Erfolgreich mit der HTS: Dietmar Schöner
Dietmar Schöner war von 1990 bis 1992 an der HTS St. Pölten und ist heute Gastronom in Mank und Obmann der Fachgruppe Gastronomie in der Wirtschaftskammer NÖ.
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Welche beruflichen Stationen haben Sie durchlaufen?
Gleich nach der Schule war ich auf Saison, dann beim Bundesheer. Ich bin relativ früh in den elterlichen Familienbetrieb zurückgekehrt, da dies notwendig war. So habe ich den umgekehrten Weg gewählt und vom Beruf aus noch viele Zusatzausbildungen gemacht: Gleich am Anfang habe ich die Konzessionsprüfung absolviert! Als der erste Jungsommelierkurs angeboten wurde, habe ich die Liebe zum Wein entdeckt. Geendet hat das dann mit dem Diplom-Sommelier. Auch durch andere WIFI-Kurse und Weiterbildungen habe ich versucht, das zu kompensieren, was ich durch fehlende Saisonarbeit nicht mitbekommen habe.
Auch außerhalb der Gastro sind Sie ja recht umtriebig.
Ja, Fußball ist eine meiner Leidenschaften, da war ich lange Obmann bzw. Nachwuchsleiter. Ich habe dann auch die Mostviertler Frühstücke gegründet, die das Ziel haben, die Wirte besser zu vernetzen. Dann kam die Anfrage der Wirtschaftskammer, die Bezirksleitung zu übernehmen und nun bin ich Obmann der Fachgruppe Gastronomie NÖ!
Wie würden Sie Ihr Unternehmen und Ihren Arbeitsalltag beschreiben?
Die Gastronomie ist fordernd und vielschichtig. Wir sind etwa ein Ganzjahresbetrieb mit vielen Veranstaltungen. Man muss aber auch selbst innovativ sein, um in den ruhigeren Zeiten auch etwas anzubieten. Ich arbeite auch sehr gerne mit jungen Leuten, mit Lehrlingen und Praktikant:innen.
Wie sehen Sie die Zukunft der Branche?
Die Gastronomie macht einen großen Wandel durch. Die klassischen Wirtshäuser, zu denen auch ich mich zähle, gehen zurück, die Kleinunternehmen werden aber mehr. Die insgesamte Anzahl der Mitgliedsbetriebe bleibt daher gleich, doch die großen Betriebe weichen sukzessive den kleinen. Nach wie vor stark im Kommen ist die Systemgastro. Aber das muss man trennen: Auf der einen Seite das schnelle Essen, wo ich ganz genau weiß, was ich bekomme, und auf der anderen Seite das klassische Wirtshaus oder Restaurant, wo man sich Zeit nimmt, zum Tisch setzt, genießt und sich vielleicht auch überraschen lässt.
Ihnen ist eine Interessensvertretung, „die nah an der Praxis ist“ wichtig. Ich nehme an, das gilt auch für die Ausbildung. Wie sehen Sie hier die Rolle einer HTS St. Pölten und der Betriebe?
Von der Gastronomie aus gesehen sollen die Tourismusschulen vor allem die Basics vermitteln. Unsere Aufgabe als Betrieb ist es, dies in berufliche Abläufe zu bringen und Praktikanten etwa dabei zu begleiten, einmal acht Stunden durchgehend zu arbeiten. Wir müssen Vertrauen und die Chance auf Entwicklung bieten, damit die jungen Leute die in der Schule erworbenen Fertigkeiten auch ausüben können. Es geht auch darum, den Spaß an der Sache zu vermitteln und aufrecht zu erhalten. Da lerne auch ich nach 25 Jahren Arbeit mit jungen Menschen immer wieder neu dazu. Da braucht es ein Gespür für Befindlichkeiten, von Liebeskummer bis zu anderen Problemen.
Wenn Sie seit 25 Jahren mit jungen Menschen in der Praxis arbeiten: Haben Sie da einen Wandel in der Einstellung und Herangehensweise der Jugendlichen bemerkt?
Ja, schon. Es ist alles viel kurzlebiger, der Bezug zu einem Unternehmen ist deutlich geringer und der Wunsch, sich mehrere Dinge in kürzerer Zeit anzusehen ist größer. Auch das Interesse an der eigenen Persönlichkeitsentwicklung nimmt eine höhere Priorität ein. Ich glaube aber nicht, dass die Jugend nicht mehr arbeiten will. Man muss es ihnen halt auch schmackhaft machen. Unser Hauptthema sind für Jugendliche die Wochenendarbeitszeiten. Da bist du als klassischer ländlicher Betrieb, der am Sonntag geöffnet hat, momentan am Arbeitsplatz Zweiter im Vergleich zu einem Restaurant, das am Sonntag geschlossen hat.
Zu Ihrer Schulzeit: Wie haben Sie diese Zeit erlebt?
Wir hatten noch den WIFI-Turm mit Internat, was sehr spannend war. Das hat sich sehr gut auf die Gemeinschaft ausgewirkt. Es gab Einzelzimmer und Gemeinschaftsräume. So hatte man auch mit dem Lehrpersonal mehr Bezug, weil die auch Erzieher waren. Ich bin sehr selbstständig geworden, wir mussten etwa alles selber putzen. Und durch die vielen Praxiseinsätze waren wir da sicherlich on top.
Gibt es Geschichten, Anekdoten oder besondere Erinnerungen?
Ich denke gerne an die gemeinsamen Busfahrten nach Wien, um dort in der Herrengasse, wo damals die Wirtschaftskammer noch angesiedelt war, zu arbeiten. Einmal sind wir nach unserem Praxisdienst noch an der Schank gestanden und haben uns ein Gläschen gegönnt. Unser Lehrer und Erzieher Leo Labenbacher hat uns beobachtet und konnte aber nicht zu uns kommen, um uns ins Internat zu beordern, da er schon im Trainingsanzug gekleidet war. Wir haben dann gemütlich unser Gläschen ausgetrunken und ihm „zugeprostet“. Die Folge war WC- und Reinigungsdienst für 2 Wochen, aber das war es uns damals wert.
Wie hat Ihnen die Tourismusschule bei Ihrer gegenwärtigen Tätigkeit geholfen?
Wichtig war mir immer, dass ich mich einbringe. Darum bin ich dann auch Schulsprecher geworden und hatte so einen anderen Bezug zu den Lehrern. Das hat meiner Persönlichkeitsentwicklung sehr gut getan.
Verfolgen Sie die Schulentwicklung bzw. wie hat sich die Schule im Vergleich zu Ihrer Zeit entwickelt?
Ich habe immer wieder Absolvent:innen und Praktikant:innen aus der Schule in meinem Betrieb. Von da her bekomme ich einiges mit, aber ich verfolge die Entwicklung auch aktiv mit, so gut ich kann. So kann ich sagen, dass sich die Schule hervorragend entwickelt hat und mit Direktor Michael Hörhan und seinem Team sehr gut aufgestellt ist. Die Schüler:innen haben ein sehr gutes Auftreten und haben hier sicherlich im Vergleich zu anderen die Nase vorn.
Was würden Sie Schulinteressierten raten?
Absolvent:innen einer Tourismusschule werden in allen Bereichen immer gesucht und gern gesehen. Was du hier lernst, nimmt dir keiner mehr weg, selbst wenn du nicht im Tourismus arbeitest.