Balkone, die Design und Funktionalität verbinden
Innovationen und eine breite Modellpallette prägen die Hiag Balkonbau GmbH mit Sitz in der Osttiroler Marktgemeinde Nußdorf-Debant.
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Vor 50 Jahren gründeten Hubert Stotter sen., Alfons Haspinger und Max Gerl das Unternehmen, welches sich anfangs mit dem Verkauf und Montage von Wand- und Deckenelementen beschäftigte – daher der Firmenname H.I.A.G. - Holz- Innen- und Außengestaltung. Die zunehmende Konkurrenz durch Baumärkte erforderte eine Neuorientierung, weshalb man mit der Produktion und Montage von Holzbalkonen begann und das Marktgebiet über Österreich hinaus auf Süddeutschland und die Schweiz erweiterte. Etwas später gelang es, auch auf dem Südtiroler Markt Fuß zu fassen. „Es lief lange gut, aber schon in den frühen 2000er-Jahren zeichnete sich ein Rückgang der Nachfrage nach Holzbalkonen ab.
Damals kam ich zunächst als Angestellter ins Unternehmen, übernahm bereits 2004 die Geschäftsführung und beteiligte mich natürlich intensiv an der Suche nach erfolgversprechenden Alternativen zum bisherigen Produktionsprogramm. In einem ersten Schritt erfolgte der Zukauf von Aluminium-Profilen und sogenannten Baucompaktplatten“, erzählt Hubert Stotter jun. „Der Trend zeigte eindeutig in Richtung Alu-Balkone, weshalb wir fast vollständig und gerade noch rechtzeitig von Holz auf Alu umstellten. Der 2011 abgeschlossene Prozess war aufwändig, da wir eine Vielzahl verschiedener Alu-Profile entwickeln mussten, die dann im Presswerk mit exklusiv für uns erzeugten Werkzeugen geformt werden. Wir haben von Anfang an unsere Mitarbeiter:innen in die Produktionsumstellung einbezogen – es war großartig, wie sie sich mit ihrem Know-how und konstruktiven Vorschlägen eingebracht haben“.
Laufende Neuentwicklungen
In diese Zeit fiel auch das Ausscheiden der Seniorchefs und die Übernahme des Unternehmens durch Hubert Stotter jun. als Alleingesellschafter. 2014/15 wurde die bislang größte Investition notwendig, um nicht nur die Produktionskapazität zu erweitern, sondern auch ein qualitatives Wachstum etwa durch laufende Produkt-Neuentwicklungen zu gewährleisten. Dies erforderte Zubauten an Produktionshalle und Bürogebäude, Anschaffung neuer Maschinen und insbesondere die Verbesserung der Ablauf- und Lagerlogistik durch einen ersten Lagerturm für die benötigten Alu-Profile, dem bereits 2019 ein weiterer Turm folgte.
„Wir können unseren Kunden:innen heute eine enorme Auswahl unterschiedlicher Profile, Design- und Farbvarianten bieten. Ob Standard-RAL-Farbtöne oder klassische Holzstruktur, die optisch übrigens vom Laien kaum mehr von echtem Holz zu unterscheiden ist, oder auch Kombinationen mit Glas oder Baucompaktplatten und Edelstahlelementen – alles ist möglich. Um passgenaue und schnelle Montagen zu gewährleisten, haben wir Verbindungselemente entwickelt, die sich ganz einfach im Winkel verändern lassen. Unsere jahrzehntelange Erfahrung zeigt sich in vielen Details, die dafür sorgen, dass die Kunden:innen sich möglichst lange über ihren hochwertigen Balkon freuen können“, betont der Firmenchef. Die ursprüngliche Holz-Werkstätte ist weiterhin in Betrieb, wenngleich es dort eher ruhig zugeht. „Für Kunden:innen, die den Werkstoff Holz bevorzugen oder entsprechende baubehördliche Auflagen erfüllen müssen, gibt es weiterhin eine reiche Auswahl an Modell- und Gestaltungsvarianten und den Mehrwert unseres speziellen konstruktiven Holzschutzes“.
Abgerundet wird das Produktionsprogramm durch besonders formschöne Glasbalkone, Balkon- und Terrassenüberdachungen, Carports sowie Zaun- und Sichtschutzelemente. Eine Besonderheit von Hiag Balkonbau sind Photovoltaik-Balkone: „Wir haben schon 2011 ein eigenes System zur Einbeziehung von Photovoltaik-Modulen in unsere Balkone entwickelt. Allerdings waren damals die Kosten einfach noch zu hoch. Schließlich kann man nicht billige Standard-Module verwenden, da auch hohe Statik- und Sicherheitsanforderungen erfüllt werden müssen. Inzwischen passt das Preis-Leistungs-Verhältnis, wobei die Förderungen für gebäudeintegrierte Photovoltaik geholfen haben, die Nachfrage zu steigern. Ein niederösterreichischer PV-Hersteller produziert exklusiv Module für uns, die bifacial funktionieren, also das Licht von beiden Seiten nutzen und dadurch einen höheren Solarstrom-Ertrag gewährleisten. Von der Verkabelung sieht man nichts, da sie vollständig in die Balkonkonstruktion integriert ist“, erklärt Hubert Stotter.
Auch im Ausland erfolgreich
Das Unternehmen beschäftigt aktuell 23 Personen in Fertigung, Montage und Verwaltung – letztere wird von Ehefrau Heike als Prokuristin geleitet. Der Vertrieb ist an sieben selbstständige Außendienstmitarbeiter ausgelagert, welche die Vorort-Betreuung der Kund:innen in Österreich, der Schweiz, Süddeutschland und Südtirol sicherstellen, auf den relevanten Messen in den jeweiligen Marktgebieten vertreten sind und auch die Naturmaße auf den jeweiligen Baustellen ermitteln. Am Firmenstandort erstellen Techniker:innen die CAD-Pläne und Stücklisten für die Fertigung, wo in der Hauptsache gelernte Tischler millimetergenaue Zuschnitte vornehmen, die Teile vernieten und fertige Elemente auftragsbezogen kommissionieren.
Mehrere erfahrene Teams kümmern sich schließlich um die perfekte Montage auf den Baustellen. „Auch wenn wir heute hauptsächlich Aluminium-Halbzeuge verwenden, sehen wir uns nicht als Metallbauer. Bei uns wird nichts geschweißt und die Arbeitstechniken sind weitgehend mit jenen in der Holzverarbeitung ident. Jeder Balkon ist eine handwerkliche Einzelanfertigung“, erklärt Hubert Stotter, selbst Absolvent einer HTL für Möbel- und Innenausbau und Tischlermeister und mit seinem Unternehmen schon seit 20 Jahren Mitglied bei „Qualitätshandwerk Tirol“.
Besonders gefragt sind Hiag-Balkone bei der Sanierung von Einfamilienhäusern, denen sie einen völlig neuen, modernen Charakter verleihen. Inzwischen besinnen sich aber auch die Bauträger wieder auf die Vorzüge von Balkonen – Corona war wohl ausschlaggebend für diesen Gesinnungswandel. Gut im Geschäft ist man aber auch beim Um- und Neubau von Beherbergungsbetrieben.
Für 2026 steht bei der Firma Hiag Balkonbau, die kürzlich vom Land Tirol anlässlich des 50-Jahr-Jubiläums als „Tiroler Traditionsbetrieb“ ausgezeichnet wurde, wieder ein großes Investitionsprojekt an. „Wir werden das Freigelände neu gestalten, Carports mit Ladestationen für E-Autos errichten und einen überdachten Bereich für die Ladetätigkeit schaffen“, berichtet der Unternehmer.
Weitere Informationen unter: www.balkone.at