Zwei Tiroler Jungfachkräfte auf Gold-Mission
In einem Monat kämpfen Angelina Rainer und Vincent Track bei den WorldSkills in China gegen internationale Konkurrenz um Medaillen.
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Vom 22. bis 27. September wird das National Exhibition and Convention Center (NECC) in Shanghai zum Austragungsort der diesjährigen WorldSkills – mit 1,47 Quadratkilometern Fläche größer als 200 Fußballfelder. Rund 1.400 Fachkräfte aus mehr als 70 Ländern treten dort vier Tage lang in 64 Disziplinen gegeneinander an. Österreich entsendet insgesamt 48 Teilnehmer:innen, darunter mit Angelina Rainer und Vincent Track auch zwei aus Tirol.
Angelina Rainer könnte WM-Gold nach fast 30 Jahren wieder nach Tirol holen
Angelina Rainer tritt im Beruf Friseurin an. „Für mich ist das eine riesengroße Ehre, bei den World-Skills für Österreich an den Start gehen zu dürfen. Ich habe mich extrem gefreut, als ich von meiner Nominierung erfahren habe – und bin jetzt einfach gespannt, wie weit es für mich gehen kann“, meint die 19-Jährige, die im Friseursalon Manuela in Lienz arbeitet. Ihre Leidenschaft für das Friseurhandwerk reicht weit zurück: „Ich wollte schon im Kindergarten immer den Barbies und Puppen die Haare schneiden – das hat mich einfach nie losgelassen.“ Was sie bis heute an ihrem Beruf reizt: „Man arbeitet mit Menschen, sieht sofort ein Ergebnis und kann wirklich etwas verändern – genau das macht den Beruf für mich so spannend.“
Fast 30 Jahre ist es her, dass zuletzt eine Österreicherin – damals ebenfalls eine Tirolerin – WM-Gold bei den Friseuren holte. Vielleicht gelingt Angelina Rainer, die von Dieter Kohler vom Salon Kohler in Eberstalzell auf die WorldSkills vorbereitet wird, die Wiederholung dieses Erfolgs. Im Wettbewerb selbst muss dafür alles passen: Schnitt, Styling und Präsentation müssen im entscheidenden Moment sitzen. „Geht nicht, gibt‘s nicht – man muss einfach dranbleiben und versuchen, das Beste herauszuholen. So oder so werde ich fürs Leben dazulernen“, ist Rainer überzeugt.
Ich habe mich extrem gefreut, als ich von meiner Nominierung erfahren habe. Jetzt bin ich einfach gespannt, wie weit es für mich gehen kann.
Angelina Rainer
Ihre beruflichen Pläne reichen über die Berufs-WM hinaus: „Ich möchte mich kreativ voll entfalten, den Meister machen und mich irgendwann selbstständig machen.“ Shanghai sieht sie als einen weiteren Schritt auf diesem Weg: „Ich möchte mich weiterentwickeln, neue Dinge lernen und möglichst viel für meinen weiteren Weg mitnehmen.“
Österreich-Premiere mit Vincent Track
Verfahrens- und Prozesstechniker Vincent Track aus Breitenbach am Inn wird in Shanghai in der Disziplin „Water Technology“ an den Start gehen – einem besonders zukunftsträchtigen Bewerb, bei dem Österreich heuer erstmalig vertreten ist. Die Wasser- und Abwasseraufbereitung umfasst zahlreiche Bereiche der Verfahrenstechnik. Speziell in Kläranlagen werden verschiedenste chemische, mechanische und biologische Verfahren eingesetzt. Bei den World-Skills geht es für den 21-jährigen vor allem um das tiefe Verständnis von Prozessen, Anlagen und Messtechnik sowie um Laborarbeit und Analytik. Gemeinsam mit Expertin Michaela Pusch vom Bildungszentrum Lenzing bereitet er sich im Vorfeld optimal auf die anspruchsvollen Aufgaben vor.
Track, der einen Teil seiner Ausbildung in der Axils Gmbh – der Akademie für Exzellenz in Life Sciences – absolviert hat, arbeitet bei Novartis Österreich am Standort Schaftenau, wo er in der Late-Phase Entwicklung an Referenzstandards zur Überprüfung der Reinheit von Medikamenten mitarbeitet. Was ihn an seinem Beruf reizt: „Mich begeistert, dass ich Prozesse zur Entwicklung und Herstellung lebensrettender Medikamente nicht nur verstehe, sondern aktiv verbessern kann.“ Für ihn ein entscheidender Vorteil seiner Ausbildung: „Als Verfahrenstechniker kann man in unterschiedlichsten Branchen arbeiten – von der Abwasseraufbereitung über die Lebensmittelproduktion eben bis hin zur Pharmaindustrie.“
Ich will mich fachlich auf höchstem Niveau weiterentwickeln und im internationalen Vergleich zeigen, was durch kontinuierliche Ausbildung und Disziplin möglich ist.
Vincent Track
Seinen Anspruch an sich selbst formuliert er klar: „Ich will mich fachlich auf höchstem Niveau weiterentwickeln und im internationalen Vergleich zeigen, was durch kontinuierliche Ausbildung und Disziplin möglich ist.“ Dorthin ist er über eine mit Auszeichnung absolvierte Lehre bei Novartis, die Berufsreifeprüfung und ein laufendes berufsbegleitendes Bachelorstudium im Bereich Umwelt-, Verfahrens- und Energietechnik gelangt. Von der WM selbst erwartet er sich vor allem eines: „Ich möchte internationale Erfahrung sammeln, neue Perspektiven kennenlernen und persönlich wie fachlich daran wachsen.“
Zwei junge Karrieren mit Vorbildwirkung
Sowohl Angelina Rainer als auch Vincent Track haben sich über die AustrianSkills – die österreichischen Staatsmeisterschaften der Berufe – für das Team Austria qualifiziert. Was Medaillenprognosen für die Berufs-WM anbelangt, zeigen sich beide zurückhaltend, zu groß ist der Respekt vor der internationalen Konkurrenz.
Unabhängig vom Ergebnis in Shanghai zeigen die zwei jungen Spitzenfachkräfte, wohin eine Tiroler Lehre führen kann – von der Ausbildung im Friseursalon oder im Pharmabetrieb bis auf die größte Bühne ihrer Berufe. Für junge Menschen, die aktuell vor der Berufswahl stehen, sind die beiden damit ein konkretes Beispiel dafür, was mit einer fundierten Ausbildung möglich ist – und der Beweis dafür, dass sich Investitionen in die Lehrausbildung auszahlen: Wer gut ausbildet, kann am Ende auch international reüssieren.
Weitere Informationen: www.skillsaustria.at