eigentlich durchgehend viele Zuschauer. Das war schon eindrucksvoll.“
David Seidl
© SkillsAustria/Florian Wieser David Seidl ging mit Paul Wohlesser im Bewerb Mechatronik an den Start, das Duo hatte immer wieder mit Problemen zu kämpfen, am Ende gab es den 26. Platz. „Wir haben in der Schlussphase mit einigen Problemen zu kämpfen gehabt, aber am Ende zählt für mich das beeindruckende Erlebnis.“
Paul Wohlesser
© SkillsAustria/Florian Wieser Paul Wohlesser konnte auf die Unterstützung seiner Familie aus Neumarkt bauen, die extra anreiste. „Sie sind zufrieden mit ihrer Arbeit, das zählt“, jubelte Papa Thomas. Auch Ausbildungsleiter Roman Lobner von Flex Althofen, wo das Duo arbeitet, war happy: „Vom technischen Stand her ist ihre Anlage sehr gut.“