Inklusion am Arbeitsmarkt: Klare Haltung, starke Effekte
Inklusion ist ein Gewinn für Menschen und Unternehmen. Das NEBA-Betriebsservice Tirol begleitet Betriebe, baut Hürden ab und schafft Chancen.
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Man tut nichts Gutes, sondern beschäftigt Menschen mit guten Skills und Qualifikationen, die eine Besonderheit haben. Wenn ich Personen mit Beeinträchtigungen beschäftige und richtig einsetze, dann habe ich eine super gute Fachkraft“, sagt Bernhard Achatz. In nur zwei Sätzen bringt der Leiter der WK Tirol-Abteilung Arbeits- und Sozialrecht die Chancen und Möglichkeiten auf den Punkt, die in der gelebten Inklusion am Arbeitsmarkt stecken. Nicht selten schlummern sie dort eher, weil Unternehmerinnen und Unternehmer der Beschäftigung von Arbeitnehmer:innen mit Behinderungen, chronischen oder psychischen Erkrankungen skeptisch bis zurückhaltend und sogar ein wenig ängstlich gegenüber stehen. „Dabei lassen sich diese Bedenken leichter aus der Welt schaffen, als man meinen würde“, weiß Achatz.
Der WK-Experte weist gleich zu Beginn auf den deutlich gelockerten Kündigungsschutz hin, der auf viele Dienstverhältnisse gar nicht mehr anwendbar ist, und lenkt den Blick gerne hin zu jenen Tiroler Unternehmen, für die Inklusion etwas so tiefgreifend Positives wie Nachhaltiges ist und die diesbezüglich als Vorbilder dienen: „Mit dem Tiroler Gütesiegel Wir sind inklusiv werden von der Tiroler Landesstelle des Sozialministeriumservice seit 2015 Unternehmen aller Branchen und Größen ausgezeichnet, die Arbeitnehmer:innen mit Beeinträchtigungen beschäftigen.“
„Wir sind inklusiv“-Gütesiegel
Diese österreichweit einzigartige Auszeichnung, die unter Federführung der Tiroler Sozialministeriumservice-Leiterin Angelika Alp-Hoskowetz zu einem breitenwirksamen Preis mit Signalwirkung wurde, wird jedes Jahr im Frühjahr vergeben. Ab sofort übernimmt die WK Tirol die Organisation der Wiederverleihung des Gütesiegels und wird die Auszeichnungen schon im Frühjahr 2027 in Kooperation mit dem Sozialministeriumservice vergeben. Dessen Leiterin, Angelika Alp-Hoskowetz, betont: „Viele Unternehmen wissen gar nicht, welche Unterstützungen, Förderungen und Hilfestellungen es in dem Bereich gibt. Die Vorbildwirkung des Gütesiegels ist meiner Meinung nach sehr wichtig, weil die ausgezeichneten Unternehmen zeigen, dass und wie es geht. Sie verfügen über wertvolle Erfahrungen, von denen auch andere Betriebe profitieren können.“
Die aus arbeitsmarktpolitischen Akteur:innen, Sozialpartner:innen, Interessensvertretungen und lokalen Medien zusammengesetzte Jury, ließ im März 2025 beispielsweise den Biohof Lumperer (Fritzens), die CSD Informations-Technologie GmbH (Lans), die Gebrüder Weiss GesmbH Tirol (Hall), L´Osteria Innsbruck, die Raiffeisen-Landesbank Tirol AG oder die Objektbetreuung Löffler KG (Innsbruck) erstmals vor den Vorhang treten, um die Auszeichnung für ihr inklusives Engagement in der Villa Blanka entgegen zu nehmen. Der auszugsweise Querschnitt der Neuausgezeichneten zeigt, dass Unternehmen jeder Branche und Betriebsgröße dafür infrage kommen, Mitarbeitende mit Besonderheiten zu beschäftigen und davon zu profitieren. Ziel der Neuausgezeichneten ist es wohl, nach drei Jahren zu den Wiederausgezeichneten zu zählen und damit zu jenen Tiroler Unternehmen, für die das Gütesiegel Teil der Unternehmensphilosophie und -strategie geworden ist.
Umfassende Begleitung
„Diese Auszeichnung ist auch besonders wichtig für das Employer-Branding. Für jede fünfte jobsuchende Person ist es wichtig, dass das Unternehmen, für das sie in Zukunft arbeiten, inklusiv ist. Das ist für das Recruiting in der Kommunikation nach außen mittlerweile ein wichtiges Thema“, stellt Bernhard Grauss fest. Grauss ist Key Account Manager beim gemeinnützigen Unternehmen innovia und arbeitet als Inklusionsberater beim NEBA-Betriebsservice, der zentralen Anlaufstelle für Unternehmen, wenn es um Arbeitsplätze für Menschen mit Behinderungen und Einschränkungen geht.
„Die Arbas Tirol betreut den klassischen KMU-Bereich bis 18 Mitarbeitende. Wir – also ich und meine zwei Kolleginnen beim NEBA-Betriebsservice – begleiten die größeren Betriebe bei allen Fragen der beruflichen Teilhabe und Inklusion“, erklärt Grauss die Funktion des Betriebsservice, das eng vernetzt ist mit allen Tiroler Einrichtungen beziehungsweise Inklusionsfachdiensten, die sich um die Personen beziehungsweise Klient:innen kümmern: „Wir sind eine Drehscheibe zwischen den Unternehmen und der sozialarbeiterischen Welt.“
Diese essenzielle Brückenfunktion erfüllt das NEBA-Betriebsservice auf allen Ebenen der auf Unternehmen und ihre Prozesse konzentrierten Beratungsarbeit. „Die erste Frage, die sich die Unternehmen und die Betriebe stellen, ist, wie kann ich mein Unternehmen so aufzustellen, dass Inklusion nicht nur am Papier oben steht, sondern dass wirklich auch gelebt wird“, weiß Grauss. In größeren Unternehmen kann die konkrete Beantwortung dieser Frage durchaus einen längeren Prozess darstellen und neben Inklusionsstrategien auch das von Grauss bereits angesprochene Employer Branding betreffen.
Erstaunliche Zahlen
Die NEBA-Beraterinnen greifen dabei nicht nur auf ihre sozialarbeiterischen, sondern auch wirtschaftlichen Ausbildungen zurück und sie können die Unternehmen dort abholen, wo sie abgeholt werden wollen. „Unser Anspruch beziehungsweise unser Vorgehen, wenn wir dürfen, ist immer so, dass wir zuerst sehr gerne die Führungskräfte sensibilisieren und dann mit ihnen gemeinsam die Strategien entwickeln, damit zum Beispiel eine Einstellung funktioniert“, so Grauss.
Das NEBA-Sensibilisierungs-Portfolio enthält eine große Vielfalt an Inputs, Fachvorträgen, Workshops in allen Formaten und zu allen Themen. Dazu zählen beispielsweise auch Informationsangebote, die sich mit „der Diagnose Krebs“ beschäftigen und damit, wie Betriebe die betroffenen Personen begleiten oder wieder eingliedern können. „Der Großteil der Behinderungen ist ja nicht sichtbar. Neueste Statistiken sprechen davon, dass knapp ein Viertel aller Personen, die im Arbeitsleben sind oder waren, sich im Laufe ihres Arbeitslebens einmal eine Einschränkung zuziehen“, erklärt Grauss.
Die Zahlen, die der Experte anspricht, werfen ein gesellschaftspolitisch wie ökonomisch noch größeres Schlaglicht auf das Thema Inklusion. Über 18 Prozent der österreichischen Bevölkerung leben mit einer Behinderung. Inklusion am von Mitarbeitersuche geprägten Arbeitsmarkt ist also alles andere als ein Nischenthema und betrifft eben auch Krankheitsbilder, die im ersten Moment nicht „am Radar“ erscheinen. „Viele Unternehmen buchen Expert:innen oder Workshops zu den Themen Krebs, psychische Belastungsstörungen, Burnout oder Long Covid. Für diese Präventionsmaßnahmen oder auch Wiedereinstellungsfragen nach schwerer Krankheit stehen wir mit unserem Beratungsangebot genauso zur Verfügung, wie für alle Fragen zur Einstellung von Personen mit Einschränkungen“, sagt Grauss, der die inklusionsbereiten Unternehmen regelrecht an der Hand nimmt, um sie inklusionsfit zu machen, die umfangreichen Fördermöglichkeiten für bestehende oder neue Arbeitsverhältnisse sowie Arbeitsplätze oder Hilfsmittel zu nutzen und ihnen aufzuzeigen, welche Chancen in der Inklusion stecken.
Die geringeren Kosten für die Ausgleichstaxe werden dabei fast schon nebensächlich. Bekannt und bewiesen ist beispielsweise, dass die Ideenfindung in einem inklusiven Team besser gelingt, Menschen mit Beeinträchtigung sehr loyale Mitarbeitende sind und das Betriebsklima ebenso positiv befeuern wie die ESG-Kennzahlen. „Das ist nicht nur eine sozial-moralisch-ethische Geschichte“, betont Bernhard Grauss, „wenn man es richtig und gut macht, ist es immer ein Gewinn. Auch aus wirtschaftlicher Sicht.“
Weitere Informationen: www.innovia.at
Mit dem Gütesiegel „Wir sind inklusiv“ zeichnet das Sozialministeriumservice Landesstelle Tirol Privatbetriebe, öffentliche Institutionen und soziale Dienstleistungsunternehmen aus, die Arbeitnehmer:innen mit Behinderungen und chronischen Erkrankungen chancengleich
beschäftigen bzw. ausbilden.
Die wiederausgezeichneten Unternehmen 2026 - 2028:
EZEB-Brot Vertriebsges.m.b.H., Fügen
PLAION GmbH, Höfen
Gesundheits- und Sozialsprengel Pillersee, Fieberbrunn
Sandoz GmbH, Kundl
Sozialzentrum Pillerseetal, Fieberbrunn
Heinritzi Gastronomie GmbH, Zams
Heinritzi Restaurant GmbH, Schönberg im Stubaital
Sport & Vital Hotel Seppl****, St. Leonhard im Pitztal
J. u. A. Frischeis GmbH (JAF), Kramsach
Stadtgemeinde Schwaz, Schwaz
Komm!unity - Verein zur Förderung der Jugend-, Integrations- und Gemeinwesenarbeit, Wörgl
STASTO Automation KG, Innsbruck
Löwe-Bär Hotels GmbH, Serfaus
Syncraft GmbH, Schwaz
Nocker-Metallbau GmbH, Navis
Tirolack Berghofer GmbH, Schwaz
Novartis Pharmaceutical Manufacturing GmbH, Langkampfen/Schaftenau
Universität Innsbruck, Innsbruck
Die wiederausgezeichneten Unternehmen 2025 - 2027:
Aristos Druckzentrum GmbH, Hall
AufBauWerk Unternehmen für junge Menschen, Innsbruck
Bellutti GmbH, Innsbruck
Carl Alois Walde GmbH & Co KG, Innsbruck
DAKA Entsorgungsunternehmen GmbH & Co KG, Schwaz
Dinkhauser Kartonagen GmbH, Hall
GreenPrint Osttirol e.U., Ainet
Gutmann GmbH, Innsbruck
Haus St. Josef am Inn GmbH, Innsbruck
innovia gem GmbH, Innsbruck
INTERSPAR GesmbH DEZ, Innsbruck
Medizinprodukteaufbereitung Tirol GmbH, Zirl
NEUE HEIMAT TIROL Gemeinnützige WohnungsGmbH, Innsbruck
OBI Bau- und Heimwerkermärkte Systemzentrale GmbH, Filiale Vomp
Reha Zentrum Münster Betriebs GmbH, Münster
Soziale Einrichtungen der Barmherzigen Schwestern Zams Betriebs GmbH, Zams
Stadtmagistrat, Innsbruck
STIHL Tirol GmbH, Langkampfen
STIMPFL Textile Care GmbH, Flaurling
Tiroler Landestheater und Orchester GmbH, Innsbruck
W.I.R. gemeinnützige GmbH, Hall