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Biervielfalt
© Prostock-studio | stock.adobe.com

Das Geschäft mit dem Bier

Fast 100 Brauereien: In Niederösterreich wird vorgelebt, wie sich Tradition, Wirtshauskultur und moderne Craft Beer-Ideen verbinden.

Lesedauer: 5 Minuten

29.10.2026

Eindrücklicher lässt sich eine Verbindung von Ort und Brauerei kaum demonstrieren. Ausgerechnet das alte Brauhaus hat alle verheerenden Brände in der Geschichte von Schrems unbeschadet überstanden. Heute dient es, mittlerweile denkmalgeschützt, als Wohnhaus. Die 1410 erstmals urkundlich erwähnte Brauerei ist übersiedelt, die regionale Verankerung geblieben. „Wir sind echt Waldviertel, stehen seit 600 Jahren für Waldviertler Brauhandwerk“, betont denn auch Geschäftsführer Karl Trojan, dessen Familie die Brauerei 1838 übernommen hat. Trojan führt sie in fünfter Generation. Die Übergabe an die sechste ist in Vorbereitung.

Karl Trojan
© Brauerei SchremsKarl Trojan führt die traditionelle Bierbrauerei Schrems.

„Wir stehen für ein Produkt, das nicht industriell gemacht wird“, umreißt er seine Philosophie. „Sondern mit Herz, mit Zeit, mit Emotion, mit Hand.“ Und mit Regionalität: Bereits 1995 wurde die „Erzeugergemeinschaft Ökoregion Waldviertel“ gegründet, über die sichergestellt wird, dass für Schremser Biere – mit einer Produktpalette vom Märzen und Pils bis zu Bio Roggen und Hanf, aber auch Bier Likör und Bier Gin – zu 100 Prozent regionale Zutaten verwendet werden. Seit 2006 ist man mit der Austria Bio Garantie zertifiziert. Das traditionelle Handwerk sei nicht zuletzt auch Basis für Innovation, ist Trojan überzeugt. „Tradition ist ein Fundament, das ein sicheres Standbein gibt. Auf dem kann man sich dann gut bewegen.“ Nachsatz: „Gerade auch in wirklich herausfordernden Zeiten – mit geänderten Konsumgewohnheiten und einer wirklich unfassbaren Regulatorik, die über uns hereingebrochen ist.“ 

Paul Haselböck
© Paul HaselböckPaul Haselböck schenkt den Gästen in seinem Wirtshaus selbstgebrautes HaselBräu ein.

Nahezu 100 Brauereien sind im Land aktiv – sogar auch in den klassischen Weingegenden. „In Niederösterreich wird nicht nur Wein getrunken, sondern auch richtig gutes Bier gebraut und gezapft“, resümiert Florian Bauer, der Geschäftsführer des Verbands der Brauereien Österreichs. Ein Stück weiter südlich im Waldviertel, und zwar in Münichreith (Bezirk Melk), ist die Braugeschichte noch etwas jünger. 1993 unternahm Paul Haselböck die ersten Versuche am Küchenherd, seit 1999 braut er sein eigenes Bier – das HaselBräu. Aus dem bestehenden Wirtshaus wurde eine Wirtshausbrauerei. „Wir wollten uns von klassischen Wirtshäusern abheben. Bier ist der perfekte Durstlöscher und ein guter Begleiter zum Essen“, ist Haselböck überzeugt.

Beim Brat‘l mitverkocht 

In der Küche spielt das Bier vom Ostrong ebenso eine wichtige Rolle wie in der Gaststube, speziell beim Brat‘l wird es gerne mitverkocht. „Bei uns trinkt jeder HaselBräu, die Gäste kommen ja deswegen!“ Wer erstmals einkehrt, sollte ein klassisches Helles probieren. „Es ist das meistgetrunkene Bier im Haus“, erklärt Haselböck. Zwischen 500 und 600 Hektoliter Bier braut er jedes Jahr. Dabei sorgt der Wirt und Bierbrauer für Abwechslung: Die Sorten wechseln saisonal, über das Jahr entstehen so rund 25 verschiedene Biere. Getrunken wird das HaselBräu nicht nur im eigenen Wirtshaus, sondern auch bei Wirtshauspartnern und Veranstaltungen. Wer das HaselBräu zuhause trinken möchte, bekommt es im eigenen Shop. Vor Ort gibt es auch Brauereiführungen mit Verkostung. „Regional muss man sehr, sehr stark und gut vertreten sein, sonst funktioniert das mit einer kleinen Brauerei nicht.“

Noch einmal anders interpretiert Peter Ferak das Bierbrauen. Mit seiner „6 beers brewing company“ in Breitenfurt (Bezirk Mödling) setzt er auf moderne Bierstile. Den Namen verbindet er mit seinem persönlichen Sixpack – und zwar seiner Familie. „Zusammen sind wir ein Sechser-Pack, meine Frau, meine Kinder und Schwiegerkinder geben mir viel Rückhalt“, erklärt er. Bieraffin war der gebürtige Tscheche schon immer. „Mit einer 20-Liter-Anlage habe ich einige Jahre für mich und meine Freunde gebraut. Das ist so gut angekommen, dass ich beschlossen habe, das gewerblich zu machen.“ Und das macht er nun seit zehn Jahren. Etwa 20.000 Liter Bier braut Ferak pro Jahr – das meiste davon macht er händisch, nur wenige Arbeitsschritte sind automatisiert.

Peter Ferak
© 6 beers brewing companyPeter Ferak setzt mit seiner "6 beers brewing company" auf moderne Bierstile.

Ein klassisches Lager-Bier gibt‘s bei „6 beers“ nicht. „Da gibt es schon genug gute in Niederösterreich. Ich konzentriere mich mehr auf die modernen Bier-Stile“, sagt er. Pale Ale, IPA oder Stout – mit intensiveren Geruchs- und Geschmacksnoten. Publikumsliebling im Sortiment ist das TropicAle, ein American Pale Ale, das bereits zwei Mal mit dem Staatsmeistertitel bei der Austrian Beer Challenge ausgezeichnet wurde.
Verkosten kann man Feraks Biere in mehreren Craft Beer Pubs in Wien, im Direktverkauf bei ihm und bei speziellen Ab Hof-Tagen. Im Moment bietet er sechs Sorten an. „Die Vielfalt ist sehr wichtig. Jeder soll sich das finden, was ihm am besten schmeckt. Denn jedem schmeckt etwas anderes. Hauptsache das Bier kommt aus der Region“, betont er.

schremser.at
wirtshausbrauerei.at
6beers.at

Uraltes Bierland

Niederöstereich ist ein sehr traditionsreiches Bierland: Die als Weinviertel bekannte Region ist das größte Braugerstengebiet Österreichs. Und die kleine Stadt Weitra im Waldviertel erhielt 1321 von König Friedrich dem Schönen ein Brau- und Meilenrecht – also das Recht, das von den Bürgern der Stadt gebraute Bier auch im Umland exklusiv ausschenken zu dürfen. Weitra ist damit die älteste Braustadt Österreichs. 
Über ein Drittel der NÖ Brauereien sind Hausbrauereien, mehr als ein Viertel der 361 Braustätten in Österreich haben ihre Heimat in Niederösterreich.

Österreichweit steht die Brauwirtschaft für:

  • 3.500 Beschäftigte
  • einen jährlichen Ausstoß von 9,25 Millionen Hektoliter im Jahr
  • allein an Biersteuer für eine Steuerleistung von 179 Millionen Euro
  • Die Bierexporte haben sich seit 2000 von rund 509.000 Hektolitern auf über eine Million Hektoliter verdoppelt.