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Industriefrühstück Sandra Kern Helmut Schwarzl
© Tanja Wagner

Paradoxon am Arbeitsmarkt: Jobs schwinden, Fachkräfte in der NÖ Industrie fehlen

Steigende Arbeitslosigkeit, Fachkräftemangel und die Frage nach zeitgemäßen Arbeitszeitmodellen standen bei Industrie-Gespräch im Fokus.

Lesedauer: 3 Minuten

Aktualisiert am 07.09.2026

80.000 Arbeitsplätze und 2.700 Lehrlinge. Über Jahre hinweg waren das die zwei beständigen Kennzahlen aus der niederösterreichischen Industrie. „Leider ist das nicht mehr so. Zwischen 2023 und 2025 sind über 2.900 Arbeitsplätze verloren gegangen. Mit Stand vom Juli 2026 zählen wir nur noch 2.200 Lehrlinge“, informierte NÖ Industrie-Spartenobmann Helmut Schwarzl.

Die Industrie, die rund ein Drittel der niederösterreichischen Wirtschaftsleistung trägt und für über 259.700 Arbeitsplätze verantwortlich ist, sieht sich mit einem Paradoxon konfrontiert: steigende Arbeitslosigkeit bei gleichzeitigem Fachkräftemangel. „Unternehmen bauen Arbeitsplätze ab, gleichzeitig benötigen wir dringend qualifizierte Arbeitskräfte. Das ist ein riesiges Spannungsfeld“, sagte Schwarzl.

Eine ernüchternde Entwicklung, die auch der aktuelle Bericht des AMS NÖ bestätigt: Ende August 2026 waren 47.682 Personen arbeitslos vorgemerkt - um 6,8% mehr als im August 2025. „Das ist der zweitstärkste Anstieg österreichweit. Großen Einfluss darauf hat die demographische Entwicklung – das Erwerbspotenzial in den nächsten Jahren sinkt“, warnte AMS NÖ-Landesgeschäftsführerin Sandra Kern. Dazu kommen aber noch weitere Herausforderungen: Erhöhung der Erwerbsbeteiligung von Frauen und älterer Menschen, Digitalisierung und technologischer Wandel, Work-Life-Balance, Integration von Zuwanderern und die (teils fehlende) Ausbildung.

Schwarzl zu Altersteilzeit: „Wir leisten uns etwas, das nicht mehr zeitgemäß ist!“

Stichwort Arbeitszeit. Ein weiterer Diskussionspunkt war auch die steigende Teilzeitquote bei gleichzeitig sinkenden Arbeitsstunden – sowohl bei Frauen als auch bei Männern. „Teilzeit ist finanziell zu attraktiv, das betrifft auch die Altersteilzeit. Wir leisten uns damit etwas, das nicht mehr zeitgemäß ist. Die Zeit drängt. Diese Entwicklung darf sich nicht fortsetzen“, forderte Schwarzl.

Kern sieht ihre Rolle in diesem Prozess vor allem beim Thema Qualifizierung von Beschäftigten: „Damit können wir den größten Beitrag leisten - mit arbeitsmarktnaher Qualifizierung im Unternehmen, aber auch mit unseren Ausbildungszentren und Förderungen.“

Ein wichtiger Schritt wäre auch mehr Transparenz am Arbeitsmarkt. „Jede offene Stelle sollte richtig gemeldet werden – das ist aktuell nicht so. Arbeitsmarktsteuerung ohne ein valides Konzept ist sinnlos“, appellierte Schwarzl an die Unternehmen. Daher betonten beide die Notwendigkeit der Zusammenarbeit: „Wir müssen gemeinsam an einem Strang ziehen - für einen starken Arbeitsmarkt und eine wettbewerbsfähige Industrie in Niederösterreich.“

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Industriefrühstück Sandra Kern Helmut Schwarzl
© Tanja Wagner AMS NÖ-Landesgeschäftsführerin Sandra Kern und NÖ Industrie-Spartenobmann Helmut Schwarzl tauschten sich über die aktuelle Lage am Arbeitsmarkt aus.