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Farbmuster statt KI-Assistent.
© Adler

Farbe bekennen für den Handel

„Ich wurde vor zwölf Jahren gefunden“, sagt Judith Engleitner. Heute führt sie Tirolack in Schwaz und Brixlegg, bildet Lehrlinge aus.

Lesedauer: 5 Minuten

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Aktualisiert am 03.07.2026

1934 gründete Johann Berghofer eine kleine Farbenfachhandlung in Schwaz. Über die Jahre hat Adler sich zum europaweiten Kompetenzführer in Sachen Holzbeschichtung mit mehr als 720 Mitarbeiter:innen entwickelt. Am Standort des ersten Fabrikationsgebäudes befindet sich heute der Farbenfachmarkt Tirolack und damit der berufliche Lebensmittelpunkt von Judith Engleitner. 

Tirolack bietet eine breite Palette von Produkten rund um Farben, Lacke, Holzschutz, Ma-lerzubehör und Künstlerbedarf für Profi- und Privatkunden an. Seit ein paar Jahren gehört auch eine hauseigene Malerei zum Betrieb. Anlässlich des 90-jährigen Bestehens wurde 2024 ein weiterer Standort in Brixlegg eröffnet, den ebenfalls Judith Engleitner führt. Dass sie heute zwei Standorte und einen Malerbetrieb verantwortet, war bei ihrem Einstieg noch nicht absehbar.

Vom kleinen Markt zum Markt mit eigener Handschrift

„Anfangs war es ein kleiner Markt, wie man sich das so vorstellt. Mit vielen Dosen, von denen ich keine Ahnung hatte,“ erinnert sich die Marktleiterin und Prokuristin an ihre Anfänge. Sehr wohl wusste sie aber, dass sie Talent zum Verkaufen hat und genau darin ihre Leidenschaft liegt. „Den Rest kann man lernen, das ist so ein bisschen meine Devise.“ 

Mit viel Engagement entwickelte sie den Markt weiter und setzte vom neuen Kassensystem über die Verkaufssteuerung bis hin zur selbst gestalteten Dekoration und der Einführung einer App, zahlreiche Ideen um. „All mein Können und Wissen konnte ich einbringen, weil ich das Vertrauen der Familie Berghofer hatte.“ Andrea Berghofer leitet Adler seit 1999 in dritter Generation. Das traditionsreiche Tiroler Unternehmen setzt auf hochwertige Produkte sowie auf Nachhaltigkeit und produziert bis heute ausschließlich am Standort Schwaz.

Farbmuster statt KI-Assistent.
© Adler Farbmuster statt KI-Assistent. Bei Tirolack kann man Farben auch außerhalb der Dosen sehen und sogar fühlen.

Farbe erleben statt nur verkaufen

„Farbe muss man sehen und fühlen können. Eine Dose sagt mir noch lange nicht, was da drinnen ist“, betont die kreative Marktleiterin. Gemeinsam mit ihrem Team hat sie deshalb Muster von allen Farben angefertigt: „Mir war wichtig, dass das gesamte Team weiß, wie sich die einzelnen Produkte verarbeiten lassen und wie die Farbtöne auf unterschiedlichen Untergründen wirken.“ Keine Produktbeschreibung und kein digitaler Assistent können diese Erfahrung und dieses Wissen ersetzen. Genau diese Kompetenz schätzen auch die vielen Stammkund:innen.

Menschen fördern, Potenziale entwickeln

Judith Engleitner führt ein Team von zehn Mitarbeiter:innen, darunter einen Lehrling. Um ihre Führungsarbeit und sich persönlich weiterzuentwickeln, absolvierte sie in den letzten Jahren mehrere Ausbildungen, wie die zum systemischen Coach für Teams und Gruppen. Das dabei erworbene Wissen setzt sie nicht nur im Führungsalltag bei Tirolack ein. Als selbstständige Trainerin und Business-Coach gibt sie ihre Erfahrungen auch weiter. 

Anpacken statt abwarten

Kein Tag gleicht dem anderen. Trotz guter Planung bleibt immer Raum für Unvorhergesehenes. Die Marktleiterin steht selbst gerne im Verkaufsraum, um spezielle Fragen von Kund:innen zu beantworten oder fährt Lieferungen aus, wenn es eilt. Flexibilität gehört einfach dazu. 

Dass sie lieber anpackt als zusieht, ist mit ein Grund, warum sie sich für die Branche engagiert: „Ich bin Funktionärin geworden, weil ich einfach nicht mit verschränkten Händen dasitzen und warten kann. Auch im Handel wird das nicht funktionieren.“ 

Impulse für die Zukunft 

Seit 2025 ist Judith Engleitner Gremialobmann-Stellvertreterin des Landesgremium Handel mit Arzneimitteln, Drogerie- und Parfümeriewaren sowie Chemikalien und Farben. Auch in den Jahren zuvor hat sie sich jedoch schon aktiv für die Branche eingesetzt. Die Veränderungen im Handel sieht sie als Chance. Um dem wachsenden Onlinehandel zu begegnen, setzt sie auf Digitalisierung, innovative Ideen und persönliche Kundennähe. Themen, die sie auch in ihrer Funktionärstätigkeit vorantreibt. „Wenn der Handel sich wandelt, dann müssen wir aufstehen und uns Neues überlegen, uns etwas trauen, investieren, uns digitalisieren.“ 

Von unterschiedlichen Marketingmaßnahmen wie Radiowerbungen über Events bis hin zu Social-Media-Kursen hat die Funktionärin bereits viel bewegt. „Ich versuche für die Branche mein Bestes zu geben, weil ich finde, dass das ein toller Job ist. Wenn es keine Menschen gibt, die sich einsetzen, wird sich nichts bewegen.“
Neben der steigenden Konkurrenz – Wandfarbe ist inzwischen nicht mehr nur im Fachmarkt erhältlich – und dem Rückgang von Kund:innen, kämpft der Handel auch mit einem Mangel an Fachkräften. Die Übergabe von Betrieben an die nächste Generation ist in vielen Familien kein Thema mehr. Zuzusperren häufig die letzte Konsequenz.

Lehrlinge als Zukunftsthema

„Der Einzelhandel ist für viele junge Menschen nicht mehr so attraktiv – was ich ehrlich gesagt schade finde, weil unser Beruf unglaublich spannend und abwechslungsreich ist,“ betont die Funktionärin. Mehr Lehrlinge für die Branche zu begeistern ist ihr deshalb ein zentrales Anliegen. Dafür braucht es aus ihrer Sicht jedoch auch engagierte Ausbildungsbetriebe, die jungen Menschen Chancen eröffnen und ihnen mit einem Vertrauensvorschuss den Einstieg ins Berufsleben erleichtern. Beide Seiten zu erreichen und zusammen zu bringen ist Teil ihrer Mission.

Branche aktiv mitgestalten 

Vor ihrer Funktionärstätigkeit hat sich die Tirolack-Marktleiterin bereits aktiv für die Branche eingesetzt. Ihr ist wichtig, Diskussionen anzustoßen, über den Tellerrand hinauszuschauen und neue Wege zu denken.
Das Engagement der Funktionärin endet also nicht an der Tür des Fachmarkts. Als Gremialobmann-Stellvertreterin setzt sie sich gerne für die Anliegen ihrer Branche ein. Denn auch der Handel muss sich laufend weiterentwickeln – genauso wie der Fachmarkt, den sie seit zwölf Jahren gestaltet.

Hinweis
Im Einsatz für die Branche

Das Landesgremium Handel mit Arzneimitteln, Drogerie- und Parfümeriewaren sowie Chemikalien und Farben. 
Mitglieder in Tirol: 709


Gremialobmann: Thomas Thalhammer
Gremialobmann-Stellvertreterinnen: Judith Brigitte Engleitner und Andrea Gschwenter

Ziele für die Funktionsperiode 2025 – 2030:
- Konzeption und Umsetzung branchenspezifischer Magazine zur Stärkung der regionalen Kaufkraft im Fachhandel
- Unterstützung von Lehrlingsinitiativen zur Stärkung der Fachkräfte von morgen
- Novellierung der Abgrenzungs-Verordnung in Zusammenarbeit mit der Apothekerkammer
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