Jacob Putz
Jacob Putz führt das Familienunternehmen Silo Maierhofer in Loosdorf in dritter Generation – mit Vertrauen ins Team und eigenen Ideen für die Zukunft.
Lesedauer: 4 Minuten
Wie und wann hast du deinen Nachfolgebetrieb gesucht bzw. gefunden?
Wir sind ein Familienunternehmen: Mein Großvater hat die Firma 1960 mit einem Lkw gegründet, später hat mein Vater den Betrieb übernommen und weiterentwickelt. Seit April 2025 bin ich Geschäftsführer.
Für meinen Großvater war zu seinen Lebzeiten eigentlich immer klar, dass ich irgendwann einmal übernehmen soll. Mein Vater hat das aber sehr gut gemacht: Er hat mir diesen Weg nie aufgezwungen und keinen Druck aufgebaut. Für mich war offen, ob und wann ich ins Unternehmen einsteigen werde. Genau das war wichtig, weil Nachfolge aus meiner Sicht nur funktioniert, wenn sie nicht erwartet, sondern wirklich gewollt ist.
Was hat dich motiviert, den Betrieb zu übernehmen? Gab es einen besonderen Moment oder eine Person, die dich inspiriert hat?
Die Person, die mich am meisten inspiriert hat, war ganz klar mein Großvater. Er hat das Unternehmen von Null weg aufgebaut. Mich hat immer beeindruckt, mit wie viel Herzblut, Leidenschaft und Unternehmergeist er den Betrieb entwickelt hat. Ein besonderer Moment war für mich, als ich in seinen letzten Tagen bei ihm war und ihm versprochen habe, gut auf sein Lebenswerk aufzupassen.
Diese Formulierung war mir bewusst wichtig: Ich habe ihm nicht versprochen, alles genauso weiterzuführen wie bisher. Sondern ich habe mir selbst auch die Freiheit gelassen, das Unternehmen nach meiner eigenen Überzeugung zu gestalten und weiterzuentwickeln.
Wie hast du dich auf die Übernahme des Unternehmens vorbereitet?
Meine Ausbildung habe ich bewusst gewählt: zuerst die Handelsakademie und danach ein Studium im Bereich Logistik und Supply Chain Management. Nicht nur, weil es fachlich gut zur Nachfolge passt, sondern vor allem, weil es genau das widerspiegelt, was mich wirklich interessiert.
Genauso wichtig war mir aber, nicht direkt nach der Ausbildung ins Familienunternehmen einzusteigen. Ich wollte zuerst in einem anderen Unternehmen Erfahrung sammeln, andere Strukturen kennenlernen und sehen, wie Führung, Organisation und Zusammenarbeit außerhalb des eigenen Betriebs funktionieren.
Was war der größte Unterschied zwischen deinen Erwartungen und der Realität der Betriebsübernahme?
Der größte Unterschied zwischen Erwartung und Realität war wahrscheinlich, dass ich mir im Vorfeld vieles schwerer vorgestellt habe, als es dann tatsächlich war.
Der Respekt vor der Aufgabe war riesig. Ich habe bei meinem Vater über viele Jahre gesehen, wie viel Zeit, Energie und Verantwortung die Führung eines Betriebs mit mehr als 50 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern bedeutet. Deshalb bin ich sicher nicht leichtfertig in diese Rolle gegangen.
Rückblickend auf das erste Jahr kann ich aber sagen: Eine gute Portion Respekt war absolut richtig und notwendig, viele Sorgen waren im Nachhinein aber unbegründet. Man wächst mit der Aufgabe, vor allem wenn man ein gutes Team um sich hat und nicht glaubt, alles alleine lösen zu müssen.
Wo hast du Unterstützung gesucht und welche Hilfestellung hast du während des Übernahmeprozesses erhalten? Eventuell auch durch externe Berater:innen?
Die wichtigste Unterstützung war und ist für mich mein Vater. Er steht mir bis heute mit Rat und Tat zur Seite und ist immer da, wenn ich ihn brauche. Das ist gerade in einem Familienunternehmen sehr wertvoll, weil er den Betrieb bestens kennt.
Im eigentlichen Übernahmeprozess habe ich mir zusätzlich externe Unterstützung geholt. Ein Coach hat mich dabei begleitet, mich bewusst auf meine neue Rolle, die Verantwortung und die anstehenden Herausforderungen vorzubereiten.
Sehr hilfreich waren auch die Expertinnen der Wirtschaftskammer, die uns im Übergabeprozess unterstützt haben. Gerade bei so einem Schritt ist es wichtig, nicht alles allein lösen zu wollen, sondern gezielt auf Erfahrung und Fachwissen von außen zurückzugreifen.
Wie hast du das bestehende Team in den Übernahmeprozess eingebunden?
Ich habe ein sehr gut funktionierendes Team übernommen und wurde von den Kolleg:innen von Beginn an sehr gut aufgenommen. Das war für mich im Übernahmeprozess enorm wertvoll.
Mir war wichtig, das Team nicht nur zu informieren, sondern im Alltag aktiv einzubinden: zuhören, Fragen stellen und die Erfahrung der Mitarbeiter nutzen. Jeder Mitarbeiter ist in seinem Bereich ein Experte und bringt einen großen Schatz an Wissen mit. Dieses Wissen war und ist für mich besonders wertvoll.
Welche Veränderungen hast du nach der Übernahme im Unternehmen eingeführt?
Mir war nach der Übernahme ein sanfter Einstieg wichtig. Ich wollte nicht sofort alles verändern, nur um Veränderung zu zeigen. Das war auch nicht notwendig, weil ich ein gesundes und funktionierendes Unternehmen übernehmen durfte.
Mein Ansatz war daher: zuerst zuhören, verstehen und Vertrauen aufbauen. Einige Veränderungen habe ich trotzdem rasch eingeführt, zum Beispiel regelmäßige Mitarbeitergespräche und das „Du“ im Unternehmen, weil mir eine offene und direkte Kommunikation wichtig ist.
Junge Leute, die an eine Betriebsnachfolge denken, …
... sollten sich nicht zu viele Gedanken darüber machen, was alles schiefgehen könnte. Eine gewisse Portion Respekt ist wichtig, aber man darf sich davon nicht lähmen lassen.
Eine Betriebsnachfolge ist (k)ein gemachtes Nest, weil …
... man sich jeden Tag aufs Neue beweisen muss. Natürlich übernimmt man etwas Bestehendes, im besten Fall ein funktionierendes Unternehmen. Aber das bedeutet nicht, dass der Erfolg automatisch weitergeht.