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Lehrbeauftragter Roland Müller und Lehrling Carina arbeiten seit zweieinhalb Jahren zusammen und sind mittlerweile ein eingeschweißtes Team.
© WK Tirol

Hoch hinaus in der Seilbahntechnik – auch als Frau

Wenn in Serfaus morgens die ersten Gondeln über die Stützen gleiten, ist das für Gäste Routine. Für jene, die dahinterstehen, beginnt der Tag schon früher: Bevor der erste Skifahrer einsteigt, wurden Anlagen kontrolliert, Seile geprüft, sicherheitsrelevante Abläufe durchgegangen.

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Aktualisiert am 16.04.2026

Carina ist Teil dieses Systems. Sie ist 25 und steht kurz vor ihrer Lehrabschlussprüfung zur Seilbahntechnikerin – in einem Beruf, in dem Frauen noch immer die Ausnahme sind. Seit 2009 bildet die Seilbahn Komperdell GmbH Lehrlinge in der Seilbahntechnik aus. Von 36 Absolvent:innen waren bisher nur zwei Frauen – Carina ist die dritte.

Verantwortung statt Routine

„Es gibt keinen typischen Arbeitstag. Jeder Tag ist anders“, sagt sie. Nach zweieinhalb Jahren Ausbildung kennt sie Revisionen ebenso wie Wartungen, Fahrdienst oder Beschneiung. Die Lehre ist praxisnah aufgebaut: Im ersten Jahr stehen Grundlagen wie Werkzeugkunde und Sicherheitsvorschriften im Mittelpunkt, danach geht es rasch hinaus an die Anlagen. Zuschauen reicht nicht.

Verantwortung wird früh übertragen.

Und Verantwortung ist hier wörtlich zu nehmen. Arbeiten im Montagekorb in 30 oder 40 Metern Höhe, Kolleg:innen an der Stütze positionieren, Abläufe abstimmen – das erfordert Konzentration und Vertrauen ins Team.

Roland Müller, seit 2010 im Betrieb und heute Lehrlingsbeauftragter, formuliert es sachlich: „Arbeiten in dieser Höhe darf man nicht unterschätzen. Man muss schwindelfrei sein und sich aufeinander verlassen können.“

In Serfaus sammeln Lehrlinge von Beginn an praktische Erfahrung und werden früh an die Anlagen herangeführt. <br />
© WK Tirol In Serfaus sammeln Lehrlinge von Beginn an praktische Erfahrung und werden früh an die Anlagen herangeführt.

Dass diese Verantwortung von außen oft anders wahrgenommen wird, hat Carina selbst erlebt. Ein Kind fragte sie kürzlich, ob sie dafür bezahlt werde, den ganzen Tag Leute zum Lift zu schieben. „Ich habe dann erklärt, dass ich viel Verantwortung trage, für den Lift und alle, die ihn benutzen. Da hat die Kleine nicht schlecht gestaunt“, schmunzelt sie.

Der Umweg zur Technik

Aufgewachsen im Ruhrgebiet, verbrachte Carina viele Urlaube in Serfaus. Schon als Kind sagte sie, sie wolle später hier arbeiten. Nach dem Abitur begann sie zunächst ein Studium der Sonderpädagogik. Die Idee verschwand nicht, aber sie trat in den Hintergrund. 

Erst als sie wieder nach Serfaus kam, entdeckte sie ihr technisches Interesse neu. „Ich habe gemerkt, dass mich die Technik viel mehr reizt, als ich dachte.“
Dass sie sich damit für einen männlich dominierten Beruf entschied, spielte für sie zunächst keine große Rolle. Im Betrieb selbst habe sie keinen Unterschied gespürt. „Mir wurde nie etwas verwehrt. Ich durfte alles ausprobieren.“

Bei der Revision zählen Genauigkeit, technisches Verständnis und ein hohes Maß an Verantwortungsbewusstsein.<br />
© WK Tirol Bei der Revision zählen Genauigkeit, technisches Verständnis und ein hohes Maß an Verantwortungsbewusstsein.

Spürbarer sei es in der Berufsschule. Dort falle sie als Frau stärker auf. Die Zahlen der Komperdell Seilbahn zeigen, dass das kein Zufall ist: Drei Frauen in 15 Jahren wurden hier ausgebildet, obwohl es an sich keine formalen Barrieren gibt. Der Beruf ist jedoch körperlich fordernd, sicherheitsrelevant und technisch komplex. Das sind Eigenschaften, die nach wie vor stärker mit Männern assoziiert werden.

Ein Ort für Multitalente

Als Carina ihre Lehre begann, konnte sie nicht Ski fahren. Für einen Einsatz an einem Lift mit Skibetrieb brachte sie sich den Sport kurzerhand selbst bei. Heute fährt sie sicher und nutzt den österreichweiten Mitarbeiterpass, um mit Kolleg:innen andere Skigebiete zu besuchen. Hier wird sichtbar, was Carina unter Leidenschaft versteht: „Wir schauen uns andere Seilbahnen an und tauschen uns über die Technik aus.“

Seilbahntechnik bedeutet nicht nur Wartung. Gerade im Winter arbeiten Lehrlinge auch im Fahrdienst und stehen im direkten Kontakt mit Gästen. In Stoßzeiten braucht es Ruhe und klare Kommunikation. Gute Englischkenntnisse sind Voraussetzung. 

Arbeiten auf 2000 Metern Höhe bedeutet Kälte und Schnee, aber auch einen außergewöhnlichen Arbeitsplatz.
© WK Tirol Arbeiten auf 2000 Metern Höhe bedeutet Kälte und Schnee, aber auch einen außergewöhnlichen Arbeitsplatz.

So attraktiv ist Seilbahntechnik

Die Seilbahntechnik zählt zu den bestbezahlten technischen Lehrberufen in Österreich. Neben der Entlohnung bietet der Betrieb Unterkunft, Verpflegung, Arbeitskleidung, Shuttle und die kostenfreie Nutzung der Anlagen.

Vom allgemeinen Fachkräftemangel bleibt auch diese Branche nicht verschont. In der Seilbahntechnik ist das Interesse an Lehrstellen derzeit hoch, die Ausbildungsplätze sind bis in den Herbst vergeben. Müller betont die Entwicklungsmöglichkeiten: „Man kann als Lehrling beginnen und sich bis zum Betriebsleiter weiterentwickeln.“

Carina denkt bereits weiter. Sie möchte später selbst Lehrlinge ausbilden. Gute Betreuung habe für sie einen Unterschied gemacht – fachlich wie menschlich.
Seilbahntechnik ist kein lauter Beruf. Er ist präzise, verantwortungsvoll und fordernd. Dass Frauen hier noch immer selten sind, erklärt sich Carina mit fehlender Repräsentation und unzureichender Aufklärung, ein Bild, das sich langsam verändert. Carina zeigt, Kompetenz ist keine Frage des Geschlechts, auch nicht in technischen Berufen.

Weitere Informationen: www.serfaus-fiss-ladis.at

Hinweis
Was ist der Girls’ Day?

Der Girls’ Day ist ein internationaler Aktionstag und findet jährlich am vierten Donnerstag im April statt. Schülerinnen besuchen Unternehmen und Bildungseinrichtungen und erhalten Einblicke in technische, naturwissenschaftliche und handwerkliche Berufe. Ziel ist es, neue Perspektiven zu eröffnen und Mädchen für Bereiche zu gewinnen, in denen Frauen bislang unterrepräsentiert sind. 

https://girlsday-tirol.at
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