Lauter branchenübergreifender Ruf der NÖ Wirtschaft: „Gewerbediesel jetzt“
„Ansonsten drohen Verlust von Unternehmen und Arbeitsplätzen“ – Gemeinsame Erklärung von Gewerbe und Handwerk, Industrie, Handel, Tourismus und Freizeitwirtschaft sowie Entsorgungswirtschaft NÖ
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Ein lauter und dringender Ruf nach raschen Kostenerleichterungen durch einen „Gewerbediesel“ kommt jetzt aus Niederösterreichs Wirtschaft. „Wir brauchen einen Gewerbediesel – und zwar jetzt“, so Jochen Flicker (WKNÖ-Spartenobmann Gewerbe und Handwerk), Helmut Schwarzl (WKNÖ-Spartenobmann Industrie), Franz Kirnbauer (WKNÖ-Spartenobmann Handel), Mario Pulker (WKNÖ-Spartenobmann Tourismus und Freizeitwirtschaft) und Ingeborg Dockner (WKNÖ-Spartenobfrau Information und Consulting) in einer gemeinsamen Erklärung. „Ansonsten drohen massive Verwerfungen für unseren Wirtschaftsstandort – bis hin zum Verlust von Arbeitsplätzen und Unternehmen.“
Rückvergütung, Aussetzen der CO2-Bepreisung, MöSt-Senkung
Konkret verlangt wird eine Rückvergütung für die Betriebe der durch die CO2-Bepreisung in den letzten Jahren erzielten Mehreinnahmen des Staates. Zugleich sollen die CO2-Bepreisung ausgesetzt und die Mineralölsteuer (MöSt), die in Österreich 39,7 Cent ausmacht, auf das EU-Mittelmaß von 33 Cent gesenkt werden. Zur Verdeutlichung: Allein durch die CO2-Bepreisung hat der Staat gemessen am Dieselverbrauch in den Jahren 2024 und 2025 Mehreinnahmen von über 1,6 Milliarden Euro erzielt. Mit einer Entlastung in Form einer pauschalen Rückvergütung könnte das Unternehmen eine Ersparnis von 205 Euro pro 1.000 Liter getanktem Diesel bringen. Seit Jahresbeginn ist der Dieselpreis um rund 40 Prozent gestiegen.
"Betriebe massiv in Existenz gefährdet"
„Nach den zuletzt schon überdurchschnittlichen Belastungen durch Energiepreise, Steuern und Abgaben sind unsere Unternehmen jetzt auch noch mit Treibstoffpreisen konfrontiert, die zahlreiche Betriebe massiv in ihrer Existenz gefährden – gerade auch kleinere und mittlere in den Regionen“, so die deutliche Warnung von Jochen Flicker, dem Obmann der WKNÖ-Sparte Gewerbe und Handwerk. „Wir brauchen kalkulierbare Treibstoffpreise, sowohl auf Zulieferebene wie auch für die Fahrten zu unseren Kundinnen und Kunden.“
"Klotz im internationalen Wettbewerb"
Für WKNÖ-Industriespartenobmann Helmut Schwarzl sind die hohen Treibstoffpreise „für unsere Industrie ein weiterer Klotz am Bein im internationalen Wettbewerb. Ein deutlicher Beleg dafür ist die Mineralölsteuer, die um 20 Prozent über dem EU-Mittelmaß liegt und dringend auf dieses Niveau gesenkt werden muss. Es braucht echte Entlastungen, nicht Eingriffe in den freien Markt. Die sind der falsche Weg und bringen de facto gar nichts.“
"Brandbeschleuniger für die Inflation"
„Die Erhöhung der Treibstoffkosten durch den Irankrieg ist ein Brandbeschleuniger für die Inflation“, warnt Franz Kirnbauer, Obmann der Sparte Handel in der WKNÖ. „Mit Mitteilungen zur Erhöhung der Frachtkosten unter Verweis auf die Dieselpreise sind die Betriebe bereits massiv konfrontiert. Das fließt in die gesamte Wertschöpfungskette vom Rohstoff, über die Produktion bis zum Versand ein und treibt die Inflation. Wir dürfen nicht wieder den gleichen Fehler machen wie am Beginn des Ukrainekrieges und in eine Hochinflationsphase hineinrutschen. Wenn wir bei Dieselpreisen und Energiekosten jetzt nicht gegensteuern, zahlen wir am Ende alle die Rechnung.“
"Betriebe in angespannter Lage stabilisieren"
„Die Einführung eines Gewerbediesels wäre für viele Betriebe im Tourismus eine dringend notwendige Entlastung. Gerade Catering-Betriebe, Hoteltaxis und andere mobilitätsintensive touristische Dienstleistungen sind auf leistbare Treibstoffe angewiesen und stehen unter massivem Kostendruck. Eine steuerliche Entlastung würde helfen, Arbeitsplätze zu sichern, die Wettbewerbsfähigkeit zu stärken und die Betriebe in einer ohnehin angespannten Lage zu stabilisieren“, betont auch Mario Pulker, Obmann der Sparte Tourismus und Freizeitwirtschaft in der Wirtschaftskammer NÖ.
"In besonderem Maß auf Fahrzeuge angewiesen"
„Die Fachgruppe Entsorgungs- und Ressourcenmanagement ist ein zentraler Pfeiler der niederösterreichischen Wirtschaft und leistet täglich einen unverzichtbaren Beitrag zur Versorgungssicherheit und Kreislaufwirtschaft. Gerade unsere Betriebe sind in besonderem Maß auf den Einsatz von Fahrzeugen angewiesen und von den massiv gestiegenen Treibstoffkosten betroffen. Daher sind der geforderte ‚Gewerbediesel‘ sowie die weiteren Entlastungsmaßnahmen, wie eine temporäre Entlastung bei der CO₂-Bepreisung, für unsere Branche von entscheidender Bedeutung“, erläutert dazu auch Thomas Kasper, der Obmann der in der Sparte IC besonders betroffenen Fachgruppe Entsorgungs- und Ressourcenmanagement NÖ.
Die Zeit dränge, die Unternehmen bräuchten dringend Signale zur Entlastung, sind sich Flicker, Schwarzl, Kirnbauer, Pulker und Dockner einig. „Jeder Tag zählt.“