Industrielunch: Ruf nach „Pakt für Österreich“ zur Stärkung von Wachstum und Wettbewerbsfähigkeit
IV‑Generalsekretär Neumayer und WKNÖ‑Industriespartenobmann Schwarzl drängen auf Bündelung der Kräfte auf politischer und sozialpartnerschaftlicher Ebene – Staatsausgaben und Arbeitskosten zu hoch.
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„Wir haben ein echtes, strukturelles Problem. Das ist der Grund, warum wir konjunkturell nicht in die Gänge kommen.“ Hauptverantwortlich dafür seien nach wie vor zu hohe Energiekosten, immer weiter steigende Arbeitskosten, ein Mangel an Fachkräften, geopolitische Belastungen und insbesondere Überregulierungen, etwa durch die aktuell in Verhandlung stehende Entgelttransparenzrichtlinie. Diesen Befund zog Christoph Neumayer, der Generalsekretär der Industriellenvereinigung (IV), vor Spitzenvertretern niederösterreichischer Industriebetriebe beim Industrielunch der Sparte Industrie der Wirtschaftskammer Niederösterreich (WKNÖ). WKNÖ-Industriespartenobmann Helmut Schwarzl und Neumayer plädierten vor diesem Hintergrund für einen „Pakt für Österreich“, der durch eine Bündelung der Kräfte auf sozialpartnerschaftlicher wie auch politischer Ebene den Standort Österreich wieder auf den dringend benötigten Wachstumskurs bringen soll.
Wachstumsprognose: Nur Platz 184 unter 191 Ländern
„Es geht um große Reformen, einen Befreiungsschlag, den wir alle bräuchten“, so Neumayer unter Verweis darauf, dass etwa Österreichs Staatsausgaben viel zu hohe 55 Prozent des BIP ausmachen und damit um satte 30 Milliarden Euro über dem EU-Schnitt (49 Prozent) liegen. Und Schwarzl: „Leider ist noch nicht überall angekommen, wie unsere Situation ist.“ Es gehe um weniger Bürokratie, keine zusätzlichen Belastungen in finanzieller und regulatorischer Hinsicht und insbesondere auch um eine Verbesserung der Situation bei den Arbeitskosten. So verzeichnet Österreich bei den Lohnstückkosten seit 2019 einen massiven Anstieg – und liegt damit jetzt nicht nur deutlich über dem Schnitt der Eurozone, sondern auch über jenen von Mitbewerbern wie Deutschland, Schweden, Frankreich oder Italien. „Es geht um unsere internationale Wettbewerbsfähigkeit – und damit um Wohlstand, Arbeitsplätze und soziale Sicherheit“, warnt Schwarzl. Eine von Neumayer präsentierte Untersuchung zum prognostizierten Wirtschaftswachstum weist für Österreich lediglich Platz 184 unter 191 Ländern aus, direkt hinter Russland und knapp vor Mikronesien.
Rasche und konsequente Umsetzung der Industriestrategie
Die von der Bundesregierung präsentierte Industriestrategie geht für den IV-Generalsekretär in die richtige Richtung, er mahnt allerdings Tempo bei der Umsetzung ein. Laut Neumayer sind von 117 in der Strategie genannten Maßnahmen bis dato acht umgesetzt, elf befinden sich im Umsetzungsprozess, zwölf in Abstimmung innerhalb der Bundesregierungskoalition.