80 Jahre Mut zur Zukunft
Von den Pionieren der Nachkriegszeit bis zu den Ideen von morgen: Die WKNÖ begleitet unternehmerische Visionen seit 1946 – verlässlich, unterstützend, zukunftsgerichtet.
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Der Krieg ist vorbei, die Fassaden der Gebäude tragen noch Narben. Die Zeichen stehen aber auf Neuanfang. Am Tullner Hauptplatz 23 stehen nur ein paar kleine Tische. Schlicht, unaufdringlich. Und doch beginnt hier etwas Neues. Ernst Wagner, aufgewachsen in Krems, hat sein Handwerk bei einem Lebzelter und Konditor in Ried im Innkreis gelernt und später in der Tullner Konditorei Paul Rist gearbeitet. Nun wagt er mit seiner Frau Leopoldine den Schritt in die Selbstständigkeit: mit seiner Cafè-Konditorei Wagner. Das Angebot ist noch überschaubar. Der Mut groß.
Was damals mit wenigen Mehlspeisen begann, ist heute eine Institution. 80 Jahre Unternehmergeist, drei Generationen, ein Standort – und unzählige Geschichten zwischen Kaffeeduft und Kuchenvitrine. Und seit 80 Jahren begleitet die Wirtschaftskammer NÖ Betriebe wie die Cafè-Konditorei Wagner auf ihrem Weg.
1973 übernimmt Sohn Ernst Wagner jun. den Betrieb. Er baut aus, modernisiert behutsam, bleibt aber dem Kern treu: Qualität, Handwerk, persönliche Atmosphäre. An seiner Seite: Frau Maria und Tochter Sabine, die früh zwischen Backstube und Schank mitarbeitet. Schon während ihrer Ausbildung wird sie NÖ Landesmeisterin der Konditoren. Es folgen Stationen in renommierten Betrieben. Erfahrung, Präzision, Kreativität – all das bringt sie zurück nach Tulln.
Weit über Tulln hinaus
Seit 2006 führt Sabine Wagner das Familienunternehmen in dritter Generation. 2009 erhält das Café am Hauptplatz einen modernen, zeitlosen Look. Hinter den Kulissen arbeitet ein eingespieltes Team: 20 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, im Sommer noch mehr. Unter der Leitung von Konditormeister Norbert Hofmann entstehen täglich frische, traditionelle Mehlspeisen ebenso wie zeitgemäße Kreationen, Hochzeitstorten und süße Buffets für Firmenfeiern. Die Rezepte des hauseigenen Speiseeises – einst von Ernst Wagner entwickelt – sind bis heute streng gehütet. Der Geschmack hat sich weit über Tulln hinaus einen Namen gemacht.
Was geblieben ist? Der kompromisslose Qualitätsanspruch. Keine Convenience-Produkte, beste – möglichst regionale – Zutaten, echtes Handwerk. Und das Kaffeehaus als sozialer Treffpunkt: Stammgäste, die seit Jahrzehnten kommen. Generationen, die hier feiern, diskutieren, Zeitung lesen. Ein Stück Zuhause mitten in der Stadt. Gleichzeitig fordert die Gegenwart heraus: Personalmangel, steigende Kosten, hohe Erwartungen an Qualität und Service. Gerade in solchen Zeiten ist es wichtig, starke Netzwerke im Rücken zu haben. Die Wirtschaftskammer NÖ begleitet den Betrieb – wie viele andere im Land – als kompetenter Ansprechpartner bei rechtlichen Fragen, Förderungen oder Lehrlingsausbildung. Schnell, effizient und praxisnah.
Gerade in herausfordernden Zeiten ist es wichtig, starke Netzwerke im Rücken zu haben. Wie die Wirtschafskammer NÖ.

Sabine Wagner
Café-Konditorei Wagner
80 Jahre nach der Eröffnung steht die Café-Konditorei Wagner noch immer für das, was 1946 den Anfang machte: Mut zur Selbstständigkeit, Freude am Handwerk und die Bereitschaft, sich mit jeder Generation neu zu erfinden.
Eine Sache des Zusammenspiels
Unternehmergeist in NÖ hat viele Facetten. In Groß-Siegharts sitzt Ingrid Klaner vor ihrem Laptop. Auf dem Bildschirm: Lieferketten, Abläufe, Strukturen. Sie analysiert, ordnet, optimiert. „Am Ende geht es immer um das Zusammenspiel – Design, Technik, Handwerk und die Menschen dahinter. Wenn ein Teil nicht greift, wirkt sich das auf alles aus.“ Hier setzt IngeniK Consulting an. 2025 gegründet, verbindet das Unternehmen Interior-Expertise mit strategischer Beratung in den Bereichen Supplier Relationship Management, Qualitätssicherung und Prozessdigitalisierung. Ziel ist es, komplexe Projekte effizienter, transparenter und nachhaltiger zu gestalten. „Ich reduziere Reibungsverluste, bevor sie teuer werden – und schaffe Strukturen, die langfristig funktionieren.“
Mehr als 15 Jahre internationale Erfahrung prägen Klaners Arbeitsweise. Nach der HTL für Innenraumgestaltung und Möbelbau führte ihr Weg in die internationale Projektleitung – von exklusiven Privatresidenzen bis zu den größten Luxusyachten. „Mich begeistert bis heute der gesamte Prozess – von der Idee bis zur Übergabe. Zu sehen, wie aus Planung Realität wird, ist jedes Mal besonders.“
Unterschiedliche Gewerke, Unternehmen und Kulturen zu koordinieren, wurde zu ihrer Stärke. „Komplexität muss man strukturieren – dann entstehen Lösungen.“ Der Schritt in die Selbstständigkeit war konsequent. Auch wenn reglementierte Gewerbe zusätzliche Nachweise und eine Befähigungsprüfung erforderten – trotz erweitertem MBA. „Herausfordernd, aber jeder Schritt war auch ein persönlicher Erfolg.“
Über das Gründungsprogramm des AMS Österreich entstand der Kontakt zur Wirtschaftskammer NÖ. In der WKNÖ-Bezirksstelle Waidhofen an der Thaya wurden Voraussetzungen geklärt, Nachweise geprüft, rechtliche Fragen abgestimmt und Förderungen abgewickelt. Die Einreichungen bei Bezirksbehörde und SVS liefen gesammelt über die Bezirksstelle. „Ein Termin, alles erledigt – das spart Zeit und Wege.“ Auch heute nutzt Klaner Fachveranstaltungen und Sprechtage für Austausch und Vernetzung. „Der Austausch mit anderen Unternehmerinnen und Unternehmern ist enorm wertvoll.“
IngeniK Consulting steht für strukturierte Analysen, klare Prozesse und digitale Lösungen. Doch im Kern bleibt es für sie menschlich: „Die besten Projekte entstehen dort, wo Professionalität, Vertrauen und Freude an der Zusammenarbeit zusammenkommen – wenn aus vielen Teilen ein stimmiges Ganzes wird.“
Wechselvolle Geschichte
Das gilt heute wie 1946 – als Karl Weissenböck im Mühlfeld in Neunkirchen sein kleines Unternehmen gründete. Welche Entwicklung seine Firma nehmen würde, ahnte er wohl kaum. „Vor 80 Jahren haben wir als Baufirma angefangen“, sagt Geschäftsführer Martin Amstler. „Rippendecken, Kamine – das war der Start. Diese Produkte gibt es heute nicht mehr. So wie die Kunden von damals.“ 1968 folgte ein Wendepunkt: die Fertiggaragenproduktion. 1989 kam das „Tegula“-Pflaster, zwei Jahre später das System „Rialta“. „Diese Schritte haben uns geprägt. Wir haben uns vom Bauunternehmen zu einem spezialisierten Hersteller entwickelt.“ 2026 stehen zwei Jubiläen an: 80 Jahre Werk Weikersdorf, 35 Jahre „Rialta“.
Heute bedient Weissenböck Gemeinden, Bauträger und private Hausbauer. Das Sortiment reicht von Pflaster- und Plattensystemen über Mauersteine bis zu Fertiggaragen. „Unsere Produkte sind in vielen Bereichen besser als die Norm: 25 % höhere Belastbarkeit, 90 % weniger Abwitterung, 17 % weniger Abrieb. 99 % der Rohstoffe stammen aus NÖ. Je hochwertiger die Rohstoffe und je präziser die technischen Parameter, desto langlebiger und schöner sind die Steine.“
Seit 2015 ist das Unternehmen Teil der Rohrdorfer Gruppe, 2019 kamen die Werke Bad Fischau und Gerasdorf dazu. „Seit 2020 investieren wir laufend in Modernisierung und Nachhaltigkeit“, sagt Amstler. „Wir sind der einzige Hersteller in Ostösterreich, der den CO2-Fußabdruck seiner Produkte mit zertifizierten Umwelt-Produktdeklarationen belegen kann. Bis 2040 wollen wir einen tatsächlich CO2-frei hergestellten Betonstein produzieren.“ Auch funktional entwickelt sich das Sortiment weiter: Neue Systeme ermöglichen die Versickerung von Regenwasser vor Ort. „Damit entlasten wir bei Starkregen die Kanalisation – das wird immer wichtiger.“
80 Jahre Weiterentwicklung. Was bleibt, ist der Anspruch: „Beste Qualität am Markt, verlässliche Partnerschaft mit unseren Kunden – und ein sicherer Arbeitsplatz für unsere Mitarbeiter.“
Wo Literatur lebendig wird
Ob 1946 oder heute: Am Anfang steht eine Idee. So auch bei Claudia Skopal, Jungunternehmerin und Inhaberin des Lesehauses in Krems. „Auch Wein kann man lesen“, sagt sie und lächelt. Warmes Licht fällt durch das große Fenster auf die sorgfältig kuratierte Buchhandlung. Persönlich geführt, mit Literatur auch in englischer Sprache und einer regionalen Weinabteilung – als augenzwinkernde Erweiterung des Lesens. Den Schritt in die Selbstständigkeit hat Skopal bewusst gewählt. Erfahrungen aus Kulturarbeit, Redaktion und Bibliothekswesen sollten in einem eigenen Projekt zusammenfließen. Ein Ort, an dem Literatur nicht nur verkauft, sondern in Gesprächen, Empfehlungen und Veranstaltungen lebendig wird. „Ich wollte meine Vision eigenverantwortlich umsetzen und Entscheidungen klar und schnell treffen können.“
Viele Fragen entstehen erst im Tun, gut, wenn man dann nicht alleine ist.
Claudia Skopal
Lesehaus
Auf dem Weg dorthin war die WKNÖ-Bezirksstelle Krems Begleiterin. Organisatorische Fragen, rechtliche Rahmenbedingungen, erste unternehmerische Schritte – vieles klärte sich im direkten Austausch. „Gerade in der Anfangsphase war es wichtig, eine kompetente Anlaufstelle zu haben, die strukturiert informiert und auf Augenhöhe berät.“ Viele Fragen entstehen erst im Tun, gut, „wenn man dann nicht alleine ist.“
Inzwischen ist das Lesehaus Treffpunkt und Bühne zugleich. „Am schönsten sind die Momente, wenn aus einer vagen Idee das passende Buch wird.“ Während neue Kooperationen entstehen und die digitale Sichtbarkeit wächst, bleibt der Kern klar: ein lebendiger Literaturort – gegründet mit Überzeugung und unterstützt von einem starken Netzwerk. Seit mittlerweile 80 Jahren.