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Bauwirtschaft
© Christian Schwier | stock.adobe.com

WKNÖ-Bauwirtschaftsradar: Erste Stabilisierung bei Neubau, Auslandsnachfrage treibt Baukonjunktur

Gedämpfte Entwicklung mit Silberstreifen am Horizont: Das aktuelle Bauwirtschaftsradar für das 1. Quartal 2026 zeigt für Niederösterreich weiterhin ein herausforderndes Umfeld, gleichzeitig aber auch punktuelle Verbesserungen. „Wir müssen die heimische Nachfrage dringend stärken – etwa durch weniger Bürokratie, geringere Arbeitskosten, Investitionsanreize und leistbare Energie“, betont Wolfgang Ecker, Präsident der Wirtschaftskammer Niederösterreich (WKNÖ).

Lesedauer: 3 Minuten

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Aktualisiert am 31.03.2026

Das Bauwirtschaftsradar, das vom Economica Institut im Auftrag der WKNÖ erstellt wird, zeigt zu Jahresbeginn 2026 zentrale Trends. Während die Baubranche insgesamt im Jahr 2025 real um 2,9 Prozent geschrumpft ist, bleibt die allgemeine wirtschaftliche Stimmung zunächst stabil. Neue geopolitische Unsicherheiten – insbesondere durch den Irankrieg und gestörte Lieferketten – könnten diese Entwicklung jedoch rasch eintrüben. Positiv hervorzuheben ist der Auftragseingangsindex: Nach einem Rückgang von 7,9 Prozent im 4. Quartal 2025 zeigt sich zu Jahresbeginn mit einem Plus von 26,9 Prozent im Jänner gegenüber dem Jänner des Vorjahres eine deutliche Erholung. „Dass die Nachfrage – wenn auch derzeit vor allem aus dem Ausland – wieder anzieht, ist ein wichtiges Signal für die Branche“, stellt WKNÖ-Präsident Wolfgang Ecker fest.

Baubewilligungen stabilisieren sich auf niedrigem Niveau

Die Baubewilligungen zeigen eine vorsichtige Stabilisierung. Im 3. Quartal 2025 wurden in Niederösterreich 1.396 Baubewilligungen für neue Wohngebäude sowie 568 für Um- und Zubauten erteilt. Damit liegen die Werte weiterhin über dem Tiefpunkt, verharren jedoch auf niedrigem Niveau. Dynamischer entwickelt sich die Zahl bewilligter Gebäude insgesamt: Bei Wohngebäuden gab es ein Plus von 33,8 Prozent in NÖ (österreichweit 38,8 Prozent), bei Nicht-Wohngebäuden von 12,3 Prozent in NÖ (österreichweit 13,6 Prozent). „Die Zahlen zeigen, dass sich der Neubau langsam stabilisiert, auch wenn wir noch weit von einer echten Erholung entfernt sind“, erklärt Günther Lehner, NÖ Landesinnungsmeister Bau. Stefan Graf, Fachvertretungsvorsitzender der NÖ Bauindustrie, ergänzt: „Es gibt erste positive Impulse, aber die Bauwirtschaft bleibt unter Druck. Ohne strukturelle Reformen wird sich daran wenig ändern.“

Auslandsnachfrage als Wachstumstreiber beim Auftragseingangsindex - Inlandsmarkt schwach

Die aktuelle Entwicklung der Bauauftragseingänge verdeutlicht ein zweigeteiltes Bild: Während die Inlandsnachfrage weiterhin rückläufig ist (-8,7 Prozent), kommt der gesamte Zuwachs von 26,9 Prozent aus dem Ausland (Eurozone und Nicht-Eurozone) – insbesondere aus dem Tiefbau. „Wir müssen die heimische Nachfrage dringend stärken – etwa durch Vorziehen öffentlicher Aufträge, weniger Bürokratie, geringere Arbeitskosten, Investitionsanreize und leistbare Energie“, betont Ecker.

Wohnbaumilliarde: Fortschritte, aber Ziel noch nicht erreicht

Von den Bundesmitteln des Wohn- und Baupakets wurden bis Ende 2025 insgesamt 213,6 Millionen Euro an die Bundesländer ausbezahlt. Niederösterreich erhielt davon 84,4 Millionen Euro für den Neubau und 17 Millionen Euro für Sanierungen. Weitere Mittel stehen noch zur Verfügung. „Gerade im Bereich der Sanierung sehen wir großes Potenzial für die Bauwirtschaft“, so Ecker. „Das neue Sanierungsvereinfachungsgesetz in Niederösterreich ist ein wichtiger Schritt, um Investitionen zu erleichtern und die Betriebe zu unterstützen.“

Rahmenbedingungen entscheidend für weitere Entwicklung

Die kommenden Monate bleiben entscheidend für die Bauwirtschaft. Steigende Unsicherheiten bei Zinsen, Energie und Lieferketten könnten die leichte Erholung bremsen. „Nur mit klaren und verlässlichen Rahmenbedingungen kann es gelingen, die Baukonjunktur nachhaltig zu stabilisieren und Niederösterreich als starken Wirtschaftsstandort zu sichern“, so Ecker abschließend.

Das Online-Dashboard gibt es unter https://dashboard.economica.eu/bauwirtschaftsradar/

Präsident Wolfgang Ecker
© Rita Newman WKNÖ-Präsident Wolfgang Ecker
Günther Lehner
© Barbara Nidetzky Günther Lehner, NÖ Landesinnungsmeister Bau
Stefan Graf
© Erich Marschik Stefan Graf, Fachvertretungsvorsitzender der NÖ Bauindustrie

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