Florian Felsberger
Mit ReStWOODS haben Florian, Manuel und Christof Felsberger 2021 den Schritt in die Selbstständigkeit gewagt. Möglich wurde das durch die Übernahme einer bestehenden Tischlerei in Rohr im Gebirge.
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Wie hast du deinen Nachfolgebetrieb gefunden?
Über Empfehlungen von Bekannten. Es hat sich herumgesprochen, dass wir auf der Suche nach einer Werkstatt sind. Daraufhin wurde uns der Tipp gegeben, dass wir mal bei Franz Weirer vorbeischauen sollten.
Was hat dich motiviert, den Betrieb zu übernehmen?
Eine gezielte Betriebsübernahme hatten wir gar nicht geplant. Wir haben Gefallen an Epoxidharztischen gefunden und die ersten Prototypen gefertigt. Daraufhin haben wir uns entschlossen, etwas Gewerbliches zu versuchen.
Gewerberechtlich muss man Tischlermeister sein, um einen Tisch fertigen und verkaufen zu dürfen. Deshalb habe ich mich beim Meisterkurs angemeldet und 2021 die Meisterprüfung absolviert. Dann ging eines ins andere.
Wie hast du dich auf die Übernahme des Unternehmens vorbereitet?
Gar nicht. Eigentlich wollten wir schauen, ob unser Geschäft mit den Tischen überhaupt funktioniert. Dazu wollten wir uns mit unserem Vorgänger zwei Jahre bis zu seiner Pension die Werkstatt teilen. Noch bevor wir in der Werkstatt waren, hat er allerdings gemeint, dass er doch schon in Pension gehen könnte. Drei Monate später waren wir dann die einzigen aktiven Tischler in der Region.
Unser Vorgänger war in unserer Anfangszeit aber viel anwesend und war bei vielen anfallenden Themen sehr behilflich.
Was war der größte Unterschied zwischen deinen Erwartungen und der Realität der Betriebsübernahme?
Der Verwaltungsaufwand. Die Übernahme fand statt, als die Energiepreise explodiert sind. Da waren wir tagelang beschäftigt, nur weil die Energiekonzerne plötzlich das Dreifache von den bereits hohen Energiepreisen verlangen wollten. Auch sonst haben uns viele Kleinigkeiten Zeit und Energie gekostet, damit am Papier alles ordnungsgemäß abgelegt ist.
Wo habt ihr Unterstützung gesucht und welche Hilfestellung habt ihr während des Übernahmeprozesses erhalten?
Unser Vorgänger hat ein externes Gutachten erstellen lassen, damit wir die Sicherheit hatten, dass die Betriebsstätte auch nach seiner Pensionierung weiterverwendet werden darf. Das war zwar sehr hilfreich, hat aber gleichzeitig auch für Verunsicherung gesorgt.
Besonders große Unterstützung haben wir von der AUVA erhalten. Die zuständigen Betreuer haben mit uns wirklich auf Augenhöhe gesprochen und uns sicherheitstechnisch auf Lösungswege geführt, die vorher unmöglich schienen.
Auch seitens der Wirtschaftskammer NÖ haben wir sehr hilfreiche Unterstützung erhalten. Hier mussten wir ein bisschen herumtelefonieren, bis wir die richtigen Kontakte für exakt unsere Anliegen hatten.
Wie hast du das bestehende Team in den Übernahmeprozess eingebunden?
Es war ein Mitarbeiter mit 20 Wochenstunden vorhanden. Kurz darauf hat der erste Lehrling begonnen und ein Jahr später ein Geselle, der bei unserem Vorgänger gelernt hat. Wegen des Generationenwechsels hat auch ein dementsprechender Technologiewandel stattgefunden. Im Grunde haben wir die Arbeitsweise komplett verändert.
Welche Veränderungen hast du nach der Übernahme im Unternehmen eingeführt?
Vor allem die Digitalisierung. Es gibt keine Besichtigung, bei der kein Tablet dabei ist. So werden Maße in Fotos eingezeichnet und über unseren Cloud-Dienst auf allen Geräten zur Verfügung gestellt. Unsere Entwürfe werden jetzt mit einem technischen Zeichenprogramm erstellt. So haben wir nicht nur schöne Entwürfe zu präsentieren, sondern es sind auch gleich alle Produktionsdaten vorhanden. Erst im März 2026 haben wir in ein Bearbeitungszentrum investiert, mit dem auch individuelle Wünsche wirtschaftlich umgesetzt werden können. So verschaffen wir uns einen wichtigen Vorteil gegenüber Küchen und Möbelstudios.
Junge Leute, die an eine Betriebsnachfolge denken, …
... sollten es einfach versuchen. Schlimmer als zu scheitern, ist die Angst vorm Scheitern.
Eine Betriebsnachfolge ist kein gemachtes Nest, weil …
... andere Generationen andere Arbeitsweisen haben. Unser Vorgänger hat es mit seiner Arbeitsweise bis in die Pension geschafft. Wir könnten so noch ein paar Jahre schaffen. Langfristig hat man ohne Digitalisierung aber leider keine Zukunft.