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Vier Personen stehen nebeneinander im Freien vor einer Berglandschaft. Die Personen haben die Arme teilweise umeinander gelegt und blicken lächelnd in die Kamera. Sie tragen Freizeitkleidung.
© Sport Patscheider

Patscheider Sport Serfaus: Pulsierende Ideenschmiede

Die Geschichte des touristischen Genussgebietes Serfaus ist so eng mit der Geschichte des Unternehmens Patscheider Sport verbunden, dass die eine ohne die andere nicht denkbar scheint. 50 Jahre lang hat Franz Patscheider mit seinen Ideen überzeugt. Zuletzt mit der Check Box, die im Dezember 2025 mit dem ISPO InnovationAward ausgezeichnet wurde. Seit zwei Jahren steht die dritte Generation an der Spitze des Familienunternehmens und Geschäftsführerin Pia Patscheider fasst die Erfolgsformel so kurzwie knapp zusammen: „Potenziale sehen und optimieren.“

Lesedauer: 6 Minuten

Aktualisiert am 05.02.2026

Wie heißt es so schön? Besondere Umstände erfordern besondere Maßnahmen. Das stimmt für viele Bereiche oder Situationen des Lebens – überall auf der Welt und auch in Serfaus, dieser auf 1.400 Metern Seehöhe gelegenen Tiroler Gemeinde im Oberen Gericht.

Besonders ist ziemlich viel „da oben“. Die Sonnenstunden etwa, die der diesbezüglich beneidens­wert begünstigt gelegenen Ebene den Namen Sonnenterrasse geben. Die Sonnenterrasse teilt sich Serfaus mit den Orten Fiss und Ladis, das sonnige Dörfer-Trio bildet die gemeinsame Tourismusregion „Serfaus-Fiss-Ladis“, und auch im Zusammenhang mit Tourismus sticht Serfaus ganz besonders heraus.

Um der in den 1970er-Jahren stark und immer stärker wachsenden Gästeschar verkehrstechnisch Herr zu werden, war dort im Jahr 1985 die kleinste, höchstgelegene, auf Luftkissen schwebende U-Bahn der Welt eröffnet worden, mit der seit ihrer Rundum-Erneuerung im Jahr 2019 bis zu 3.000 Personen pro Stunde flüsterleise vom Dorf zur Talstation der Seilbahn Komperdell gebracht werden.

Touristischer Taktgeber

„Das bedeutet, dass alle sieben bis acht Minuten rund 400 Menschen bei der Talstation ankommen“, zeichnet Franz Patscheider ein so lebendiges wie infrastrukturell ziemlich herausforderndes Bild des Serfauser Alltages in der Wintersaison.

Franz Patscheider ist so etwas wie ein Serfauser Urgestein. Für den mit Entrepreneur-Energie gesegneten, seit seiner Kindheit mit Skiern regelrecht verwachsenen und tief in die Serfauser Tourismusgeschichte verwurzelten, noch 66-Jährigen war dieser prosperierende Serfauser Ski-Alltag über viele Jahre unternehmerischer Taktgeber.

In seinen 50 Jahren an der Spitze von Patscheider Sport verwirklichte Franz Patscheider in erstaunlichem Rhythmus Meilenstein um Meilenstein – für das Familienunternehmen genauso wie für seinen Heimatort. Der jüngste Streich zeigt recht eindrücklich, dass das Wort Meilenstein keine wohlwollende Überspitzung und die erfolgreiche Unternehmensentwicklung von der des gastfreundlichen Ortes nicht zu trennen ist.

Als im Dezember 2023 die neue Komperdellbahn eröffnet wurde, öffnete an ihrer Talstation auch das neue CheckIn von Patscheider Sport erstmals seine Pforten – für 3.000 in den Hang gebaute und überraschend clever genutzte Quadratmeter.

„Es kommt vor, dass nicht nur 400, sondern 500 Leute zur gleichen Zeit zur Talstation kommen. Ich wollte ein System entwickeln, das es ihnen ermöglicht, so schnell, unkompliziert und bequem wie möglich zu ihrer Ausrüstung und auf die Piste zu kommen“, erzählt Franz Patscheider.

Vier Personen stehen nebeneinander im Freien vor einer Berglandschaft. Die Personen haben die Arme teilweise umeinander gelegt und blicken lächelnd in die Kamera. Sie tragen Freizeitkleidung.
© Sport Patscheider Familienunternehmen mit Weitblick. Franz Patscheider (l.) mit Pia und Eva Patscheider sowie Helmut Dollnig – die Erfolgsgeschichte von Patscheider Sport prägt seit 50 Jahren das touristische Genussgebiet Serfaus.

Ausgezeichnet clever

Alle Wintersportbegeisterten kennen das „Gepackel und Gewurstel“ mit Skischuhen, Handschuhen, Stöcken, Helmen und Skiern, das sich mit Kindern potenziert und die Nerven durchaus strapaziert. Alle Wintersportbegeisterten kennen auch kalte Füße als unangenehme Begleiterinnen eines sonst prächtigen Pistentages.

Was die Wintersportbegeisterten vor der Eröffnung des Check-in nicht kannten, war das innovative Sahnehäubchen, mit dem sich diese räumlich großzügige, durch persönlichen Service der mit rund 50 Patscheider-Sport-Mitarbeitenden „menschelnde“ Kombination aus digitalem Service, Skidepot, Ski- und Snowboard-Servicecenter sowie Shop von allen anderen Depots dieser Art zudem unterscheidet.

Eine kompakte, graue Aufbewahrungsbox mit Tragegriff ist freigestellt vor hellem Hintergrund dargestellt. An der Seite ist eine Werbefläche mit Text und Bild angebracht.
© Sport Patscheider<br /> Effizient, innovativ, ausgezeichnet: Die Check Box von Patscheider Sport revolutioniert den Verleihprozess – als intelligente Schnittstelle zwischen digitalem Check-in und persönlichem Service, prämiert mit dem ISPO Innovation Award 2025. Als patentierte Weltneuheit bietet sie Platz für die komplette persönliche Ausrüstung und sorgt dank integriertem Induktionssystem für sichere Aufbewahrung sowie das Trocknen und Wärmen von Ski- und Freizeitschuhen.

„Wir sagten, wir brauchen eine Lösung für Helm, Handschuhe und Skischuhe“, sagt Franz Patscheider. Zusammen mit guten, technisch so versierten wie einfallsreichen Freunden hat er mit diesem Ziel vor Augen getüftelt – und heraus kam die Check Box, eine Weltneuheit, deren innovativer Ansatz im Dezember 2025 in München mit dem ISPO Innovation Award ausgezeichnet wurde.

Clou der mit dem Award geadelten Check Box ist nicht nur, dass darin Helm, Brille, Schuhe und Handschuhe Platz finden. Ein integriertes High-Tech-Induktionssystem sorgt dafür, dass der Inhalt über Nacht getrocknet und die Straßenschuhe tagsüber gewärmt werden.

Die Ausgabe der Box erfolgt in Windeseile am Depot-Counter, und Franz Patscheider weiß: „Wir sind jetzt in der dritten Saison. Es funktioniert richtig gut. Über Weihnachten hatten wir über 4.000 Boxen belegt. Es ist ein Projekt fürs ganze Dorf – das freut mich viel mehr als die Auszeichnung.“

Ein moderner Innenraum mit einem großen Check-in-Tresen aus Holz. Über dem Tresen hängen geometrisch angeordnete Leuchtelemente. Im Hintergrund sind weitere Servicebereiche und Beschilderungen zu sehen.
© Sport Patscheider

Professioneller Übergabeprozess

Das herausragende innovations- und investitionsintensive Bauprojekt an der Komperdellbahn-Talstation war Franz Patscheiders letzter großer Streich als Geschäftsführer von Patscheider Sport.

„Vor zwei Jahren habe ich den Bauernhof mit den Hochlandrindern an unsere Tochter Eva und die Firma an unsere Tochter Pia übergeben, die das im Winter rund 120 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter beschäftigende Unternehmen zusammen mit Helmut Dollnig leitet“, sagt Franz Patscheider stolz – und hält mit Augenzwinkern fest: „Meine Frau Gretl leitet ja die Geschäfte des Fliesen Center Tirol, und ich bin jetzt irgendwo zwischendrin – als Aushilfskellner oder Hausmeister, was immer gebraucht wird.“

Dass seine Töchter die unternehmerischen Familientraditionen auf allen Ebenen weiter- beziehungsweise mit ihren Ideen in die Zukunft führen, dürfte ihm den Abschied von der Unternehmensspitze, dem ein rund zehn Jahre dauernder und professionell begleiteter Prozess vorausgegangen ist, leichter machen. Gut möglich, dass sich eine Art Ski-Gen bereits in der DNA der Familie nachweisen lässt.

Um nach dem viel zu frühen Tod seines Vaters Ende der 1970er-Jahre in das als „Serfauser Kaufhäusl“ gegründete Geschäft einzusteigen und seine Mutter Isolde zu unterstützen, hatte Franz Patscheider eine vielversprechende Karriere als Skirennläufer aufgegeben. „Ich war einer der ersten Skihauptschüler in Neustift, war österreichischer Jugendmeister und habe zum Schluss noch mit Franz Klammer mittrainieren dürfen“, erzählt er.

Auch seine Töchter haben die Skihauptschule Neustift besucht. „Wir sind auch Rennen gefahren, und meine Schwester Eva war im Freestyle-Skiing richtig erfolgreich unterwegs. Das steckt uns im Blut“, weiß Pia Patscheider, die die Lehre im Familienbetrieb absolviert und mit der Eröffnung des Snowboard-Shops in Serfaus im Jahr 2011 früh schon ihr Talent unter Beweis gestellt hat. „Das war schon eine besondere Herausforderung“, sagt sie zu dieser Chance, die sie zu nutzen verstand.

Aktuell arbeitet Pia Patscheider daran, das neu gebaute „Check-in“ für umfangreiche Bike-Services im Sommer zu adaptieren. „Da können wir unser Know-how und unsere Infrastruktur nutzen. Die Sommersaison und das Biken werden ja immer wichtiger“, sagt sie und fasst die Erfolgsformel des Familienunternehmens so kurz wie knapp zusammen: „Potenziale sehen und optimieren.“

Ja, besondere Umstände erfordern besondere Maßnahmen. Und besondere Unternehmer:innen.




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