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Die Kufsteiner Spitzenköchin Viktoria Fahringer sorgt auf vielen Ebenen für Furore - sei es mit ihrem eigenen Kochbuch, mit ihrem YouTube-Kanal oder als kulinarische Repräsentantin Österreichs bei den <br />
diesjährigen International Emmy Awards in New York.
© Julian Hoecke

Über den Tellerrand hinaus

Als jüngste Haubenköchin Österreichs sorgte Viktoria Fahringer für erste starke Schlagzeilen. Zuletzt machte sie mit ihrem kulinarischen „Auftritt“ bei den Emmy-Awards in New York von sich reden und schreiben. 2019 hatte die damals 20-Jährige den elterlichen Gastronomie-Betrieb in Kufstein übernommen, 2021 den Tiroler Jungunternehmer:innenpreis gewonnen und heute ist sie als ziemlich umtriebige und ideenreiche Geschäftsfrau bekannt. Im Gespräch mit der TW lässt sie in ihr bunt gemischtes unternehmerisches Menü blicken und sagt: „Ja, ich habe meine Hauben bewusst an den Nagel gehängt! Ist das verrückt?“ Nicht in ihrer Welt.

Lesedauer: 6 Minuten

Aktualisiert am 18.12.2025

Wie kam’s und wie war’s für Sie, bei den Emmy Awards zu 
kochen?

Viktoria Fahringer: Das war tatsächlich eine sehr schnelle und überraschende Entwicklung. Anfang Oktober ist ja mein Dokumentarfilm „Meine Tiroler Welt“ erschienen, den ich gemeinsam mit der Salzburger Filmproduktion SolidShot mit Daniel Ronacher als Regisseur umgesetzt habe. 
SolidShot wurde zu den Emmy-Veranstaltungen in New York eingeladen und haben mich dort bei ihrer Kontaktperson ins Spiel gebracht – mit der Frage, wer eigentlich die Kulinarik für die Opening-Veranstaltung übernimmt. Die Kontaktperson hat sich daraufhin meine Projekte angesehen und war sofort begeistert. Und so bin ich – bildlich gesprochen – als Kirsche auf der Torte dazugekommen und durfte mit meiner Arbeit die Eröffnungsveranstaltung der International Emmy Awards kulinarisch bereichern. Und natürlich war das nicht „einfach dabei sein“ – ich habe dort voll gearbeitet und Österreich durch meine Küche repräsentiert. Ein unglaublich besonderer Moment.

Was haben Sie denn dort gekocht – und für wen?
Ich habe mein „Kein-Beef-Tartare“ gekocht – eines meiner Signature-Gerichte aus Auberginen und roter Rübe, ein Rezept das auch in meinem Kochbuch „Meine Tiroler Welt“ ist. Mein Ansatz war, wie immer, ein inklusiver Zugang zur Küche: also Rücksicht auf Allergene und verschiedene Ernährungsweisen wie glutenfrei, laktosefrei oder vegan. Meine Aufgabe war, Österreich kulinarisch zu repräsentieren und dort waren über 300 internationale Gäste: Produzent:innen, Regisseurinnen, Schauspielerinnen – aus Argentinien, Kanada, den USA, Indien, Frankreich, Österreich, Deutschland und vielen weiteren Ländern.
 
Wirken sich solche Presse-Events direkt auf Ihre Unternehmungen aus?
Solche Veranstaltungen sind wertvoll, weil man mit Menschen ins Gespräch kommt, denen man sonst nie begegnen würde. Und gerade weil Kulinarik bei all meinen Projekten im Zentrum steht, ist es schön zu sehen, wie sie in Bereiche hineinwirkt, in denen man sie auf den ersten Blick nicht vermuten würde. Solche Events öffnen den Blick und regen Branchen, die zuerst wenig miteinander zu tun haben, dazu an, über mögliche Kooperationen nachzudenken. Das ist für beide Seiten eine Bereicherung. Das Besondere ist aber auch, dass das Medieninteresse in Österreich zu meiner Arbeit in New York sehr groß war.

Der Dokumentarfilm zu ihrem Buch „Meine Tiroler Welt“ war gewissermaßen die Eintrittskarte für Viktoria Fahringer zu den „Emmys“, wo sie mit dem aus der Steiermark <br />
stammenden Starkoch und Restaurantbesitzer <br />
Erwin Schröttner zusammenarbeitete.
© Viktoria Fahringer Der Dokumentarfilm zu ihrem Buch „Meine Tiroler Welt“ war gewissermaßen die Eintrittskarte für Viktoria Fahringer zu den „Emmys“, wo sie mit dem aus der Steiermark stammenden Starkoch und Restaurantbesitzer Erwin Schröttner zusammenarbeitete.



Sind Sie mit neuen Geschäftsideen aus New York zurückgekommen?

Natürlich. New York lässt einen nie unberührt, oder? Ich bin mit einigen spannenden Ideen zurückgekommen – und jetzt geht es darum, bis Jahresende alles in Ruhe zu bewerten: mögliche Partner:innen, Chancen, Herausforderungen. Aber ja, der Trip hat definitiv etwas in Bewegung gesetzt.

Ihr unternehmerisches Menü ist ziemlich riesig - es reicht von der Kochschule und dem Boutique-Hotel „Viktorias Home“ vor Ort in Kufstein, über Ihre eigene YouTube Kochshow „Hey’ Viktoria“, das 2025 erschienene Kochbuch sowie den gleichnamigen Dokumentarfilm „Meine Tiroler Welt“, dem kulinarischen Kollektiv „Kuliktiv“, das Sie im letzten Sommer gegründet haben bis hin zu Ihrer intensiven Arbeit im Bereich einer allergensensiblen, inklusiven Küche. Was macht denn am meisten Spaß?
Am meisten liebe ich die kreative, konzeptionelle Arbeit – und dann zu sehen, wie die Umsetzung gelingt. Also das Entwickeln neuer Rezepte oder kulinarischer Ideen. Das kann ein Storytelling-Konzept für eine Veranstaltung sein, ein Menü für eine bekannte Modemarke, ein Konzept für eine Folge von „Hey Viktoria“ oder die Wissensvermittlung in Kursen und Büchern. Überall steht für mich im Zentrum, Menschen mit meinem Wissen rund ums Kochen zu berühren.

Können Sie Ihren unternehmerischen Geist beschreiben?
Ich bin sehr ehrgeizig – das ist definitiv der Kern. Ehrgeizig, strategisch und lösungsorientiert. Ich höre stark auf mein Bauchgefühl und dieses Jahr hat mir wieder bestätigt, wie wichtig das ist. Es gibt Projekte, die bringen Umsatz – und welche, die bringen Umsatz und verändern etwas. Und dann gibt es Projekte, bei denen man vielleicht weniger verdient, aber sehr viel bewegt. Mein Unternehmergeist heißt auch: harte Arbeit, strategische Arbeit und das klare Bewusstsein, dass viele Stunden nicht automatisch effektive Arbeit bedeuten. Und es heißt, sich mit den richtigen Menschen zu umgeben – das macht einen enormen Unterschied. 

Gibt es aktuelle Zahlen – etwa zu Ihrem YouTube-Channel, dem Kochbuch oder dem Film?
Ja, und es sind wirklich großartige Zahlen: Der YouTube Channel „Hey Viktoria“ ist ja ganz neu - und wächst schön organisch, die Reaktionen sind positiv und die Arbeit in diesem, doch neuen, Bereich für mich, macht wirklich Spaß! Mein Kochbuch „Meine Tiroler Welt“ wurde am 26. November 2025 mit der Silbermedaille des Deutschen Kochbuchpreises in der Kategorie Alpen ausgezeichnet – nur wenige Wochen nach dem Erscheinungstermin. Ein unfassbares Debüt, ich kann’s noch gar nicht fassen! Und der Film „Meine Tiroler Welt“ hatte bei der TV-Ausstrahlung sagenhafte über 450.000 Zuseher:innen – mehr als doppelt so viele, wie prognostiziert. Bei einer der Buchpräsentationen im Herbst war es ebenfalls wunderschön zu sehen, dass mein Buch in der Tyrolia Filiale in Innsbruck sogar im Bestseller-Regal stand! 

Was machen Sie, wenn etwas nicht so gut läuft?
Ich bin ein starker Bauchgefühl-Mensch und merke sehr schnell, wenn etwas in die falsche Richtung geht, das geht mir auch emotional dann manchmal sehr nahe. So entscheide ich situativ, ob Abwarten sinnvoll ist oder Veränderung und gebe mir die Zeit, die es braucht, um mir Gedanken zu machen. Denn auch Abwarten kann eine aktive Handlung sein, nicht nur aktives Reagieren. Handeln heißt für mich nicht zwangsläufig, etwas sofort zu verändern, sondern sich ernsthaft mit einer Situation auseinanderzusetzen und klar zu evaluieren, was sie bedeutet.

Ihr Resümee 2025 – und die Ziele für 2026?
2025 war intensiv – im besten, aber auch im forderndsten Sinn. Mein Kochbuch, mein Dokumentarfilm und mein YouTube-Kanal sind erschienen. Unser Zwei-Hauben-Restaurant war bis in den Herbst geöffnet, inzwischen habe ich aber den À-la-carte-Bereich geschlossen: Einerseits, weil meine Eltern offiziell in Pension gegangen sind, andererseits, weil ich so viel unterwegs bin und ich diesem Flow nicht im Weg stehen möchte. Also ja, ich habe meine Hauben bewusst an den Nagel gehängt! Ist das verrückt? Für 2026 wünsche ich mir vor allem eines: Weitere Projekte, die einen echten Mehrwert haben – für mich, für andere und für die Welt, in der wir leben. Und ich freue mich darauf, in der stillen Weihnachtszeit alles zu sortieren und klar zu spüren, welche Ideen ich angehen will. Dass ich viel geleistet habe, spüre ich erst jetzt rückblickend – und das macht mich stolz und dankbar.

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