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Person mit Brillen und in weißem Laborkittel blickt durch Glasscheibe auf Roboterarm mit blauem Laserlicht
© Christian Vorhofer

Hightech stärkt den Standort

Tirols Produktionssektor behauptet sich in einem schwierigen Umfeld und baut seinen Anteil an der österreichischen Industrie weiter aus. Während bundesweit Rückgänge dominieren, tragen in Tirol Pharma, Maschinenbau und elektrische Ausrüstungen den Standort. Sorgen macht hingegen der Bau.

Lesedauer: 4 Minuten

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Aktualisiert am 25.02.2026

Der Tiroler Produktionssektor hat in den vergangenen 16 Jahren einen tiefgreifenden Strukturwandel vollzogen – und sich dabei als bemerkenswert resilient erwiesen. Während die österreichische Industrie 2024 und 2025 insgesamt mit Rückgängen konfrontiert war, stabilisierte sich Tirol auf hohem Niveau. Von Jänner bis Oktober 2025 erreichte die abgesetzte Produktion 13,424 Milliarden Euro, der Anteil am Bundeswert stieg auf 7,7 %. Der höhere Anteil resultiert aus einem nominellen Zuwachs von rund 10,3 % in Tirol.

„Der Tiroler Produktionssektor bildet ein wesentliches Rückgrat unserer regionalen Wirtschaftskraft und hat einen tiefgreifenden Transformationsprozess durchlaufen“, betont WK-Präsidentin Barbara Thaler. Tatsächlich ist die Entwicklung weniger durch reines Mengenwachstum als durch eine qualitative Verschiebung geprägt: weg von energieintensiven, zyklischen Bereichen – hin zu hochtechnologischen, forschungsintensiven Sparten.

Drei Wachstumsmotoren mit internationalem Profil

Besonders deutlich zeigt sich dieser Wandel in drei Branchen: Pharma, Maschinenbau und elektrische Ausrüstungen. Sie führen seit Jahren die Dynamik an und prägen die industrielle Struktur des Landes maßgeblich. Seit 2008 legte die pharmazeutische Industrie um 138,5 % zu. Allein in den ersten zehn Monaten 2025 wurde mit über 3 Milliarden Euro bereits das Niveau des gesamten Vorjahres deutlich übertroffen. Tirol hat sich damit als führender Standort für Antibiotika und Biopharmazeutika etabliert. Investitionen von über 500 Millionen Euro bis 2026 unterstreichen die langfristige Perspektive. Mit einer Forschungsquote von rund 2,8 % des BIP zählt Tirol zudem zur nationalen Spitze.

Der Maschinenbau verzeichnete seit 2008 sogar ein Wachstum von 174,6 %. Charakteristisch sind mittelständische Betriebe mit hoher Spezialisierung und starker Exportorientierung. Auch die Branche der elektrischen Ausrüstungen hat sich als tragende Säule etabliert. Seit 2008 stieg die Produktion um 71,3 %. Treiber sind Automatisierung, Digitalisierung und die Energiewende. Die Nachfrage nach intelligenten Steuerungen, energieeffizienten Systemen und nachhaltigen Lösungen sorgt für stabile Perspektiven. 

Der Tiroler Produktionssektor bildet ein wesentliches Rückgrat unserer regionalen Wirtschaftskraft und hat einen tiefgreifenden Transformationsprozess durchlaufen.


Hidden Champions in Nischenmärkten

„Unsere Betriebe sind vielfach Hidden Champions: hoch spezialisiert und erfolgreich in internationalen Nischenmärkten. Genau diese Struktur macht Tirols Industrie widerstandsfähig“, erklärt Spartenobmann Karlheinz Wex. Die Fähigkeit, kundenspezifische Lösungen anzubieten, schützt vor dem harten Preiswettbewerb standardisierter Massenprodukte. Ein Blick auf die Gesamtentwicklung zeigt: Seit 2015 wuchs der Umsatz deutlich, während die Beschäftigtenzahl weitgehend stabil blieb. Automatisierung und Digitalisierung haben zu einem spürbaren Produktivitätssprung geführt. Dieses Muster unterscheidet Tirol von stärker automobilabhängigen Industrieregionen. Der diversifizierte Branchenmix reduziert die Anfälligkeit gegenüber einzelnen Konjunkturzyklen.

Strukturprobleme in traditionellen Bereichen

Der Strukturwandel verläuft jedoch nicht für alle Branchen reibungslos. Die Bauwirtschaft steht vor großen Herausforderungen. Zwar weist sie seit 2008 nominelles Wachstum auf, doch seit 2023 ist eine deutliche Abkühlung spürbar. Hohe Zinsen, strengere Kreditvergaberichtlinien und der Einbruch der privaten Bautätigkeit belasten vor allem den Hochbau. „Die Bauwirtschaft bleibt weiterhin unser Sorgenkind“, hält Thaler fest. Angesichts der Bedeutung des Sektors für Beschäftigung und regionale Wertschöpfung ist dies mehr als eine konjunkturelle Randnotiz. Auch die Glasindustrie steht unter Druck. Zwischen 2008 und 2024 ging die abgesetzte Produktion nominell um 4,1 % zurück.

Real bedeutet dies angesichts der Inflation einen erheblichen Wertverlust. Explodierende Energiekosten und verschärfter globaler Wettbewerb belasten die energieintensive Branche. Die Metallerzeugung wiederum zeigt eine moderate Entwicklung. Zwar stieg der Umsatz seit 2008 deutlich, bleibt jedoch hinter der Dynamik der Hightech-Sparten zurück. Schwankende Rohstoffpreise, hohe Energiekosten und die Schwäche der deutschen Automobilindustrie wirken dämpfend.

Strategie beschlossen – Umsetzung gefordert

Vor diesem Hintergrund kommt der Industriestrategie besondere Bedeutung zu. „Die Industrie-Strategie ist ein Schritt in die richtige Richtung – etwa beim Thema Energie“, betont Wex. „Jetzt zählt die Umsetzung: Unsere Betriebe brauchen rasch Planungssicherheit, wettbewerbsfähige Kosten und verlässliche Rahmenbedingungen, damit industrielle Wertschöpfung und Arbeitsplätze im Land gesichert bleiben.“

Unsere Betriebe brauchen rasch Planungssicherheit, wettbewerbsfähige Kosten und verlässliche Rahmenbedingungen, damit industrielle Wertschöpfung und Arbeitsplätze im Land gesichert bleiben.

Für Tirols Unternehmer:innen ist klar: Der Transformationsprozess ist weit fortgeschritten, aber nicht abgeschlossen. Die Hightech-Sektoren bilden stabile Anker. Gleichzeitig erfordert der Umbau traditioneller Branchen gezielte Unterstützung, Investitionen in Innovation und eine Standortpolitik, die Wettbewerbsfähigkeit sichert. Der Produktionssektor bleibt damit nicht nur Rückgrat der regionalen Wirtschaftskraft – er ist auch Gradmesser für die Zukunftsfähigkeit des Standorts Tirol.

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