Zum Inhalt springen
Veit Schmid-Schmidsfelden
© Erich Marschik

Metalltechnische Industrie NÖ: Vertrauen in heimischen Produktionsstandort sinkt

IWI-Studie zeigt deutlichen Rückfall gegenüber EU-27 - MTI-Obmann Schmid-Schmidsfelden drängt auf Entlastungen bei Abgaben und Steuern

Lesedauer: 4 Minuten

Aktualisiert am 31.08.2026

Das Vertrauen der heimischen Industrie in den Standort Österreich sinkt. Das belegen neue Daten des Industriewissenschaftlichen Instituts (IWI). Zwischen Februar und Juni 2026 ist demnach der Vertrauensindex der Industrie (er spiegelt das Verhältnis zwischen positiven und negativen Einschätzungen der Industriebetriebe) von –12,1 auf -14,6 weiter abgerutscht. Zum Vergleich: Im Mittelwert der EU-27 liegt der Vertrauenssaldo mit -7,5 zwar auch im negativen Bereich, aber deutlich besser als in Österreich – und er hat sich im Gegensatz zur heimischen Entwicklung seit Februar verbessert (von -8,1). „De facto liegen die negativen Einschätzungen bei uns also fast doppelt so hoch als im EU-Schnitt. Das ist ein weiteres Alarmsignal“, kommentiert Veit Schmid-Schmidsfelden, der Obmann der Metalltechnischen Industrie NÖ (MTI NÖ), diese Entwicklung. Zuletzt hatte schon Helmut Schwarzl, der Obmann der Sparte Industrie der Wirtschaftskammer Niederösterreich (WKNÖ) gewarnt, dass bereits mehr als 40 Prozent der Industriebetriebe überlegen, mittelfristig ihre Produktion komplett oder teilweise ins Ausland zu verlegen.    

Nachhinken bei Direktinvestitionen aus dem Ausland  

Noch ein weiteres Ergebnis der IWI-Studie belegt ebenfalls mangelndes Vertrauen in den heimischen Produktionsstandort – diesmal vom Ausland her. Denn auch bei den Direktinvestitionen aus dem Ausland hinkt Österreich hinterher. Hierzulande machen die Bestände an ausländischen Direktinvestitionen 44% des BIP aus, im Schnitt der EU-27 sind es dagegen 81%. Und zieht man zum Vergleich nur die OECD-Top3-Performer Niederlande, Irland und die Schweiz heran, kommt man sogar auf einen Mittelwert von über 211%. „Das zeigt, dass ähnlich kleine Volkswirtschaften wie Österreich durchaus besser bei ausländischen Direktinvestitionen reüssieren können.“ 

Ohne Planbarkeit und Verlässlichkeit fehlen Investitionen und drohen Abwanderungen 

Für Schmid-Schmidsfelden ist ein Gegensteuern unerlässlich und dringend. „Wir müssen dringend wieder das Vertrauen in den Standort stärken – und das gelingt am besten mit absoluter Verlässlichkeit bei den politischen Rahmenbedingungen und Entlastungen bei Abgaben und Steuern“, so Niederösterreichs MTI-Obmann.

Entscheidend sei insbesondere, dass wirtschaftspolitische Aussagen seitens der Bundespolitik unbedingt „halten“ müssen. Als negatives Beispiel führt Schmid-Schmidsfelden Änderungen bei der Forschungsprämie an, die als Verbesserungen kommuniziert wurden, durch eine im Hintergrund erlassene Verordnung des Finanzministeriums tatsächlich aber zu drastischen Verschlechterungen für die heimischen Industriebetriebe geführt hätten – was erst im April nach heftigen Protesten seitens der Industrie repariert wurde. „So etwas können und dürfen wir uns nicht leisten“, so Schmid-Schmidsfelden. „Betriebe brauchen Planbarkeit und Verlässlichkeit. Wo diese Verlässlichkeit erschüttert wird, fehlen in Reaktion darauf rasch Investitionen und letztlich Betriebe, die sich ganz oder teilweise einen anderen Standort suchen.“ 

„Steuerkeil“ muss reduziert werden 

Zugleich drängt Schmid-Schmidsfelden auf finanzielle Entlastungen bei Steuern und Abgaben – insbesondere im Bereich der Arbeitskosten. Laut IWI-Untersuchung liegt Österreich beim sogenannten „Steuerkeil“, der angibt, welcher Anteil der Arbeitskosten des Unternehmens letztlich nicht bei Mitarbeiterin oder Mitarbeiter, sondern als Steuern und Abgaben beim Staat landen, nur auf Platz 35 unter 38 OECD-Ländern. Laut IWI sind es in Österreich 47,1% der Arbeitskosten, die nicht in der Geldbörse der Beschäftigten landen. Zum Vergleich: Im Mittelwert der EU-27 sind es nur 41,7%, im Mittelwert der OECD-Länder sogar nur 35,1%. Auch hier muss sich im Interesse des Erhalts unseres Industriestandorts unbedingt etwas ändern“, betont Schmid-Schmidsfelden. „An der Senkung der Lohnnebenkosten kann und darf es kein Rütteln geben.“ 

„Key Facts zum Produktionsstandort“ 

Das Industriewissenschaftliche Institut (IWI) hat im Auftrag der Metalltechnischen Industrie unter dem Titel „Key Facts zum Produktionsstandort“ eine Online-Broschüre mit Kerndaten zu für die Produktionswirtschaft essenziellen Rahmenbedingungen erstellt. Die heimischen Daten werden dabei jeweils dem Schnitt der EU-27 bzw. der OECD gegenübergestellt. Ein Ampelsystem macht vorhandene Stärken bzw. Schwächen des heimischen Produktionsstandorts und damit verbunden potenzielle politische Handlungsfelder plakativ sichtbar. Die Daten gliedern sich in fünf Abschnitte:

  •  Wettbewerb und Konjunktur
  • Produktionskosten
  • Humankapital
  • Gesellschaftliches Umfeld und
  • FTI-Bedingungen.

Regelmäßige Updates am Ende jedes Quartals sorgen für Aktualität. 

Die Metalltechnische Industrie umfasst in Niederösterreich insgesamt 289 aktive Betriebe mit rund 24.200 Beschäftigten. 975 Lehrlinge erhalten in 93 eine Ausbildungsbetrieben eine hochqualifizierte Ausbildung. 

Metalltechnische Industrie - Niederösterreich - WKO

Veit Schmid-Schmidsfelden
© Erich Marschik Veit Schmid-Schmidsfelden, Obmann der Metalltechnischen Industrie NÖ