Weltmarkt aus der Steckdose
Ob innovative Bodenschwelle oder klimapositives Kraftwerk – zwei Tiroler Unternehmen zeigen, wie sich mit bahnbrechenden Technologien globale Märkte erschließen lassen. Der Schlüssel zum Erfolg: die Außenwirtschaft der WK Tirol. Start-up REPSund GreenTech-Pionier Syncraft nutzen deren weltweites Netzwerk – mit unterschiedlichenErfahrungen, aber derselben Erkenntnis: Internationaler Erfolg ist kein Zufall, sondern das Ergebnis konsequenter Vorbereitung.
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Alfons Huber erzählt stolz von einer Bodenschwelle im Hamburger Hafen. Was für andere nur eine Straßenunebenheit ist, produziert seit 59 Tagen Strom: Knapp 50.000 Lkws sind bereits darüber gefahren und haben 3.363 Kilowattstunden grünen Strom erzeugt – dabei wurden 1.277 Kilogramm CO2 eingespart. Der
Physiker hat mit REPS ein System entwickelt, das brachliegende Energie nutzt: jene, die beim Bremsen von Fahrzeugen bisher einfach verpuffte.
Die Idee entstand während Hubers sechsjährigem Physikstudium. Bei der Beschäftigung mit Energy Harvesting wurde ihm klar wie wertvoll Strom ist – und wie viel Energie im Verkehr verschwendet wird. Sechs Jahre Entwicklungsarbeit später steht das fertige Produkt: eine Bodenschwelle, die Bewegungsenergie in elektrische Energie umwandelt.
Dass seine Innovation international relevan sein könnte, ahnte Huber früh. Schon in der Startup-Phase meldeten sich Interessenten aus aller Welt – darunter eigene „Innovation Scouts“ aus Abu Dhabi. Eine angenehme Überraschung für ein noch völlig unbekanntes Unternehmen.
Ein Netzwerk, das trägt
Für den Schritt ins Ausland suchte sich Huber gezielt Unterstützung. „Cold Mails können funktionieren, aber Hilfe von jenen, die vor Ort etabliert und vernetzt sind, ist Gold wert“, sagt er. Die Außenwirtschaft Austria der Wirtschaftskammer bot genau das: ein weltweite Netzwerk von rund 100 AußenwirtschaftCenter in über 70 Ländern. Ein Service, das Österreich zu einem Alleinstellungsmerkmal verhilft – praktisch jeder Markt der Erde lässt sich durch diese AußenwirtschaftCenter erschließen.
Beim Exporttag der WK Tirol nahm Alfons Huber auf Empfehlung hin ohne große Erwartungen teil. Bei dieser Veranstaltung kommen österreichische
Wirtschaftsdelegierte der Wirtschaftskammer Österreich aus etlichen Ländern nach Tirol und vernetzen Tiroler Unternehmer:innen mit Partnern, wurde der Tag zum Durchbruch: Er knüpfte direkte Kontakte zu Vertretern aus zwölf Ländern und erhielt eine Einladung zur 28. UN-Klimakonferenz in Dubai. „Ein absoluter Meilenstein“, so Alfons Huber.
Die Begeisterung hält bis heute an. Bei der Welthafenmesse in Hongkong half die Außenwirtschaft mit der Organisation – von der Anmeldung bis zur Standplanung. In Japan organisierte das AußenwirtschaftCenter Tokio einen Dolmetscher für seine Geschäftsgespräche. „Das sind gena die Momente, wo man merkt, wie wertvoll dieses Netzwerk ist“, sagt er.
Mit dem Hamburger Hafen – dem drittgrößten Hafen Europas – hat REPS eine Referenz, die überzeugt. Häfen sind der aktuelle Fokus, denn hier lässt sich das Produkt optimal einsetzen. Die Vision geht weiter: Städte, Autobahnen, überall dort, wo Fahrzeuge bremsen. Das Potenzial ist enorm.
Global von Anfang an: Syncrafts systematischer Ansatz
Für Syncraft GmbH war klar: Wer dezentrale Energie neu denkt, muss global denken. Das Tiroler GreenTech-Unternehmen entwickelt und errichtet klimapositive Rückwärtskraftwerke, die aus Waldrestholz Strom, Wärme und Grünen Kohlenstoff erzeugen. Der Heimatmarkt war dabei nie die Endstation.
Syncraft setzt auf ein dezentrales Modell. Die Technologie entfaltet ihren wirtschaftlichen und ökologischen Nutzen erst dann voll, wenn viele Anlagen an unterschiedlichen Standorten betrieben werden. Früh war klar, dass Internationalisierung kein späterer Wachstumsschritt, sondern
Teil der DNA ist. Der Fokus liegt auf dem DACHRaum, gleichzeitig ist Syncraft seit Jahren auch über die Grenzen Europas aus aktiv.
Was viele Unternehmen beim Schritt in Ausland unterschätzen, sind Genehmigungen, Zulassungen und Haftungsfragen. Doch auch die sogenannten Soft Facts spielen eine Rolle: kulturelle Unterschiede, Entscheidungswege, regionale Netzwerke. Geschäftsführer Marcel Huber betont: „Vorbereitung ist essenziell, auch in der EU, deshalb sollte man unbedingt die Beratung der Außenwirtschaft in Anspruch nehmen.“
Strategischer Partner auf jedem Kontinent
Syncraft nutzt die Services der Außenwirtschaft seit Jahren intensiv. Über goInternational wurden detaillierte Marktstudien erstellt, gemeinsam mit den AußenwirtschaftCenter Kontakte aufgebau und Markteintrittsstrategien geschärft. Besonders wertvoll ist dabei das internationale Netzwerk – etwa in Asien, wo lokale Expertise und Vertrauen entscheidend sind. Auch beim Exporttag war Syncraft mehrfach vertreten. Der Austausch mit der Außenwirtschaft Tirol ist laufend, eng und praxisnah.
Auch für ein international bereits etabliertes Unternehmen bleibt die Außenwirtschaft ein wichtiger Sparringspartner. Neue Märkte wie Kalifornien bringen Chancen, aber auch politische Unsicherheiten. Syncraft plant zudem eine Partnerschaft für den industriellen Einsatz des Grünen Kohlenstoffs
– ein weiterer Schritt, um klimapositive Technologien aus Tirol in globale Wertschöpfungsketten zu integrieren.
Mehr als nur Kontakte
Die Außenwirtschaft Austria bietet Tiroler Unternehmen weit mehr als nur Kontakte. Die Expert:innen unterstützen bei der Marktanalyse, helfen bei rechtlichen Fragen zur Export- und Importabwicklung und vermitteln den Kontakt zu lokalen Geschäftspartner:innen. Für Start-ups wie REPS besonders wichtig: die individuelleBeratung zur Internationalisierungsstrategie. Welche Märkte bieten sich an? Welche kulturellen Besonderheiten sind zu beachten? Wie läuft die
Abwicklung vor Ort?
Als nächster Schritt steht für REPS die Serienproduktion an. Alfons Huber setzt dabei weiterhin auf die Außenwirtschaft und nimmt regelmäßig an relevanten Events teil. Seine Empfehlung an andere Start-ups: „Man muss den Markt und die Kultur des Landes verstehen, in das man expandieren möchte. Dabei sollte man alle Angebote der Außenwirtschaft nutzen. Für mich
war es mit Abstand der effizienteste Weg – das hat mir enorm viel Nerven und Zeit erspart.“
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05.03. Transportlogistik
10.03. Incoterms
12.03. Zollrecht
17.03. Umsatzsteuer international
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