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Renate Scheichelbauer-Schuster
© Foto Weinwurm

„Das ist eine Zukunftsfrage“

Renate Scheichelbauer-Schuster, die erste Obfrau der Bundes- und Landessparte Gewerbe und Handwerk, wurde für ihr Lebenswerk mit der Julius Raab-Büste geehrt – und zieht im „Wirtschaft NÖ“-Interview Bilanz.

Lesedauer: 4 Minuten

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Aktualisiert am 22.05.2026

Sie waren 1972 das erste und einzige Mädchen in der damaligen Abteilung „Hochfrequenz- und Nachrichtentechnik“ der HTL St. Pölten und auch später in jeder Hinsicht eine Vorreiterin für Frauen in der Technik. Wie viel hat sich seither in dieser Hinsicht geändert?

Vorerst freue ich mich sehr, die Julius Raab Büste - als höchste Auszeichnung der WKNÖ - erhalten zu haben! Julius Raab, der Freiheitskanzler, war ja der Gründer der Wirtschaftskammer und hat mit Weitblick schon damals junge Menschen, gerade im Handwerk, gefördert. Eine hochwertige Ausbildung in Theorie und Praxis war ihm besonders wichtig, deshalb hat er auch das WIFI gegründet.

Zurück zur Frage: Ich wurde damals am ersten Schultag von einem Professor tatsächlich mit den Worten „um Gottes willen, Sie sind ja ein Mädchen“ begrüßt. Entsprechend war die Schulzeit stark vom Bemühen geprägt, um jeden Preis nur ja nicht aufzufallen. Heute ist es sicher keinem Mädchen mehr peinlich, sich für MINT-Fächer - also Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik - zu interessieren. Da hat sich Vieles geändert. Wenn man allerdings bedenkt, wie viele Jahre seither vergangen sind, muss man trotzdem sagen: Es hat sich noch relativ wenig – oder sogar viel zu wenig - verändert.

Woran liegt das?

Ich glaube nicht, dass das an den Betrieben liegt. Da schlägt aus meiner Sicht nach wie vor eine Art „Erziehungsfaktor“ durch, der gegenüber Mädchen einfach von einer anderen Erwartungshaltung als Technik und Co. ausgeht - wo eigentlich nicht mehr aktuelle Rollenbilder nach wie vor in den Köpfen sind. Für umso wichtiger halte ich Maßnahmen zur Berufsinformation, um hier gegenzusteuern und diese Rollenbilder weiter aufzubrechen. Jungen Menschen den Weg in die für sie richtigen Berufen zu eröffnen, wo sie sich erfolgreich entfalten können, halte ich für eine überaus wichtige Aufgabe - vor allem auch in Richtung produktivem Wirtschaftsstandort.

Das Gewerbe und Handwerk bildet nahezu die Hälfte aller Lehrlinge in Niederösterreich aus. Aber auch hier sind Mädchen in der Unterzahl. Ist auch diese Sparte noch zu wenig weiblich?

Ja! Da gibt es noch große Potenziale an künftigen weiblichen Fachkräften. Die Frage der Körperkraft ist mittlerweile in unseren Branchen ja immer verschwindender geworden – natürlich mit Ausnahmen. Ein sehr spannendes Beispiel sind für mich da unsere Maler, die schon vor vielen Jahren begonnen haben, stark auf weibliche Lehrlinge zu setzen und damit sehr gut gefahren sind – wie zuletzt etwa auch die Silbermedaille von Lena Prinz bei den WorldSkills oder der Doppelsieg der Zwillinge Anika und Ingrid Katzengruber beim jüngsten Landeslehrlingswettbewerb beweist.

Außerdem bin ich eine große Anhängerin von gemischten Arbeitsteams, weil Männer und Frauen eben unterschiedliche Blickwinkel haben und in der Kombination der beiden der Erfolg nachweislich höher ist. Das gilt aus meiner persönlichen Erfahrung heraus in Betrieben ebenso wie in der Interessenvertretung.

Wie beurteilen Sie die Zukunftschancen des Gewerbes und Handwerks angesichts von KI, Digitalisierung und Co?

Ich sehe gerade hier eine besonders gute Zukunftsperspektive, weil gerade im Handwerk und Gewerbe der Mensch im Mittelpunkt steht – bei der Planung, bei der Beratung, bei der Ausführung – und genau diese Individualität des und für die          Menschen von der KI nicht ersetzt werden kann. Da sind wir jedenfalls noch weit weg.

Sie stehen als damalige Bundesspartenobfrau auch an der Wiege des Meister Alumni Clubs (MAC). Sind sie mit dessen Entwicklung zufrieden?

Wir haben den MAC Ende 2023 gegründet und haben bereits über 5000 Mitglieder - lauter Menschen, welche eine hohe berufliche Qualifikation eint. Das ist eine Erfolgsgeschichte, genauso wie die vorangegangenen Errungenschaften, wie die Gleichwertigkeit des Meisters mit dem akademischen Bachelor, dem Meistertitel mit dem MST. vor dem Namen oder dem Meistergütesiegel bzw. „staatlich geprüft“ für die Befähigten als äußeres Zeichen unserer Qualifikation.

Der Antrieb zur Gründung des MAC war für mich, dieselbe Anerkennung in der Gesellschaft für den höchsten Abschluss im Handwerk und Gewerbe wie für die Akademiker zu erreichen. Mit entsprechendem Zusammenhalt unter uns Qualifizierten sind wir auf dem besten Weg! Deshalb meine Botschaft: Bitte melden Sie sich im Verein an unter www.meisteralumni.at . Die Mitgliedschaft für Meister/Befähigte kostet nichts und bringt viele Vorteile!!

Die hohe berufliche Qualifikation ist für den Wirtschaftsstandort Österreich ganz entscheidend. Deshalb müssen wir auch unbedingt am qualifizierten Gewerbezugang festhalten. Das ist eine Zukunftsfrage für Österreich.