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Mut hat viele Richtungen

Jet-Antriebe, Lesepartys und Hightech-Anlagen: Drei NÖ Unternehmen, drei unterschiedliche Wege in neue Märkte. Begleitet werden sie dabei von der WKNÖ.

Lesedauer: 6 Minuten

Aktualisiert am 23.09.2026

Den Kopf tief über den Motor gebeugt, setzt der Techniker sein Werkzeug an. Routiniert. Zielsicher. Vor ihm: Leitungen, Metallteile, Anschlüsse. Ein kompakter Hochleistungsantrieb, an dem bei Belassi in Leiben im Bezirk Melk gearbeitet wird. Doch was hier im südlichen Waldviertel entwickelt und produziert wird, ist nicht dafür gedacht, in Niederösterreich zu bleiben. „Der spezialisierte Markt für kompakte Marineantriebe ist global ausgerichtet“, erklärt Geschäftsführer Christopher Wilkinson mit Blick auf das geschäftige Treiben in der Werkhalle. Internationalisierung war für Belassi daher nicht irgendwann der nächste Schritt. Sie gehörte von Anfang an zur Strategie. „Wir entwickeln hier Hochleistungsmotoren und komplette Jet-Antriebe für Boote und Tender. Und unsere Motoren treiben am Ende auch Jetskis und andere Wasserfahrzeuge an.“ Der Standort ist Niederösterreich, der Markt die Welt. Werften, Bootsbauer, OEMs – also Hersteller, die Komponenten in ihre eigenen Produkte integrieren – und Vertriebspartner sitzen vielfach im Ausland. „Früh war klar, dass Wachstum nur durch internationale Partnerschaften und neue Exportmärkte möglich ist“, führt Wilkinson weiter aus. Einer dieser Wege führte jüngst nach Italien. Dort setzt das Unternehmen Besnati bei seiner Beiboot-Serie auf Motoren aus Niederösterreich. 
Doch der Weg von der Werkhalle zum internationalen Kunden ist kein Selbstläufer. Zulassungen unterscheiden sich, Technik braucht Anpassungen, passende Vertriebs- und Servicepartner wollen gefunden werden. „Als (nieder)österreichischer Spezialist müssen wir uns in einem Markt behaupten, der von großen Konzernen geprägt ist. Entscheidungswege, Zulassungen und Erwartungen unterscheiden sich stärker, als man zu Beginn oft vermutet“, weiß Wilkinson.

Besonders schätzen unsere Kunden die persönliche Betreuung.

Genau hier holte sich Belassi Unterstützung bei der Wirtschaftskammer Niederösterreich über das Förderprogramm go-international. Welche Exportchancen bietet ein Markt? Welche Förderungen gibt es? Wie lassen sich internationale Aktivitäten vorbereiten? Belassi nutzt Informationen zu Zielmärkten und Exportmöglichkeiten ebenso wie Unterstützung bei der Planung konkreter Auslandsvorhaben. 

Kompetenter Ansprechpartner

Über go-international konnte das Unternehmen auf Teams in verschiedenen Ländern zurückgreifen und so seine Aktivitäten in ausgewählten Märkten gezielter vorantreiben. Das Netzwerk wuchs, neue Kontakte zu qualifizierten Unternehmen kamen hinzu, Messeauftritte und Marktentwicklungsinitiativen ließen sich effizienter angehen. „Besonders schätzen wir die persönliche Betreuung, die praxisnahen Informationen und den unkomplizierten Austausch“, freut sich Wilkinson über die gute Zusammenarbeit. „Für ein spezialisiertes niederösterreichisches Unternehmen ist ein kompetenter Ansprechpartner bei Auslandsvorhaben besonders wertvoll.“

Erfahrung und neue Kunden

Und aus den Auslandsmärkten kommt auch etwas zurück: Erfahrung. Unterschiedliche Anforderungen und Anwendungen liefern wertvolles Know-how, das direkt in die Produktentwicklung einfließt – und so den Standort in NÖ stärkt.
Stillstand ist ohnehin nicht vorgesehen. Die Reise geht weiter. Der nächste Blick geht über den Atlantik. Belassi will seine Präsenz in Nordamerika ausbauen und dort weitere Bootsbauer, OEMs und Händler als Partner gewinnen. Parallel entwickelt das Unternehmen Anwendungen für kompakte Jetboote, Berufsboote und emissionsarme Antriebslösungen. Mehrere Kunden befinden sich derzeit in der Prototypenphase. „Das ist für uns eine Phase, in der Unterstützung und harte Arbeit gefragt sind.“

Und sein Rat für Unternehmen, die den Schritt ins Ausland erst vor sich haben? „Nicht auf den perfekten Moment warten.“ Eine klare Positionierung, realistische Zielmärkte und verlässliche Partner vor Ort seien entscheidend. Und noch etwas: „Man sollte frühzeitig das Netzwerk der Wirtschaftskammer NÖ mit ihren Angeboten und Services nutzen. Gute Vorbereitung reduziert Risiken und beschleunigt den Markteintritt erheblich.“

Gemeinsam Lesen mit Austausch

Szenewechsel. Die Landschaft zieht am Zugfenster vorbei. Deutschland, irgendwo auf dem Weg nach Bremen. „Überrascht hat uns beim Eintritt in den neuen Markt eigentlich nichts – außer, dass eine Zugfahrt nach Bremen ganz schön lange dauern kann“, erzählt Maiken Greimel mit einem Augenzwinkern. Die geschäftsführende Gesellschafterin von Putz & Stingl in Mödling exportiert allerdings keine Motoren. Sondern eine Idee. Die Agentur vereint Social Media, PR und Events und entwickelt daneben eigene Projekte für den deutschsprachigen Markt. Eines davon ist der ReadUp Club. 

Readupclub
© Putz & Stingel

Anfang 2025 feierte die erste Leseparty in Wien Premiere. Rund 50 Menschen treffen sich für drei Stunden, bringen ihr Lieblingsbuch mit, lesen, plaudern und lernen einander kennen. Kein klassischer Buchclub, kein Silent Reading, sondern gemeinsames Lesen mit Austausch.

Lass die Idee über Wien hinaus funktioniert, zeigte sich schnell: Vier ReadUps waren ausverkauft, Graz folgte, weitere Städte meldeten Interesse. „Im Juni 2025 haben wir erstmals über das Ausland nachgedacht“, erinnert sich Greimel. Im Herbst startete ReadUp in Deutschland – mit einer Herausforderung: „Der Aufbau eines eigenen Netzwerks ist kräftezehrend und zeitintensiv.“

Wir haben uns zu jeder Zeit abgeholt und bestens beraten gefühlt.

Starthilfe fürs Ausland

Unterstützung holte sich Putz & Stingl über go-international. Mit dem Internationalisierungs- und dem Digital-Marketing-Scheck wurden der Markteintritt sowie die Kunden- und Partnergewinnung unterstützt. „Gerade im Marketing entstehen schnell enorm hohe Kosten. Durch die Förderung war es für uns leistbar, unsere Zielgruppe schon in einem frühen Stadium in einem anderen Land aufzubauen und zu erweitern.“

Mittlerweile ist aus der ersten Wiener Leseparty ein internationales Netzwerk geworden. Im September kam die Schweiz hinzu. Mehr als 30 ReadUp-Chapter gibt es dann insgesamt. Für Greimel ist der nächste Schritt auch Ergebnis der Erfahrungen, die das Unternehmen bei seiner ersten Expansion gesammelt hat. „Wir haben uns zu jeder Zeit von den Experten der Wirtschaftskammer NÖ abgeholt und bestens beraten gefühlt und so auch den Mut gefasst, die Schweiz in unser Leseparty-Portfolio aufzunehmen.“ Dass ein Schritt ins Ausland trotzdem Überwindung kosten kann, kennt Greimel. Hier empfiehlt sie eine Methode aus dem eigenen Team: „Den Worst Case aufschreiben, nüchtern bewerten und überlegen, wie er sich abfedern lässt. Diese Art von Reframing hilft immer“, meint sie und greift zum Buch. 

Mehr als 100 Länder

Neuer Schauplatz: Am Hafen von Constanța werden Getreide, Düngemittel und andere Schüttgüter für den Weitertransport umgeschlagen. Mittendrin steckt Technologie aus NÖ. Cimbria, in Stockerau mit der Zweigstelle Cimbria Heid GmbH vertreten, hat für UMEX Lösungen für ein neues Getreide- und Düngemittelterminal geplant und geliefert. Für Cimbria ist das Schwarze Meer nur einer von vielen Schauplätzen. Mehr als 100 Länder werden heute bedient, in 45 arbeitet das Unternehmen mit Partnern und Händlern zusammen. 1953 verlegte Cimbria seinen Hauptsitz nach Thisted in Dänemark und legte damit den Grundstein für das internationale Wachstum des Unternehmens. Heute reichen die Lösungen vom Reinigen, Sortieren und Trocknen von Schüttgütern bis zu Automatisierung und KI-gestützter optischer Sortierung.

Cimbria Heid GmbH
© Cimbria Heid GmbH

Wie wichtig Nähe trotz globaler Märkte bleibt, zeigte zuletzt eine vom AußenwirtschaftsCenter Bukarest der Wirtschaftskammer Österreich organisierte Wirtschaftsmission zum Hafen von Constanța. Dort konnte Cimbria seine Lösungen präsentieren, potenzielle Partner persönlich treffen und weitere Kooperationsmöglichkeiten ausloten. „Gerade in Märkten, in denen lokale Kenntnisse und verlässliche Kontakte entscheidend sind, kann diese Unterstützung einen echten Unterschied machen“, weiß Lars Dithmer, Präsident von Cimbria.

Lokales Know-how und gute Kontakte können den Unterschied machen. 

Neben Europa sieht Cimbria vor allem in den USA und Brasilien weiteres Wachstumspotenzial. Gleichzeitig investiert das Unternehmen in KI, Software und optische Sortiertechnologien. Entscheidend sei, jene Märkte auszuwählen, in denen das eigene Know-how echten Mehrwert schafft – „und dort möglichst nah an den Kunden zu sein.“ Auch mit Unterstützung der Wirtschaftskammer NÖ und ihrem weltweiten Netzwerk. 
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