Tirol profitiert spürbar vom Kanada-Abkommen
Seit 2017 haben sich die Ausfuhren nach Kanada mehr als verdoppelt, beim Verhältnis von Exporten und Importen steht es 8 : 1 für Tirol. Eine Analyse zeigt, wie Handelsabkommen die regionale Wirtschaft beleben. Freihandel ist klar die bessere Strategie als Abschottung.
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Die aktuelle Debatte rund um mögliche Freihandelsabkommen erinnert an die Auseinandersetzungen im Vorfeld von CETA, dem Handelsabkommen mit Kanada. Auch vor rund 10 Jahren gab es Befürchtungen, dass Europa und Österreich mit billigen Importprodukten überschwemmt würden und dadurch regionale Wirtschaftskreisläufe unter Druck geraten könnten. Die nun vorliegenden Daten seit der vorläufigen Anwendung von CETA im Jahr 2017 zeigen jedoch ein völlig anderes Bild. CETA hat Zölle abgebaut, Verfahren vereinfacht und den Marktzugang erleichtert. Gerade für kleinere und mittlere Betriebe wurde der Handel damit planbarer und günstiger. Das belegt schon der Blick auf die gesamtösterreichische Bilanz. Diese ist klar positiv: Im Jahr 2024 beliefen sich die österreichischen Exporte nach Kanada auf 1,56 Milliarden Euro, während die Importe knapp 600 Millionen Euro erreichten.
8 : 1 für Tirol
Besonders ausgeprägt ist diese Erfolgsgeschichte in Tirol. Das zeigt sich an der Entwicklung der Handelsbeziehung mit Kanada in den letzten 10 Jahren: Während Tirol im Jahr 2016 Produkte im Wert von rund 56 Millionen Euro nach Kanada exportierte, waren es 2024 bereits 130 Millionen Euro. Die Exporte haben sich damit mehr als verdoppelt und stehen aktuell Importen von rund 16 Millionen Euro gegenüber. „Das ergibt ein Verhältnis von etwa 8:1 zugunsten der Tiroler Wirtschaft und damit einen Handelsbilanzüberschuss von 115 Millionen Euro“, betont Barbara Thaler, Präsidentin der Wirtschaftskammer Tirol. Es fließt also deutlich mehr Geld nach Tirol, als für Importe abwandert – das stärkt Betriebe und Beschäftigung vor Ort. „Diese Fakten sprechen eine klare Sprache: Tirol gehört zu den Gewinnern von CETA“, unterstreicht die Präsidentin. Gerade hochwertige, spezialisierte Produkte aus Tirol sind in Kanada gefragt. Für die
Tiroler Wirtschaft hat sich damit Kanada vom Nischenmarkt zu einem stabilen Wachstumsmarkt entwickelt.
580 zusätzliche Arbeitsplätze
Eine Analyse mit dem Wertschöpfungs-Modell der österreichischen Standortanwälte verdeutlicht die Effekte für Betriebe und Beschäftigung: Durch das Handelsabkommen sind allein in Tirol 580 zusätzliche Arbeitsplätze entstanden. Damit verbunden sind jährlich 22 Millionen an Löhnen und Gehältern (netto) und 32 Millionen an Steuern und Sozialversicherungsbeiträgen. „Diese Zahlen machen deutlich: Außenhandel wirkt direkt auf Beschäftigung, Einkommen und öffentliche Einnahmen“, erklärt Stefan Garbislander, Chefvolkswirt der Wirtschaftskammer Tirol.
Abhängigkeiten reduzieren
Für die Wirtschaftskammer Tirol liefert diese Analyse wichtige Argumente in der aktuellen handelspolitischen Diskussion. Während das Mercosur-Abkommen noch in der Schwebe ist, wurde kürzlich ein Handelsabkommen mit Indien abgeschlossen, das messbare Vorteile für unseren Standort bringen wird: Nach einer Analyse der Uni-credit Bank Austria dürfte der Schulterschluss mit Indien ähnliche Beschäftigungszuwächse für Tirol auslösen wie CETA – vor allem in der Industrie, die frische Impulse dringend brauchen kann. „Die Daten zeigen klar: Die seinerzeit geäußerten Vorbehalte gegen CETA haben sich nicht bewahrheitet“, betont WK-Präsidentin Thaler. In geopolitisch unsicheren Zeiten müsse man sich breiter aufstellen und Abhängigkeiten reduzieren. „Mehrere Standbeine geben Halt – gerade dann, wenn der Wind rauer wird“, so Thaler abschließend.
Die österreichischen Exporte nach Kanada haben seit dem Start von CETA ein bemerkenswertes Wachstum
hingelegt.
Im Jahr vor der Einführung (2016) lagen die Exporte bei rund 977 Mio. Euro. Im Jahr 2024 erreichten sie über 1,56 Mrd. Euro. Das entspricht einer Steigerung der Exporte von +60 % im Vergleich zum Vor-CETA-Niveau (2016).
Die Daten zeigen deutlich, dass Tirol überdurchschnittlich vom kanadischen Markt profitiert. Die Kurve zeigt steil nach oben.
2016 exportierte Tirol Waren im Wert von rund 55,8
Mio. Euro. 2024 lag dieser Wert bei 131,6 Mio.
Euro. Tiroler Unternehmen haben ihre Exporte nach Kanada also mehr als verdoppelt. Die Importe aus Kanada nach Tirol sind dagegen auf auf einem sehr niedrigen Niveau geblieben (ca. 16,1 Mio. Euro in 2024).
Schlussfolgerung: Für die Tiroler Wirtschaft ist Kanada zu einem attraktiven Wachstumsmarkt geworden, der
weit mehr Geld in das Land bringt, als abfließt.