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Das Werk in Sillian wird stetig modernisiert – allein in der letzten Dekade sind am Standort Investitionen in Höhe von rund 20 Millionen Euro getätigt worden.
© Marian Kröll

Hightech, Handwerk, gute Luft: Die Osttiroler Klimamacher

Gute Luft fällt erst auf, wenn sie fehlt. Euroclima aus Sillian baut Lüftungsgeräte für Weltprojekte – nachhaltig, innovativ und krisensicher.

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Aktualisiert am 01.07.2026

We care for better air.“ So lautet der Slogan von Euroclima. Das 1963 in Bruneck gegründete Unternehmen hat sich bereits 1980 in Osttirol am Standort in Sillian angesiedelt. Sillian ist heute das Kompetenzzentrum der Gruppe für das Marine- und Offshoresegment, ein Geschäftsfeld, das sich derzeit gut entwickelt. Weltweit erwirtschaftet Euroclima an fünf Standorten mit mehr als 580 Mitarbeiter:innen einen Jahresumsatz von 130 Millionen Euro und gilt als Qualitätsführer am globalen Markt. Die individuell konfigurierten modularen Lüftungsgeräte kommen unter anderem in Krankenhäusern, Pflegeheimen, Industrieanlagen, Schwimmbädern und Rechenzentren zum Einsatz. Sie werden aber ebenso für Marine- und Offshore-Anwendungen sowie im Lebensmittelsektor genutzt. „Wir beginnen dort, wo andere aufhören“, heißt es im Unternehmen selbstbewusst.

Und tatsächlich, die Produkte, die in Bruneck und Sillian produziert werden, sind rekordverdächtig. Die Kundenliste liest sich wie ein Who is Who aus Pharma, Industrie, Marine und anderen Sektoren. Die Referenzliste reicht vom damals größten Einkaufszentrum der Welt über riesige Schwimmbadanlagen bis zur größten privaten Yacht der Welt. Selbst in der Al-Haram-Moschee in Mekka laufen Euroclima-Geräte unter Extrembedingungen. Die Referenzen sprechen für sich. Doch Euroclima ist nicht nur für Projekte der Superlative der richtige Partner, sondern auch für kleinere Vorhaben im B2B-Bereich, bei denen es auf ein gutes Klima ankommt, sei es in Hotels oder Bürogebäuden. 

Geschäftsführer Manuel Conci (r.) und Gebietsverkaufsleiter Josef Prünster (l.) arbeiten mit dem gesamten Euroclima-Team daran die Position als Technologieführer der Branche zu festigen.<br />
© Marian Kröll Geschäftsführer Manuel Conci (r.) und Gebietsverkaufsleiter Josef Prünster (l.) arbeiten mit dem gesamten Euroclima-Team daran die Position als Technologieführer der Branche zu festigen.

Maßarbeit statt Fließband

Euroclima-Geschäftsführer Manuel Conci lenkt bereits seit 2008 die Geschicke der Gruppe. Vor Ort gibt es vier Standortverantwortliche, die sich die Führungsverantwortung teilen. Gebietsverkaufsleiter Josef Prünster ist einer von ihnen. „Es geht uns trotz schwieriger wirtschaftlicher und geopolitischer Rahmenbedingungen gut. Das hängt mit unserer Diversifizierungsstrategie zusammen“, erklärt Conci. Die Produktpalette ist zunehmend breiter geworden. Euroclima produziert sogenannte RLT-Geräte – das sind raumlufttechnische Geräte –, die mehrere Funktionen erfüllen: Sie sorgen durch eine kontinuierliche Frischluftzufuhr und gezielte Filterung von Schadstoffen, Pollen sowie Allergenen für eine gesunde Raumluft. Gleichzeitig wird die Zuluft bedarfsgerecht geheizt, gekühlt und in der Feuchtigkeit reguliert, um stets ein optimales und angenehmes Raumklima zu garantieren. „Das Thema Energierückgewinnung ist bei uns ein sehr wichtiger Aspekt“, sagt Conci. Außerdem ist bei gewissen Anwendungen eine gute Schalldämmung wichtig. 

Resilienz in der Prozessluft

Euroclima ist einer der Technologieführer in der Branche und kann im globalen Wettbewerb vor allem mit hohem Qualitätsstandard, Langlebigkeit und – wohl der stärkste Wettbewerbsvorteil – maßgeschneiderter Engineering-Kompetenz in der Entwicklung kundenspezifischer Lösungen überzeugen. „Wir sind auf hochtechnologische Anwendungen spezialisiert“, sagt Conci. Das sorgt auch für eine gewisse Resilienz in Krisenzeiten, weil RLT-Geräte, wie Euroclima sie produziert, nicht optional, sondern unbedingt notwendig sind, um optimale klimatische Bedingungen für den jeweiligen Anwendungsfall zu gewährleisten. Die Bereiche, die Sillian abdeckt, haben sich als besonders krisenfest erwiesen. „Wir können flexibel, schnell und dabei auch noch preislich attraktiv produzieren“, sagt Josef Prünster. 

Euroclima
© Marian Kröll Das Werk in Sillian wird stetig modernisiert – allein in der letzten Dekade sind am Standort Investitionen in Höhe von rund 20 Millionen Euro getätigt worden.

Hightech braucht Handwerk

Euroclima ist insgesamt wettbewerbsfähig, allerdings nicht wegen, sondern trotz der hohen Arbeitskosten in Österreich, die sich in den letzten Jahren hier wesentlich dynamischer entwickelt haben als im angrenzenden Südtirol. Um das Handicap der gestiegenen Lohnstückkosten in Österreich ein Stück weit zu kompensieren, arbeitet man im Unternehmen mit einem hochmodernen Maschinenpark und datengestützter Fertigung. „Was automatisiert werden kann, automatisieren wir“, sagt Conci. Euroclima baut aber keine klassischen Fließbandprodukte, deshalb hat die Automatisierung Grenzen. „Für das Engineering und die Montage der Produkte brauchen wir Fachkräfte“, sagt der Geschäftsführer. „In unserer Produktion brauchen wir immer handwerklich geschickte Menschen“, ergänzt Prünster.

Schon in der Vergangenheit haben ganz unterschiedliche Berufszweige – Tischler, Installateure, Elektriker – bei Euroclima eine berufliche Heimat gefunden. Den größten Bedarf gibt es in der Montage im Werk und bei Elektrikern bzw. Elektrotechnikern. „Diese Leute suchen wir, wie es so schön heißt, händeringend“, sagt Conci. Der Arbeitskräftemangel in Osttirol hat sich laut Conci vor allem in den vergangenen fünf Jahren stark zugespitzt. Der Arbeitsmarkt ist zum Flaschenhals geworden, der das weitere Wachstum des Unternehmens limitiert. „Wir brauchen dringend Personal“, sagt Conci. Im Gegensatz zu vielen anderen Industriebetrieben gibt es im Werk in Sillian in der Montage keinen Schichtbetrieb. „Wir bilden auch unsere Fachkräfte – in den Bereichen Metall- und Elektrotechnik – selbst aus“, sagt Prünster. Die Arbeitsplätze sind modern, es gibt genügend Platz in den lichtdurchfluteten Montagehallen, eine Mensa und weitere Benefits. In der letzten Dekade wurden am Standort rund 20 Millionen Euro investiert, erst im letzten Jahr wurde eine neue Halle 5 gebaut.

Nachhaltiges Wachstum im Pustertal

Während die Lohnkosten nicht unbedingt für den Wirtschaftsstandort sprechen, punktet Sillian mit nachhaltiger Energie: Die Betriebsstätte nutzt zu 100 Prozenzt Ökostrom und deckt über 43 Prozent ihres Bedarfs durch die eigene, auf den Hallendächern montierte Photovoltaikanlage. Euroclima ist indirekt auch an der Energiewende beteiligt. RLT-Geräte für Offshore-Windkraftanlagen sind ein stark wachsendes Produktsegment in der Gruppe. „Die Transformatoren dieser Anlagen müssen gekühlt werden“, erklärt Conci. „Nachhaltigkeit ist bei uns seit jeher ein Querschnittsthema, das wir immer im Blick haben, sowohl bei unseren Produkten als auch bei der Weiterentwicklung des Standorts. Eine gute Umweltbilanz ist uns sehr wichtig. Bei uns wird in der Produktentwicklung seit mehr als 20 Jahren die Kreislaufwirtschaft mitgedacht“, führt er aus. In Sillian erzeugt die Sonne den Strom, geheizt wird mit Geothermie. Sämtliche Komponenten der Klimageräte sind „made in Europe“. Auch das ist eine Frage der Nachhaltigkeit. In Sillian wird auch bereits an den smarten Klimageräten der Zukunft gearbeitet, die sich selbst regeln und den Energieverbrauch weiter optimieren. 

Euroclima will weiterhin organisch wachsen. Die Voraussetzungen dafür sind geschaffen. Entscheidend wird sein, genügend Fachkräfte für einen Industriebetrieb zu gewinnen, der von Osttirol aus weltweit für gute Luft sorgt.

Weitere Informationen unter: www.euroclima.com

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