Neue Studie: NÖ Automotive Zulieferindustrie steht österreichweit für über sechs Milliarden Euro an Umsätzen und rund 24.400 Arbeitsplätze
WKNÖ-Industriespartenobmann Schwarzl: „Wesentlicher Faktor für den Wirtschafts- und Industriestandort Niederösterreich“ – Aber schwierige Wettbewerbssituation – Schwarzl drängt auf rasche Senkungen bei Lohnnebenkosten und Energiekosten
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Porsche und Audi, Dacia und Mercedes, Tesla und Peugeot, VW und noch viele mehr: Die Zahl der Automarken, in denen Bestandteile „made in Niederösterreich“ verarbeitet sind, ist viel größer und umfangreicher, als wohl gemeinhin vermutet wird. Die Sparte Industrie der Wirtschaftskammer Niederösterreich (WKNÖ) hat nun mit einer Studie die Automotive Zulieferindustrie im Land näher durchleuchtet. Die Kernergebnisse: Die 163 in diesem Bereich aktiven NÖ Unternehmen stehen österreichweit für einen Gesamtumsatz von in Summe 10,45 Milliarden Euro, wovon 6,23 Milliarden Euro (inkl. indirekte und induzierte Effekte) auf den Automotiven Bereich entfallen (der Rest auf andere Geschäftsfelder, in denen die Betriebe ebenfalls aktiv sind). Die gesamtwirtschaftliche Wertschöpfung in Österreich liegt bei 1,94 Milliarden Euro. Zugleich stehen hinter Niederösterreichs Automotiver Zulieferindustrie volkswirtschaftlich österreichweit rund 24.400 Arbeitsplätze mit Entgelten von in Summe etwa 1,1 Milliarden Euro. Allein an Lohnsteuern und Dienstgeberbeiträgen zu Familienfonds werden in Summe über 160 Millionen Euro im Jahr bedingt.
"Sicherung der Wettbewerbsfähigkeit bedeutet Sicherung von Wohlstand"
„Niederösterreichs Automotive Zulieferindustrie ist nicht nur ein wesentlicher Faktor für den Wirtschafts- und Industriestandort Niederösterreich, sondern wirkt sich für die gesamte österreichische Volkswirtschaft positiv aus“, betont Helmut Schwarzl, der Obmann der Sparte Industrie der Wirtschaftskammer Niederösterreich (WKNÖ). „Zugleich beweist das einmal mehr, wie wichtig stabile und wettbewerbsfähige Rahmenbedingungen für unsere Industrie sind. Sicherung der Wettbewerbsfähigkeit bedeutet auch Sicherung von Wohlstand und Arbeitsplätzen – mit allen negativen Begleiterscheinungen, wenn diese Wettbewerbsfähigkeit nicht gegeben ist.“
15.500 Beschäftigungsverhältnisse mit 775 Millionen Euro an Entgelten in NÖ gesichert
Direkt werden in der niederösterreichischen Automotiven Zulieferindustrie gemäß der vom Industriewissenschaftlichen Institut (IWI) erstellten Studie Umsätze von 3,44 Milliarden Euro und eine Wertschöpfung von über 850 Millionen Euro erwirtschaftet. Dazu kommen über eine halbe Milliarde Euro an Entgelten für rund 9.700 Beschäftigte. Inklusive der indirekten und induzierten Effekte schafft und sichert die NÖ Automotive Zulieferindustrie allein in Niederösterreich über 15.500 Beschäftigungsverhältnisse mit fast 775 Millionen Euro an Entgelten sowie eine Wertschöpfung von 1,34 Milliarden Euro.
Breite Produktpalette - PKW-Premiumklasse als Hauptabnehmer
Die Produktpalette der NÖ Automotiven Zulieferindustrie ist vielfältig und breit gestreut. Filter und Abgasrohre finden sich ebenso wie etwa Autoteppiche und -schonbezüge, Abgasprüfstände, Bremssysteme, Profile, Lichtsysteme oder Gummielemente. Über zwei Drittel (68 Prozent) der Unternehmen geben an, dass ihre Produkte in der PKW-Premiumklasse zum Einsatz kommen. Weiters: Elektromobilität (58 Prozent), PKW-Volumenklasse (53 Prozent) und LKW (47 Prozent).
Zuletzt Rückgänge bei Umsätzen und Beschäftigten
Der starke Wandel im Bereich der Mobilität zwingt zu ständigen Technologieanpassungen – und Weiterentwicklungen. Dazu verschärft sich gerade auch im Bereich der Automotiven Zulieferindustrie der internationale Wettbewerb. 63 Prozent der Unternehmen bezeichnen den Konkurrenzkampf auf internationalen Märkten als „sehr groß“, 37 Prozent als „eher groß“. Und die in Österreich zuletzt nicht einfachen Rahmenbedingungen – Stichwort Energiekosten, Stichwort Inflation – machen die Situation nicht leichter. Der Umsatz der Automotiven Zulieferindustrie in Niederösterreich ist von 2023 auf 2024 um rund 10 Prozent eingebrochen und 2025 auf dem verringerten Niveau geblieben. Zugleich gingen in den letzten beiden Jahren rund 900 Arbeitsplätze verloren. „Im Gegensatz zu früheren Krisen gelingt es den Unternehmen nicht mehr, den Beschäftigtenstand auch in herausfordernden Zeiten zu halten, die Belastung durch die konstant hohen Faktorkosten nimmt stetig zu und wird zu groß, sodass die Unternehmen reagieren und gegensteuern müssen“, analysiert Studienautor und IWI-Chef Herwig Schneider.
Lohnnebenkosten, Fachkräfte und Energiekosten als Schlüssel im Wettbewerb
Als wichtigste Schlüssel für den zukünftigen Unternehmenserfolg werden von den Unternehmen in der IWI-Studie wettbewerbsfähige Lohnnebenkosten genannt, gefolgt von einer ausreichenden Zahl qualifizierter Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sowie leist- und kalkulierbaren Energiekosten. „Sowohl bei den Lohnnebenkosten, wie auch bei den Energiekosten sind wir gegenüber der europäischen und globalen Konkurrenz im Nachteil“, warnt Industrie-Spartenobmann Schwarzl. „Umso wichtiger ist es, die angekündigten Erleichterungen bei Strompreisen jetzt so rasch es nur geht auf Schiene zu bringen. Und auch Lohnnebenkostensenkungen dürfen nicht einfach auf die lange Bank geschoben werden.“ Überdies drängt Schwarzl auf eine faire Besteuerung zwischen Vollzeit- und Teilzeitarbeit, um verstärkte Anreize für Vollzeitarbeit zu setzen, und einen verstärkten Fokus auf Deutsch und Mathematik in den Schulen, damit sichergestellt ist, dass Schulabgängerinnen und -abgänger jedenfalls über für die Betriebe notwendige Kernkompetenzen verfügen. Die von der Bundesregierung präsentierte „Industriestrategie Österreich 2035“ setze in vielen Bereichen nötige und lange geforderte Weichenstellungen, etwa bei Energie, Entbürokratisierung,
Schlüsseltechnologien oder Exportkontrolle. Jetzt gehe es um eine rasche und praxisnahe Umsetzung. Und es gebe weiteren Handlungsbedarf. Schwarzl: „Unser Wirtschaftsstandort muss auch ein starker und zukunftskräftiger Industriestandort sein.“