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Christian Eder
© Harry Winkelhofer

Christian Eder

Schon seit 1951 führt Familie Eder die Bäckerei in Gumpoldskirchen in der Wienerstraße 35. Christian Eder ist seit 2018 am Ruder und hat das Unternehmen erfolgreich weiterentwickelt.

Lesedauer: 4 Minuten

Aktualisiert am 13.01.2026
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© WKNÖ

Junge Wirtschaft NÖ: Wie hast du deinen Nachfolgebetrieb gefunden? 

Die Bäckerei habe ich von meinen Eltern übernommen. Es war für mich und meine Geschwister eigentlich immer klar, dass sie jemand von uns übernehmen wird. Ganz freiwillig war es also nicht. Die Firma hat es gegeben und irgendjemand musste weitermachen. Ich bin nie so richtig gefragt worden, um ehrlich zu sein!

Was hat dich motiviert, den Betrieb zu übernehmen? Gab es einen besonderen Moment oder eine Person, die dich inspiriert hat?

Die Firma hat es immer gegeben und ich dachte, es wäre schade, wenn es die Bäckerei dann nicht mehr gäbe. Davor war ich ein „normaler“ Mitarbeiter bzw. der Sohn vom Chef natürlich. Als mein Vater von einem Tag auf den anderen verstorben ist, war überhaupt noch nichts besprochen wegen der Übernahme. Es war unvorhersehbar. Also habe ich nicht sofort gesagt, dass ich die Bäckerei übernehmen werde, sondern ich wollte mir das zuerst einmal für ein paar Monate anschauen, wie es ist. Dann können wir schauen ob wir weitermachen, habe ich gedacht. Und ich entschied mich schließlich, weiterzumachen. Irgendwann ist auch der Erfolg dann gekommen. Die Bäckerei ist immer besser geworden und es sind immer mehr Kunden etc. dazugekommen.

Wie hast du dich auf die Übernahme des Unternehmens vorbereitet?

Gar nicht. Das war, wie gesagt, von heute auf morgen, da hat es keine Anzeichen gegeben und deswegen auch keine spezielle Vorbereitung oder dergleichen.

Was war der größte Unterschied zwischen deinen Erwartungen und der Realität der Betriebsübernahme?

Große Erwartungen an die Arbeit in der Bäckerei habe ich nicht gehabt, weil ich eh schon immer da gearbeitet habe. Ich wusste also ziemlich genau, worauf ich mich da einlasse. Aber das Chefdasein ist natürlich schon etwas anderes. Man muss dann auch einmal jemanden kündigen und kann das eben nicht auf jemand anderen abwälzen, sondern man muss selbst sagen: Du musst heute gehen. Das ist schon etwas anderes. Und auch sonst kommen als Geschäftsführer natürlich neue Sachen auf dich zu.

Wo hast du Unterstützung gesucht und welche Hilfestellung hast du während des Übernahmeprozesses erhalten?

Ich habe einen externen Berater zu Hilfe gezogen – die Firma 'inpraxi Unternehmensberatung‘. Es ist ein deutsches Unternehmen, das sich ausschließlich um Bäckereien kümmert. Der Unternehmensberater hat dann gesagt: ‚Okay, die Firma ist zwar nicht ganz schlecht, aber ganz gut ist sie auch noch nicht. Wir müssen daran arbeiten.‘ Er hat mir dann erklärt, was wichtig ist und wie eine Bäckerei funktionieren kann. Es ging dabei um die Rohstoffe, um die Mitarbeiter oder auch darum, wie man neue Filialstandorte auswählt. All diese Entscheidungen habe ich mit ihm gemeinsam getroffen. Das war eine große Unterstützung für mich. Über Wochen und Monate haben wir diese Dinge dann umgesetzt. Und ich habe gemerkt, umso mehr wir umgesetzt haben, umso mehr ist auch der Erfolg gekommen. Über die Unternehmensberatung bin ich auch in eine Erfahrungsaustauschgruppe mit zehn anderen Bäckereien gekommen. Da konnte man sich gut mit Kollegen austauschen.

Wie hast du das bestehende Team in den Übernahmeprozess eingebunden?

Das erste, das ich gemacht habe, war es, sieben Mitarbeiter abzubauen. Sie wollten nicht mit mir an einem Strang ziehen und stattdessen alles machen, wie es bisher war. Irgendwann habe ich beschlossen, dass es nicht das ist, was ich machen will. Ich will Erfolg haben. Die Mitarbeiter, die die Veränderungen befürwortet haben und sich aktiv im Prozess einbringen wollten, sind schließlich geblieben. Gemeinsam haben wir neue Produkte entwickelt, Arbeitsschritte überdacht und effizienter gemacht, um Zeit einzusparen und wirtschaftlicher zu arbeiten.

Wie hat dir das bereits bestehende, langjährige Verhältnis zu deinem Team bei der Betriebsübernahme geholfen?

Es hat mir sehr geholfen. Denn die, die hinter mir gestanden sind, die wollen die Arbeit wirklich gerne machen und sind motiviert. Sie haben mich als Chef akzeptiert. 

Welche Veränderungen hast du nach der Übernahme im Unternehmen eingeführt?

Wir haben brandneue Produkte entwickelt, Arbeitsprozesse optimiert und neue Standorte generiert. Ich habe auch gelernt, Dinge, die wirtschaftlich nicht funktionieren, zu streichen. Also Kooperationen mit Kunden zu beenden, wenn sie die Preise heruntergedrückt haben oder ähnliches. Solche Entscheidungen muss man treffen, sonst geht das Unternehmen zugrunde.

Junge Leute, die an eine Betriebsnachfolge denken, … 

... sollten viel Durchhaltevermögen mitbringen. Es wird nicht gleich von Null auf Hundert starten. Man muss erst viel arbeiten und leisten, damit man dann Erfolge feiern kann. Erfolg kommt eben nicht von Anfang an, nicht von heute auf morgen. Gute Nerven und Durchhaltevermögen sind also besonders wichtig.

Eine Betriebsnachfolge ist kein gemachtes Nest, weil ... 

...  die Bürokratie in Österreich eine komplizierte Sache ist. Da gibt es nichts, was daran einfach ist – das ist viel Arbeit. Ich denke, man sollte sich das gut überlegen.

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