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Gemeinsam mit seiner „Fokusgruppe“ präsentierte Studienautor Heinz Herczeg die Ergebnisse der Tiroler Jugendstudie bei einer großen Veranstaltung in der Wirtschaftskammer Tirol. Eine Kernbotschaft dabei: Tirols Jugendliche sind motiviert, leistungsbereit und wollen ihre Zukunft aktiv gestalten.
© WK Tirol/ Die Fotografen

Tiroler Jugendliche sehen beste Chancen in der Lehre

Die duale Ausbildung hat bei jungen Tiroler:innen einen deutlich höheren Stellenwert als im österreichischen Durchschnitt. Die Analyse der Ergebnisse der Tiroler Jugendstudie zeigt, warum das so ist – und was zu tun ist, um diesen Vorsprung weiter auszubauen.

Lesedauer: 3 Minuten

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Aktualisiert am 22.04.2026

Mit der Tiroler Jugendstudie hat die Wirtschaftskammer Tirol erstmals einen detaillierten Blick auf die Einstellungen von 12- bis 17-Jährigen kurz vor ihrer Berufsentscheidung geworfen. Ziel war es, die Lebenswelten von Jugendlichen besser zu verstehen – und daraus konkrete Impulse für Berufsorientierung und Ausbildung abzuleiten.

Das Gesamtbild ist klar: Tirols Jugendliche sind leistungsbereit, motiviert und wollen ihre Zukunft aktiv gestalten. Gleichzeitig beschäftigen sie sich früher als im Österreichschnitt mit ihrer beruflichen Zukunft und legen großen Wert auf Sinn, ein gutes Umfeld und Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten. Ein Thema sticht in der Studie besonders hervor: die Lehre. Die Fachberufslehre hat in Tirol einen wesentlich höheren Stellenwert als im restlichen Österreich. Während bundesweit nur 12 % der 13- bis 15-Jährigen eine Lehre als beste Zukunftsoption sehen, sind es in Tirol 40 %. „Diese Zahlen zeigen, wie stark die duale Ausbildung in Tirol verankert ist“, betont WK-Präsidentin Barbara Thaler, „die Lehre ist ein zentraler Erfolgsfaktor für unseren Standort.“

Vollwertiger Bildungsweg

Die Gründe für dieses überdurchschnittliche Abschneiden sind vielfältig. Tiroler Jugendliche schätzen die Möglichkeit, früh eigenes Geld zu verdienen, sehen gute Chancen am Arbeitsmarkt und erkennen die persönliche Entwicklung, die mit einer praxisnahen Ausbildung verbunden ist. Gleichzeitig wird die Lehre nicht nur als Einstieg in die Arbeitswelt gesehen, sondern als vollwertiger Bildungsweg mit entsprechenden Perspektiven. „Tiroler Jugendliche wollen die Lehrberufe kennenlernen und praktisch erleben. Viele unserer Betriebe sind mit ihren Angeboten wie berufspraktischen Tagen, Praktika oder Schnupperlehren genau am richtigen Weg“, so Fachkräftekoordinator David Narr.

Auffällig ist auch, dass in Tirol Vorbehalte gegenüber der Lehre deutlich schwächer ausgeprägt sind als im Österreichschnitt. Zweifel am späteren Einkommen spielen eine geringere Rolle, ebenso wird der Übergang von der Schule in die Lehre weniger kritisch gesehen. Auch der Druck, mit guten Noten automatisch eine schulische Laufbahn einzuschlagen, ist in Tirol geringer. „Wir sind in Tirol in den letzten Jahren der Gleichwertigkeit von berufs­praktischen und schulischen Bildungswegen deutlich näher gekommen“, sagt Thaler, „es geht nicht darum, den einen Weg gegen den anderen auszuspielen – sondern Jugendlichen jene Ausbildung zu ermöglichen, die am besten zu ihren Talenten und Neigungen passt.“
Ein weiterer Aspekt: Rund 30 % der Tiroler Jugendlichen äußern Sorgen über die Auswirkungen von Künstlicher Intelligenz auf ihre berufliche Zukunft. Gerade hier kann die Fachberufslehre eine konkrete Antwort bieten. „Eine KI verlegt keine Heizungsrohre, deckt kein Dach und installiert keine Photovoltaik. Handwerkliche Berufe lassen sich nicht ersetzen“, so David Narr.

Handlungsbedarf bleibt

Trotz dieser positiven Ausgangslage bleibt Handlungsbedarf. „Wir dürfen uns auf diesen guten Ergebnissen nicht ausruhen“, betont Thaler, „jetzt geht es darum, die Lehre weiter zu stärken und noch sichtbarer zu machen.“ Entscheidend ist dabei vor allem eine noch frühere und flächendeckende Berufsorientierung an allen Schulen. Jugendliche wählen das, was sie kennen – deshalb braucht es mehr Einblicke, mehr Möglichkeiten zum Ausprobieren und eine klare Kommunikation der Chancen. Gleichzeitig appelliert der Fachkräftekoordinator an die Politik, den Lippenbekenntnissen zur Fachberufslehre Taten folgen zu lassen und bei der Verteilung öffentlicher Mittel die berufspraktische Bildung stärker zu berücksichtigen – etwa durch eine Stärkung der Polytechnischen Schulen, die seit Jahren finanziell ausgehungert werden. 

„Wir hören auf die Jugend – und die Ergebnisse zeigen, dass wir in Tirol auf einem guten Weg sind“, fasst Barbara Thaler zusammen, „für mich ist die zentrale Aussage der Studie auch ein Auftrag für die Zukunft: Die Lehre ist in Tirol fest verankert – und hat das Potenzial, noch stärker zu werden.“

Bild oben: Gemeinsam mit seiner „Fokusgruppe“ präsentierte Studienautor Heinz Herczeg die Ergebnisse der Tiroler Jugendstudie bei einer großen Veranstaltung in der Wirtschaftskammer Tirol. Eine Kernbotschaft dabei: Tirols Jugendliche sind motiviert, leistungsbereit und wollen ihre Zukunft aktiv gestalten.

Alle Informationen und den Download der Studie finden Sie hier

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